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Hoch hinaus mit dem Gleitschirm

Priester Andreas Hanel frönt seit zwei Jahren seiner Fliegerleidenschaft – Schönheit der Schöpfung ganz neu entdeckt

Aschaffenburg (POW) Schwerelos über der Landschaft fliegen, emissionsfrei und leise, weil ganz ohne Maschinenhilfe, und mit „leichtem Gepäck“: Diesen Traum hat sich Andreas Hanel (37), geistlicher Religionslehrer an der Maria-Ward-Schule in Aschaffenburg, erfüllt. „Ich genieße es, durch die Luft zu fliegen. Aus der Vogelperspektive bekommt man einen ganz besonderen Blick für die Schönheit der Schöpfung“, erzählt der Priester begeistert.

Die ursprüngliche Motivation für seine Ausbildung zum Gleitschirmflieger ist überraschend: „Ich wollte etwas gegen meine Höhenangst tun. Leitern, wackelige Treppen und Treppen, bei denen man zwischen den Stufen nach unten schauen kann – echt ein Problem!“ Im August 2016 ging Hanel auf die harte Tour dagegen an. Er kaufte sich einen Gleitschirm samt dazugehöriger Schutzausrüstung wie Helm, winddichte Jacke und spezielle Fliegerstiefel mit verstärktem, stabilisierendem Knöchelbereich. Insgesamt 20 Kilogramm wiegt die komplette Ausrüstung, die in einem Rucksack verstaut zum Startplatz transportiert wird. Insgesamt rund zwei Wochen dauerte der sogenannte „Kombikurs“ auf der Wasserkuppe in der Rhön. Dieser umfasst die grundlegende Theorie samt theoretischer Prüfung. Dafür werden die Kandidaten beispielsweise meteorologisch geschult, damit der Flieger die jeweilige Wettervorhersage auf die potentiellen Gefahren und geeignetes Flugwetter hin lesen kann.

Es folgten erste fliegerische Versuche an der Wasserkuppe, bei denen grundsätzliche Schirmmanöver wie Lenken, Bremsen und Beschleunigen auf dem Lehrplan standen. Weil Hanel dabei einmal einen thermischen Aufwind erwischte, scherzte sein Fluglehrer über Funk: „Andreas, freu dich, du bist jetzt deinem Chef näher als wir hier am Startplatz!“ Weiter ging die praktische Ausbildung im Südtiroler Lüsen. „Dort steht übrigens die einzige Kilianskirche Europas südlich der Alpen“, sagt der Geistliche. Der Startplatz sei aber auch unter rein weltlichen Aspekten ideal: „Man muss nur aus dem Hotel ein paar Meter laufen und kann von dort abfliegen – anders als an vielen anderen Orten, wo die Startplätze eine Anfahrt erforderlich machen.“

Insgesamt 40 Flüge, davon 15 mit einem Höhenunterschied von über 500 Metern, galt es zu absolvieren und bei der praktischen Prüfung zum Abschluss einen Flug mit Landung innerhalb eines bestimmten Feldes zu zeigen, um die „A-Lizenz“ zu erwerben. Damit ist der Gleitschirmflieger berechtigt, von offiziellen Startplätzen zu deren zugehörigen Landeplätzen zu fliegen. In Deutschland lizenziert der Deutsche Hängegleiterverband (DHV), der weltweit größte Gleitschirm- und Drachenflieger-Verband, geeignete Orte.

Viele der Fliegerkollegen, die er bei seinem Hobby treffe, seien überrascht, wenn sie von Hanels Beruf erführen, berichtet er. „Dabei weiß ich auch von Gemeinde- und Pastoralreferenten, die das Hobby mit mir teilen, und auch einige evangelische Pfarrer habe ich schon beim Fliegen getroffen.“ Er habe bislang während seiner Zeit als Pfarrvikar den wöchentlichen freien Tag zum Fliegen an seinem „Hausberg“ Wasserkuppe genutzt. „Das heißt: Wenn es das Wetter zugelassen hat. Bei Regen können Gleitschirmflieger nicht starten, und am Startplatz braucht es Gegenwind.“

Der guten Flugbedingungen wegen verbrachte Hanel dieses Jahr seinen Urlaub in Lüsen. Dort traf er bereits 2017 unter anderem den bekannten Schauspieler Rufus Beck, der gerne für ein Selfie mit seinem Hobbykollegen Hanel bereit gewesen sei. Überhaupt sei der Umgang der Gleitschirmflieger untereinander sehr kameradschaftlich.

Inzwischen hat Hanel auch die „B-Lizenz“ erworben. Er darf damit auch Überlandflüge absolvieren und jenseits genehmigter Landeplätze landen. „Länger als 90 Minuten war ich aber bislang noch nicht in der Luft. Jenseits von 2500 Metern Höhe wird es schon ganz schön frisch“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Dennoch träumt er davon, im kommenden Jahr einmal eine geführte Flugreise mit einem Fluglehrer zu unternehmen. Und was wurde eigentlich aus seiner Höhenangst? „Auf Leitern oder die besagten Treppen gehe ich noch immer nicht.“

Markus Hauck (POW)

(3718/0870; E-Mail voraus)

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