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„Ein Wink des Himmels“

Über 70 Jahre nach Märtyrertod von Pater Engelmar Unzeitig in Dachau: International Tracing Service übergibt persönliche Gegenstände an Mariannhiller Missionare – Seligsprechung des Ordensmanns am 24. September in Würzburg

Bad Arolsen/Würzburg (POW) Drei Gegenstände aus dem Besitz des Mariannhillerpaters Engelmar Unzeitig haben am Mittwoch, 1. Juni, Vertreter des Ordens in Bad Arolsen beim International Tracing Service (ITS) entgegengenommen: eine Taschenuhr und zwei Ordensmedaillen des Ordensmanns, der am 24. September 2016 in Würzburg seliggesprochen wird. Unzeitig starb im März 1945 im Konzentrationslager Dachau an Typhus, nachdem er erkrankte russische Inhaftierte gepflegt hatte. Die jetzt an die Mariannhiller Missionare übergebenen persönlichen Gegenstände des Märtyrerpriesters befanden sich unter den Habseligkeiten ehemals NS-Verfolgter, die der ITS seit Mitte der 1960er Jahre verwahrt.

„Es ist unglaublich, dass die persönlichen Gegenstände unseres Mitbruders nach so vielen Jahren ihren Weg in unseren Orden zurückfinden“, sagte Provinzial Pater Michael Maß. Für seine Ordensgemeinschaft der Missionare von Mariannhill habe zudem der Zeitpunkt dieser Übergabe wenige Monate vor der Seligsprechung eine besondere Bedeutung. „Ein Mitbruder sah in der Nachricht über die Gegenstände einen Wink des Himmels“, sagte Maß. „Außer einem Kelch, einer Bibel und einem russischen Wörterbuch sind von ihm keine persönlichen Gegenstände überliefert.“

Der unter dem Namen Hubert Unzeitig geborene Geistliche wurde im April 1941 von den Nationalsozialisten verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Er hatte sich öffentlich für verfolgte Juden eingesetzt. Bei seiner Einlieferung nahmen die Nazis ihm seine persönlichen Gegenstände ab – darunter die beiden Medaillen und seine Taschenuhr. „Die Medaillen haben für unsere Ordensgemeinschaft einen großen Wert. Es handelt sich zum einen um die Profess-Medaille, die jeder Mitbruder ausgehändigt bekommt, wenn er sein Ordensgelübde ablegt. Die zweite Medaille hat Pater Engelmar während seiner Schulzeit an der ordenseigenen Schule überreicht bekommen. Zukünftig werden die Medaillen vermutlich als Berührungsreliquien des künftigen Seligen verwendet.“

Zahlreiche Briefe hat Unzeitig während seiner knapp vierjährigen Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau geschrieben. In einer der letzten Nachrichten an seine Schwester Adelhilde schrieb er: „Liebe verdoppelt die Kräfte, sie macht erfinderisch, macht innerlich frei und froh“. Die katholische Kirche würdigt mit der Seligsprechung, dass Pater Unzeitig an seinem Glauben festhielt und sich ungeachtet der lebensbedrohlichen und unmenschlichen Bedingungen um hilfsbedürftige Mithäftlinge kümmerte. Er teilte seine Essensrationen und betreute Mithäftlinge als Seelsorger. Als 1945 im Dachauer Konzentrationslager Typhus ausbrach, meldete er sich freiwillig zur Pflege, infizierte sich und starb selbst an der Krankheit. Für seine Mitbrüder ist der Pater ein großes Vorbild: „Er hat uns gezeigt, wie wichtig der Glaube an Gott ist: egal wo man lebt und egal wie beschwerlich die Umstände sind“, sagte Provinzial Maß.

Während des Besuchs beim ITS konnten die Mariannhiller auch die Originaldokumente einsehen, die die Inhaftierung des Paters betreffen. Neben Häftlingslisten des Konzentrationslagers mit Einträgen zu Unzeitig befindet sich eine Todesmeldung im Archiv. Anna Meier-Osiński, ITS-Abteilungsleiterin der Auskunftserteilung zu NS-Verfolgten, und ihre Mitarbeiterin Ulrike Witte erklärten die Dokumente und überreichten neben der Taschenuhr auch Kopien der Unterlagen. „Für den ITS sind diese Begegnungen nicht nur besonders, weil wir informieren und Gegenstände zurückgeben können. Sie bieten uns die Möglichkeit, mehr über das Leben der NS-Verfolgten zu erfahren“, sagte Meier-Osiński.

Um möglichst viele der noch rund 3200 vom ITS verwahrten persönlichen Gegenstände an Nachfahren aushändigen zu können, hat der ITS im Oktober 2015 Fotos sämtlicher Habseligkeiten in seinem Online-Archiv veröffentlicht. Seit der Onlinestellung konnten bereits zwölfmal Hinterlassenschaften übergeben werden.

Stichwort: ITS

Der International Tracing Service (ITS) ist ein Archiv und Dokumentationszentrum über NS-Verfolgung und die befreiten Überlebenden. Aus mehr als 30 Millionen Dokumenten erhalten ehemals Verfolgte und deren Nachfahren Informationen zu Inhaftierung, Zwangsarbeit sowie der Nachkriegsunterstützung durch die Alliierten. Das Archiv ist zugleich die Grundlage für Forschung und Bildung. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, besteht eine internationale Zusammenarbeit mit Gedenkstätten, Archiven und Forschungsinstitutionen. Der ITS erinnert an die Opfer der NS-Verbrechen und leistet einen Beitrag zur Gedenkkultur. Seit 2013 sind die Originaldokumente des Archivs Teil des Unesco-Weltdokumentenerbes „Memory of the World“. Die Aufsicht des ITS obliegt einem Internationalen Ausschuss mit Vertretern aus elf Mitgliedsstaaten: Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, USA und Großbritannien. Finanziert wird der ITS aus dem Haushalt der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM). Institutioneller Partner ist das Bundesarchiv.

(2316/0647; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet 

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