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Ein lernender Wanderer durch die Zeit

Zweitägige Tagung „In dieser Stunde der Kirche" befasst sich intensiv mit Julius Kardinal Döpfner – Fest- und Dankgottesdienst mit Haydns „Paukenmesse" in Herz-Jesu – Gedenken an den vor 100 Jahren in Hausen geborenen Kardinal

Bad Kissingen (POW) Zwei Tage lang hat sich bei der Gedenktagung „In dieser Stunde der Kirche“ alles um den vor 100 Jahren in Hausen bei Bad Kissingen geborenen Julius Kardinal Döpfner (1913-1976) gedreht. Blickte zum Auftakt Karl Kardinal Lehmann bei seinem Festvortrag in der Bad Kissinger Wandelhalle auf das gesamte Lebenswerk Döpfners, so gingen sechs weitere wissenschaftliche Vorträge und anschließende Diskussionen auf einzelne Lebensstationen sowie auf das Selbstverständnis und die Spiritualität Döpfners ein. Zum Abschluss der Tagung zelebrierte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Samstagabend, 29. Juni, eine festliche Eucharistiefeier in der überfüllten Stadtpfarrkirche Herz Jesu, die das Residenzorchester Meiningen und die Kantorei Herz Jesu unter Leitung von Burkhard Ascherl mit Joseph Haydns „Paukenmesse“ musikalisch gestalteten. Veranstalter der Gedenktagung waren die Katholische Akademie in Bayern und die Katholische Akademie Domschule Würzburg.

Für Direktor Dr. Rainer Dvorak von der Würzburger Akademie Domschule war die Tagung sehr intensiv und reich an Perspektiven. Sehr angetan zeigte er sich von der großen Resonanz der beiden Tage, von der „fulminanten Wirkung Döpfners“, die bei der Tagung zu erleben war. Verfolgten weit über 100 Personen an beiden Tagen durchgehend und mit hohem Interesse die Vorträge zu Kardinal Döpfner, so kamen zum Festakt mit Kardinal Lehmann rund 700 Gäste. Wie Dvorak in seinem Schlusswort sagte, wurde ein Kirchenmann deutlich, der eine Entwicklungsfähigkeit an den Tag gelegt habe, für die man nur dankbar sein könne.

Bischof Hofmann bezeichnete das Pontifikalamt in der Herz-Jesu-Kirche dann auch als „Dankamt für diesen großen Kirchenmann“. Mit Zitaten aus der Rundfunkansprache „Meine fränkischen Jahre“ ließ er in seiner Predigt Kardinal Döpfner nochmals selbst zu Wort kommen, sei es mit Aussagen zur Liebe zur fränkischen Heimat, zur Marien- und Kiliansverehrung sowie zur Kreuzesnachfolge. „Voll und ganz übernehmen“ könne er die Aussagen Döpfners zur Laienarbeit, unterstrich der Bischof: „Wir Seelsorger fürchten nicht euer selbständiges Planen und Wirken, sondern wünschen es aus sehnsüchtigem Herzen. Wir wollen in euch Mitarbeiter sehen, die in eigener, freudiger, selbständiger Verantwortung ihre Aufgabe erkennen.“ Döpfners Ausspruch „Dein Angesicht, Herr, will ich suchen“, den der Kardinal wenige Tage vor seinem Tod in seiner Rundfunkansprache zitierte, habe er als Leitgedanken über dieses Jahr und vor allem auch über die bevorstehende Kiliani-Festwoche gestellt, betonte Bischof Hofmann. „Möge uns das von Bischof Julius überkommene Erbe ermutigen, heute durch unser Beten und Tun das Antlitz des Herrn in unserer Zeit zu suchen.“

Döpfners Zeit in Würzburg und Berlin

Der erste Blick der zweitägigen Tagung im Hotel „Frankenland“ in Bad Kissingen galt der Zeit Döpfners als Bischof von Würzburg (1948-1957). Christoph Weißmann vom Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg ging der Frage nach, wie sich Julius Döpfner im Spannungsfeld von Kirche und Politik positionierte, wie er agierte und wie dies sein Bild in der Öffentlichkeit beeinflusste. Dabei stellte Weißmann heraus, dass Döpfners Würzburger Zeit als Phase des Lernens für den Bereich der Politik gesehen werden könne. „Gerade in gesellschaftspolitischen und allgemein politischen Fragen war Döpfner auch innerhalb des deutschen Episkopats zu einem gefragten Ansprechpartner und Ratgeber geworden.“ Interessantes Detail des Vortrags war der Hinweis auf die Präferenz Döpfners für die CSU. Döpfner habe es zwar vermieden, sich in seinem Bistum zu sehr parteipolitisch zu exponieren, er habe hinter den Kulissen aber besonders Alfons Goppel unterstützt bei dessen Versuchen, sich politisch in Unterfranken zu etablieren, berichtete Weißmann.

Als sehr junger Bischof habe Döpfner auch bei der Amtsführung seinen eigenen Weg finden müssen und sei anpassungs- und änderungsfähig gewesen. „Bei den Gläubigen im Bistum Würzburg blieb Döpfner vor allem als volksnaher Bischof, der unverkrampften und direkten, mitunter auch humorvollen Umgang mit den Menschen pflegte, in lebendiger Erinnerung.“ Näher ging Weißmann auf den „immer wieder als negativer Höhepunkt von Döpfners Amtszeit bezeichneten Ochsenfurter Zwischenfall“ ein. Die Auseinandersetzung bei der Einweihung der Zuckerfabrik gehöre in seinen Ursachen zum ganz eigenen Themenkomplex interkonfessioneller Streitigkeiten. Ähnlich gelagerte Vorfälle habe es vorher und nachher im Bistum Würzburg und in zahlreichen anderen deutschen Bistümern gegeben. Doch sei dieser auf die politische Ebene gehievt worden und habe dann in der FDP und in den C-Parteien hohe Wellen geschlagen. Döpfner habe sich zutiefst missverstanden und gekränkt gefühlt. Bis kurz vor seinem Tod 1976 habe er beklagt, dass das im Zusammenhang mit Ochsenfurt entstandene Bild seiner Intention überhaupt nie entsprochen habe. Es sei die schwerste Prüfung seiner Würzburger Zeit gewesen.

Den Blick nach Berlin richtete der Historiker Professor Dr. Thomas Brechenmacher von der Universität Potsdam. Für Döpfner sei der Ruf nach Berlin Auszeichnung und herausfordernde Belastung gleichermaßen gewesen. Döpfners Berliner Amtszeit (1957-1961) war laut Brechenmacher von der verschärften ideologischen Konfrontation mit dem Kommunismus und vom Christsein im atheistischen Umfeld geprägt. Doch hätten die Berliner Erfahrungen – beispielsweise das verhängte Einreiseverbot in die DDR – dann Döpfner eben gerade nicht zu einem „Kalten Krieger“ verhärtet, „sondern trugen dazu bei, ihn zu einem Bischof der Einheit und Versöhnung reifen zu lassen, dem freilich Nachfolge Christi und Zeugnis für die Wahrheit Christi über alles gingen, und der deshalb falsche Koexistenzen ablehnen und ohne Kompromisse für die ,Koexistenz in der Wahrheit' eintreten musste“.

Umsetzung des Konzils vor Ort im Erzbistum München und Freising

Das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Umsetzung vor Ort standen im Mittelpunkt der Jahre Döpfners als Erzbischof von München und Freising (1961-1976). Professor Dr. Franz Xaver Bischof, Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität München, beschrieb nach einer Charakteristik der Erzdiözese München und Freising sowie nach einer Vorstellung des Wirkens Döpfners in der Zeit des Konzils das „Aggiornamento vor Ort“, die Umsetzung des Konzils im oberbayerischen Erzbistum – für Döpfner zentrale Aufgabe. Entschlossen, in Teilen bahnbrechend habe er die Umsetzung des Konzils in die Wege geleitet. Dabei sei Döpfner davon überzeugt gewesen, dass kirchliche Reform nur gelinge könne, wenn ihre spirituelle Dimension mitbedacht werde.

Näher beleuchtete Bischof die Umsetzung der Liturgiereform, die Neugliederung der Erzdiözese, die pastorale Raumplanung, die Auffächerung der kirchlichen Dienste und die zunehmende enge Zusammenarbeit in der Ökumene. Spannungen und Polarisierungen hätten den konziliaren Erneuerungsprozess begleitet. „Am bittersten dürfte für Döpfner die Polarisierung unter seinen Priestern gewesen sein“, stellte Bischof fest. Aus der Erfahrung der in Würzburg tagenden Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1971-1975), deren Präsident Döpfner war, habe sich für den Münchner Kardinal ein bleibender dreifacher Auftrag ergeben: „Die Einheit der Kirche suchen, Spannungen in ihr aushalten und beim Aufbau der Kirche auf allen Ebenen zusammenwirken.“ Kurz vor Döpfners unerwartetem Tod am 24. Juli 1976 sei noch ein neues Schwerpunktprogramm für die Seelsorge im Erzbistum verabschiedet worden. „Die Resonanz seines Todes im In- und Ausland war gewaltig.“

Döpfners Denken und Spiritualität

In die Mitte des theologischen Denkens Döpfners führte der Würzburger Kirchenhistoriker Professor Dr. Wolfgang Weiß. Döpfner in erster Linie als „Macher“ zu sehen, ist für Weiß zu oberflächlich. Dem Kardinal sei es immer darum gegangen, die Glaubensbotschaft an die Menschen zu bringen. „Döpfner wollte immer Vermittler des Christusglaubens sein, auch wenn Art und Weise dieser Mittlertätigkeit nicht gleich waren, sondern davon abhingen, was die Stunde verlangte.“ Als Bischof von Würzburg habe sein Einsatz dem Aufbau des Gottesreiches des „Heiligen Franken“ gegolten. Nach seinem Wechsel auf den Berliner Bischofsstuhl habe er davon Abschied genommen und dann die Kirche in den Dienst der Verkündigung des schon gekommenen und kommenden Reiches Gottes gestellt.

Für Weiß hat das Konzil endgültig den Blick Döpfners verändert. Reform habe er als „Wesenselement der Kirche“ gesehen. Döpfner selbst sei in diesen Jahren des Konzils und der Würzburger Synode zur „Persönlichkeit des Dialogs“ geworden. „Döpfner hat sich als Wanderer durch diese Zeit stets als Lernender und Reifender, Fehlerhafter und der Vervollkommnung und der Vollendung Bedürftiger erfahren und verstanden“, sagte Weiß. Dies mache es auch so schwer, das Döpfner-Bild zu harmonisieren oder zu glätten. Immer wieder begegne einem fast unvermittelt ein schroffer, harter und dann wieder weicher, dialogbereiter Döpfner. Döpfner Selbstverständnis, ein stets lernender, sündiger Pilger zu sein, mag nach den Worten Weiß' weitgehend gleich geblieben sein; „aber gerade dies bedingt, dass ihm der Anruf der Stunde so wichtig blieb und er sich wieder auch neu zu positionieren hatte“.

Biographisch begründet und theologisch reflektiert war Döpfners Kreuzesspiritualität. Das arbeitete Dr. Christian Hartl, Spiritual im Spätberufenenseminar Lantershofen bei Bonn, in seinem Vortrag heraus. Die Kreuzesspiritualität könne als nüchterne und zugleich innige „Liebeserklärung an Gott und die Welt“ gewertet werden. Positiv und nüchtern soll für Döpfner das Verhältnis zur Welt sein. Der Glaube an Gott verwirkliche sich in der Liebe zur Erde und zu den Menschen. Das Kreuz symbolisiere diese Lebensbejahung, diese Liebeserklärung Gottes an die Welt. Eindrucksvoll meditierte Hartl den Lebensweg Döpfners wie einen Kreuzweg. Schon als Kind habe Döpfner wohl gespürt, dass Leben und Kreuz miteinander zu tun haben. Als Bischof von Würzburg habe er sich als erster Kreuzträger gesehen, die Diözese Berlin als Bistum unter dem Kreuz bezeichnet und in seiner Münchner Zeit das Kreuz umklammert. „Für Julius Döpfner war das Kreuz die entscheidende Kraftquelle“, unterstrich Hartl.

Begegnungen mit Kardinal Döpfner

Von Begegnungen mit Kardinal Döpfner konnte der 85-jährige Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele berichten. So erlebte er nicht als Priester oder Bischof erstmals den Kardinal, sondern als Journalist. Scheele schrieb damals direkt vom Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom wöchentliche Beiträge für das „Echo der Zeit“. Aus nächster Nähe zeigte sich Scheele wiederholt das Engagement des Moderators Julius Döpfner. Auch dessen Einsatz als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz für die Verwirklichung der Konzilsintentionen habe Scheele erlebt. Die Formulierung „Das Konzil ist beendet – Das Konzil beginnt“ habe das pastorale Ziel Döpfners gekennzeichnet. Ein Herzensanliegen des Präsidenten Döpfner bei der Würzburger Synode war es nach den Worten Bischof Scheeles, Brücken zwischen den verschiedenen Positionen zu schlagen und ein Auseinanderbrechen der Synode zu verhindern. Als Synodale habe er den Mut des Kardinals bewundern können, sich ganz Gott und mit Gott ganz der Welt auszuliefern, berichtete Bischof Scheele.

bs (POW)

(2713/0701; E-Mail voraus)

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