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„Offene Tür zur Barmherzigkeit Gottes“

Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim Pontifikalgottesdienst zur Wiedereröffnung der Kilianskrypta im Neumünster am 21. April 2016 in der Neumünsterkirche in Würzburg

Lieber Herr Dompfarrer,

liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Der heutige Tagesheilige, Bruder Konrad von Parzham, ist ein geeigneter Diener Gottes, der uns die Tür zu unserer je eigenen Berufung öffnen kann.

Er hat als Kapuzinerbruder 41 Jahre lang die Klosterpforte in Altötting betreut. Als Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie in Parzham bei Passau war ihm eine andere Zukunft in die Wiege gelegt worden. Erst mit 31 Jahren verließ er sein Heimatdorf, verzichtete auf den reichen Hof und trat als Laienbruder bei den Kapuzinern ein.

Der Dienst als Pförtner in einem Kloster, das ständig von Wallfahrern, fahrendem Volk und Bettlern aufgesucht wurde, war äußerst schwer. Doch wird über ihn gesagt, dass er mit „aller Sorgfalt und mit einer unüberwindlichen Geduld, immer demütig, fromm, hilfsbereit, schlicht und fleißig“ seinen Dienst aufopferungsvoll versehen habe. „Niemals hat man eine üble Nachrede oder ein leichtfertiges Urteil oder auch nur ein unnützes Wort aus seinem Munde gehört, obwohl er mit zahllosen Menschen im Laufe der vielen Jahre zu tun hatte.“

Er war ein Pförtner, der nicht nur die Türen ins Kloster öffnete, sondern die Herzen der Menschen zu Gott hin öffnete. Er schaffte es, dass Menschen allein durch die Begegnung mit ihm positiv verändert wurden. Diese materielle und ideelle Hilfe, die er unermüdlich den Menschen schenkte, konnte nur gelingen, weil er im tiefsten Inneren in einem ständigen Gebetskontakt mit Gott stand.

Von seiner Klosterzelle aus waren nur wenige Schritte bis zu einer Wandöffnung zu gehen, die ihm einen Blick auf das Tabernakel der Klosterkirche erlaubte.

Er, der schon als Kind in einem ständigen Gebetskontakt mit Gott stand, der als junger Mann ganze Nächte vor dem Hausaltar seiner Familie kniete und auch bei der Feldarbeit die stumme Zwiesprache mit Gott pflegte, er verblieb auch während seiner Pförtnerdienste stets im Gebet.

Die nahe gelegene Wallfahrtskapelle der Muttergottes von Altötting war das Heiligtum, in dem er an jedem frühen Morgen in der heiligen Messe ministrierte.

Hier im Neumünster bergen wir in der Krypta die Gebeine der heiligen Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan und neben einigen Bischofsgräbern auch die Asche des seligen Georg Häfners.

Hier ist das Herzstück unseres Frankenlandes. Während Bruder Konrad in seiner engeren Heimat verblieben ist, haben sich diese irischen Mönche auf den weiten Weg nach Franken gemacht, um hier das Evangelium zu verkünden. Auch für sie war die ständige Kontemplation, das Verweilen in der Gegenwart Gottes, wichtigster Halt bei allen Aktivitäten.

Während Bruder Konrad als „stummer Prediger“ angesehen werden kann, verkündeten die irischen Wandermönche vehement die Frohe Botschaft.

Der Würzburger Pfarrer Georg Häfner sprach eine deutliche Sprache im Blick auf den verheerenden Nationalsozialismus. Deswegen kam er schließlich in das Konzentrationslager Dachau, wo er nach fürchterlichen Qualen starb.

Bruder Konrad wurde im Blick auf den Hochmut des Nationalsozialismus als demütiger Ordensmann 1934 heilig gesprochen.

All den genannten Heiligen ist auf unterschiedliche Weise die Gabe geschenkt worden, die Türen der Menschenherzen zu öffnen. Genau das geschieht auch an diesem heiligen Ort.

Umso bedauerlicher ist es, dass gerade hier die Krypta durch unsägliche Schmierereien geschändet wurde. So muss nun dieser Ort verstärkt geschützt werden, das heißt doch die Zugangsmöglichkeiten werden zeitlich begrenzt und eingeengt. Ganz zu schweigen von den durch die Schändung erfolgten Beleidigungen Verstorbener, aber auch all der Menschen, die hier zum stillen Gebet kommen und hier ihren Zufluchtsort haben.

Man muss allerdings auch fragen, ob eine solche Entgleisung nicht doch in einem weiteren Zusammenhang mit öffentlichen Kampagnen der vergangenen Wochen gegen die Kirche steht. Wird nicht oft genug ohne greifbare Belege unter Missachtung der Unschuldsvermutung und durch ständige Wiederholung unbewiesener Anklagen ein Boden bereitet, der Unruhe, Zwietracht und Frust fördert?

Bruder Konrad schrieb in einem Brief: „Meine Lebensweise besteht nun meistens darin: lieben und leiden, in Staunen und Anbeten bewundern die namenlose Liebe zu uns armen Geschöpfen. In dieser Liebe meines Gottes komme ich an kein Ende. ... Das Kreuz ist mein Buch.“

Wir werden nach der heiligen Messe die renovierte Krypta segnen und den Pilgern und Besuchern wieder zugängig machen. Möge dieser Begräbnisort der Frankenapostel und des seligen Pfarrers Georg Häfner auch weiterhin eine offene Tür zur Barmherzigkeit Gottes sein.

Amen.

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