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„Ein Prozess des Näherns, der nie endet“

Neues Gemälde des „Barmherzigen Jesus“ für Pfarrkirche Sankt Peter und Paul – Neuinterpretation des Leipziger Künstlers Michael Triegel – „Eines meiner schönsten und zugleich aufwühlendsten Projekte“

Würzburg (POW) Die Bilder des „Barmherzigen Jesus“ gelten für viele Menschen als Inbegriff christlichen Kitsches. Zugleich wird das Motiv, das auf Visionen der polnischen Ordensschwester Faustyna Kowalska (1905-1938) zurückgeht, von Katholiken auf der ganzen Welt verehrt. Für die Würzburger Pfarrkirche Sankt Peter und Paul fertigte der Leipziger Künstler Michael Triegel eine neue Interpretation des Bildes an. Bei einem Künstlergespräch am Samstag, 22. April, erklärte er, was für ihn das Besondere an diesem Motiv ist und warum ihn der Auftrag zunächst erschreckte. „Es war eines meiner schönsten und zugleich aufwühlendsten Projekte“, sagte er. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann segnet das Gemälde im Rahmen einer Vigilfeier am Samstagabend, 22. April, um 19 Uhr, dem Vorabend des Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit. „Mit dem Bild vom ,Barmherzigen Jesus‘ findet die Innenrenovierung von Sankt Peter und Paul ihre künstlerische Vollendung“, sagte Stadtdekan Dompfarrer Dr. Jürgen Vorndran.

Der auferstandene Jesus schreitet durch einen hölzernen Türrahmen auf den Betrachter zu. Links hängt noch das zerborstene Schloss. Hinter ihm ist tiefes Schwarz. „Jesus steht als Licht vor diesem Schwarz. Man sieht seinen Schatten fallen, das heißt, er ist wahrlich auferstanden“, sagte Triegel. Aus der Gegend, wo das Herz ist, fallen weiße und rote Strahlen. Am auffälligsten ist das Gesicht: Es verändert sich je nach Standort und Lichteinfall. „Wenn ich mich im Raum bewege, ist das Gesicht mal überstrahlt, mal ganz plastisch und greifbar. Es bleibt ein Prozess des Näherns, der nie endet“, erklärte Triegel. Am unteren Rand des Gemäldes sind links eine Mohnblüte, rechts eine Akelei und ein Schmetterling zu sehen. Die Mohnblüte sei das Symbol für den Schlaf, den Bruder des Todes. Die zarte Akelei, die den Steinboden durchbricht, sei zugleich Symbol für die Dreieinigkeit. Der Schmetterling wiederum steht für die Auferstehung. Ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Jesus ich vertraue auf Dich“ ist an den unteren Rand des Bildes gemalt. „Dieses Vertrauen ist ganz klein und wächst über sich hinaus.“

Seit 2011 habe in der Pfarrkirche eine Reproduktion des „Barmherzigen Jesus“ des polnischen Künstlers Adolf Hyla aus dem Jahr 1944 gehangen, erläuterte Pfarrvikar Christian Stadtmüller. „Doch nach der Innenrenovierung war allen klar, dass man es nicht mehr aufhängen kann.“ Bei einem Besuch in Köthen zur Jahreswende 2015/2016 habe er dann Glasfenster mit Szenen aus dem Leben Mariens gesehen, die Triegel für die dortige katholische Schlosskirche geschaffen hatte. Daraufhin sei ihm der Gedanke gekommen, ein neues Gemälde des „Barmherzigen Jesus“ in Auftrag zu geben. Doch Triegel habe zunächst abgelehnt – und erst nach einer längeren Korrespondenz eingewilligt. Pfingsten 2016 hätten dann die Planungsgespräche begonnen. „Seit Jahrzehnten hat sich kein renommierter Künstler mehr an das Bild des ,Barmherzigen Jesus‘ gewagt. Es war ein riskantes Unternehmen“, erklärte Vorndran. Im „Vatican-Magazin“ von Februar 2017 heiße es dazu: „Das Unterfangen seiner Suche nach dem Antlitz Christi ist damit nichts weniger als eine Weltsensation.“ Das fertige Werk habe laut Vorndran alle Erwartungen übertroffen.

„Im ersten Moment habe ich gedacht, das geht gar nicht“, sagte Triegel und erläuterte: „Ich kann einen Auftrag nur übernehmen, wenn ich Gefühle habe, wenn es etwas mit mir zu tun hat. Wenn es mich nicht berührt, nützt auch die beste Maltechnik nicht.“ Er habe die Tagebücher Faustyna Kowalskas gelesen. „Ich habe erst einmal einen Schreck bekommen, als ich von ihren Visionen gelesen habe“, gab er zu. Dann habe er sich mit dem Thema Visionen auseinandergesetzt. Die historische Distanz tauche diese normalerweise in ein märchenhaftes Licht. „Warum fällt es mir so schwer, wenn etwas Wunderbares räumlich und zeitlich ganz nahe an mich herankommt?“, habe er sich gefragt. Er habe das Kloster besucht, in dem die Schwester gelebt hatte, und in ihrer Zelle Auszüge aus ihren Tagebüchern gehört. Darin schildert sie unter anderem eine Begegnung mit Jesus an der Klosterpforte, die zur Inspiration für das neue Gemälde wurde, in dem Jesus ebenfalls durch eine Pforte schreitet. Die größte Herausforderung sei das Antlitz Jesu gewesen, schilderte der Künstler. Erst habe er sogar überlegt, es ganz leer zu lassen. Doch beim Malen habe er erlebt, wie Jesus auch für ihn selbst konkret wurde: „Es gibt Momente, in denen ich weiß, dass ich nur ein Werkzeug bin. Es gibt einen Punkt, an dem ich das Bild laufen lassen muss. Es gewinnt ein Eigenleben.“

Michael Triegel

Michael Triegel wurde 1968 in Erfurt geboren. Er studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und absolvierte ein Meisterschülerstudium bei Professor Ulrich Hachulla. Bekannt wurde er durch seine Porträts von Papst Benedikt XVI. 2000 wurde er mit der Ausführung des Wandbilds „Allegorie der guten Regierung“ im Sitzungssaal des historischen Rathauses der Stadt Plochingen am Neckar betraut. 2004 erhielt er seinen ersten kirchlichen Auftrag: die Neugestaltung der Predella für den spätgotischen Schnitzaltar in der kleinen Kapelle zu Langreder bei Hannover. 2006 erhielt er den Auftrag für die Gestaltung des Seitenaltarretabels in der Stadtpfarrkirche Sankt Laurentius in Ebern. Im Bistum Würzburg schuf er unter anderem das Deckengemälde „Harmonia Mundi“ für die Dommusik Würzburg (2009/2010) und das Altarretabel für die Stadtpfarrkirche Sankt Augustinus in Dettelbach (2011). Zu seinen jüngsten Werken gehören Kirchenfenster für die katholische Schlosskirche in Köthen. Triegel lebt und arbeitet in Leipzig. 2014 ließ er sich in Dresden katholisch taufen.

sti (POW)

(1717/0453; E-Mail voraus)

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