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Ein Leben für die Kirchenmusik

Langjähriger Würzburger Domkapellmeister Professor Siegfried Koesler gestorben

Würzburg (POW) Professor Siegfried Koesler, von 1971 bis 2002 Domkapellmeister an der Kilianskathedrale in Würzburg, ist am Samstagnachmittag, 1. Dezember, in Würzburg im Alter von 74 Jahren gestorben. In seiner Ära wurden unter anderem die Domsingknaben zum selbstständigen Chor weiterentwickelt und die Mädchenkantorei gegründet. In viel beachteten Konzerten und Orchestermessen führte er herausragende Werke der geistlichen Musik im Kiliansdom auf. International engagierte sich Koesler viele Jahre als Präsident des Chorverbands Pueri Cantores. Glaubensfreude, Güte und musikalische Spiritualität zeichneten den überzeugenden Kirchenmusiker aus. Die Würzburger Dommusik würdigt den Verstorbenen in einem Nachruf als Kirchenmusiker aus Leidenschaft und Berufung. „Siegfried Koesler hat das Gesicht und den guten Klang der Würzburger Dommusik 31 Jahre geprägt“, schreibt Domkapellmeister Professor Martin Berger.

Koesler wurde 1937 in Nagold geboren. Nach seinem Abitur wollte er zunächst Journalist werden und absolvierte ein Volontariat beim Schwarzwälder Boten. Danach schlug er aber eine ganz andere Richtung ein: Von 1960 bis 1968 studierte Koesler in Freiburg, Tübingen und Aix-en-Provence Chorleitung, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte. Zehn Jahre lang hatte er den Knabenchor von Rottweil im Schwarzwald geleitet, bevor er zum 1. Januar 1971 Domkapellmeister in Würzburg wurde. Erst drei Tage im Amt, dirigierte er bereits den Domchor bei der Eröffnung der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland im Kiliansdom.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit entwickelte Koesler die von seinem Vorgänger Franz Fleckenstein als eigenständiger Chor gegründeten Domsingknaben zum selbstständigen Chor weiter. Im Herbst 1971 gründete er außerdem die Mädchenkantorei, um den weiblichen Nachwuchs des Domchors zu sichern. Sie war damals einer der ersten Mädchenchöre an einer Kathedrale in Deutschland. „Ein Mädchenchor war ein ganz neuer Klang an einem Dom“, erinnerte sich Koesler später. Der Gesang der Mädchen wirke beseelter. Sein „Hauptantrieb“ in diesen Jahren war das Bewusstsein, dass „mit Kirchenmusik viel bewegt werden kann und ich viele Leute damit glücklich machen konnte“. Von 1972 bis 1989 baute Koesler die Abteilung Kirchenmusik des Bischöflichen Ordinariats auf. Von 1981 bis 1996 beriet er die Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Das Repertoire der Würzburger Domchöre, die jährlich bis zu 70 Messen an Sonn- und Feiertagen gestalten, baute Koesler so weit aus, dass sich kein Werk in einem Jahr wiederholte. Einzigartig in Deutschlands Domen waren die durch ihn ermöglichten Aufführungen von Brittens „War Requiem“, Franz Schmidts „Das Buch mit sieben Siegeln“ und Elgars „Apostel“, ebenso die Uraufführung des Oratoriums „Der Schrein der Märtyrer“ von Bertold Hummel auf einen Text von Bischof Dr. Paul-Werner Scheele zur 1300-Jahr-Feier des Martyriums der Frankenapostel.

Als Honorarprofessor lehrte Koesler an der Würzburger Hochschule für Musik Gregorianik, Liturgik und Kirchenmusikgeschichte. Von 1984 bis 1992 war Koesler zusätzlich Präsident des Internationalen Chorverbandes Pueri Cantores, zuvor leitete er bereits den deutschen Verband der Pueri Cantores. Seit 1992 war er Ehrenpräsident der Chorvereinigung. Bei den Treffen der Pueri Cantores dirigierte er nicht nur die Würzburger Domsingknaben und die Mädchenkantorei, sondern Massenchöre mit bis zu 9000 jungen Sängern aus aller Welt. Außerdem fungierte er als Jurymitglied bei den Chorwettbewerben von Athen, Nantes, Arezzo und Loreto. 1986 wurde er mit dem Würzburger Kulturpreis, 1993 in Rom mit dem europäischen Preis „Cesare d’oro“, 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Papst Johannes Paul II. verlieh Koesler 1998 den Gregoriusorden, 2001 überreichte Bischof Scheele ihm nach 30 Jahren Dienst als Domkapellmeister die Sankt-Bruno-Medaille.

2002 wurde Koesler in Würzburg mit einem Domkonzert und einem großen Festakt in den Ruhestand verabschiedet. Nach 31 Jahren am Kiliansdom legte er mit dem Schlussakkord von Bruckners „Te Deum“ den Dirigentenstab aus der Hand. Professor Dr. Wolfgang Bretschneider würdigte Koeslers Wirken mit der höchsten Auszeichnung des Allgemeinen Cäcilienverbandes, der Orlando di Lasso-Medaille. Koeslers Tun sei so überzeugend, weil er aus dem Glauben heraus gelebt habe, sagte Bretschneider damals. Weihbischof Helmut Bauer betonte bei der Feier, Domkapellmeister Koesler habe durch die Musik ein Fenster zur himmlischen Liturgie geöffnet. Zum Anlass der Verabschiedung gab der Dommusikverein eine Festschrift heraus. Wegbegleiter, Freunde, Musikfachleute und Kollegen des langjährigen Domkapellmeisters kommen darin zu Wort.

Die Würzburger Dommusik trauert jetzt um Professor Koesler und verdankt ihm viel: „Mit seinem qualitativen Anspruch prägte und förderte Koesler Generationen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, für viele war er neben dem Elternhaus die prägende Persönlichkeit ihres Lebens. Seine Glaubensfreude, Güte und musikalische Spiritualität zeichneten ihn als überzeugten und überzeugenden Kirchenmusiker aus“, heißt es im Nachruf. Koeslers unermüdliches Engagement habe einer Kirchenmusik gegolten, die nicht schmückendes Beiwerk ist, sondern Verkündigung selbst. „Er stand für eine Liturgie, der es immer um das Wesentliche geht.“

(4912/1269; E-Mail voraus)

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