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„Das Recht ströme wie Wasser“

Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und Bischof Erwin Kräutler beim bundesweiten Eröffnungsgottesdienst der 58. Misereor-Fastenaktion am 14. Februar 2016 im Würzburger Kiliansdom

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann:

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,

Liebe Schwestern und Brüder hier im Dom und wo immer Sie uns hören und sehen,

„Das Recht ströme wie Wasser“ (Am 5,24) wünscht der Prophet Amos in seiner Zeit. Und was können wir uns heute anderes wünschen? Recht ist genauso wichtig wie Wasser. Beides wird bei der diesjährigen Misereor-Aktion, die bundesweit heute in unserem Würzburger Dom eröffnet wird, in den Blick genommen.

Die weltweiten Ungerechtigkeiten, die sich in brutalen Aktionen gegen die – oft einfachen – Menschen richten, dürfen uns ebenso wenig kalt lassen. Ebenso Sorge machen muss uns der verantwortungsvollen Gebrauch des Lebenselementes Wasser. Dabei müssen wir als Europäer auch unsere eigene Rolle kritisch in den Blick nehmen. Aus politischen und wirtschaftlichen Interessen ist anderen Völkern gegenüber viel Unrecht geschehen und geschieht zum Teil immer noch – Unrecht, das auch für die instabilen Verhältnisse in Afrika, Südamerika und im Nahen Osten mitverantwortlich ist. Der Griff nach Rohstoffen und die Sicherung des eigenen Wohlstands standen im Vordergrund – die Würde, die Kultur und das Wohl der Bewohner dieser Länder wurden dabei nicht selten missachtet. Die Bedrohung und Verletzung von Menschenrechten, gerade in Brasilien – von denen mein Mitbruder Bischof Erwin Kräutler detaillierter sprechen kann – rufen uns auf den Plan.

Wir profitieren von den Rohstoffen aus der Amazonasregion als billige Agrarimporte. Haben wir nicht da erst recht die Pflicht, uns für Gerechtigkeit und eine lebenswerte Umwelt der dortigen Bewohner einzusetzen?

Bischof Erwin Kräutler:

Unser Papst Franziskus hat seiner Enzyklika „Laudato Si“ den Untertitel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ beigefügt. Mit „gemeinsam“ meint er nicht nur eine Sorge auf nationaler oder regionaler Ebene, sondern die Verantwortung aller Nationen für unseren Planeten, also auch für Amazonien. Diese Region ist aber nicht etwa aufgrund ihrer klimaregulierenden Funktion in den Mittelpunkt des Weltinteresses getreten. Internationale Konzerne haben es längst auf die Ausbeutung der Naturreichtümer abgesehen, meist unter Missachtung von Sozial- und Umweltstandards. Dazu kommt der Bau von dutzenden Wasserkraftwerken, ohne dass sich die Bauunternehmen um Konsequenzen für die Menschen und ihre Mitwelt kümmern.

Der Weltöffentlichkeit wird vermittelt, alle Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und deren Mitwelt seien getroffen. In Brasilien selbst sind der Rat für Indigene Völker (CIMI) der Bischofskonferenz und die Kommission für Landpastoral (CPT) allen möglichen Schikanen ausgesetzt und werden mit Prozessen überzogen, weil sie seit Jahren die Rechte der Ureinwohner oder Bauern verteidigen. Manche unserer Schwestern und Brüder haben ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt.

Wasserkraftwerke werden lautstark als „saubere“ Energiequellen gepriesen. Wir aber stellen uns die Frage: Was heißt da „sauber“, wenn tausende Familien ihren Grund und Boden verlieren und bestenfalls in enge Fertigteilhäuschen zwangsumgesiedelt werden? Was heißt da „sauber“ wenn tausende Quadratkilometer tropischen Regenwaldes solchen Wahnsinnsprojekten zum Opfer fallen? Was ist da noch „sauber“, wenn die in der Verfassung festgeschriebenen Rechte der indigenen Bevölkerung missachtet, die Indios aus ihrem sozialen Gefüge gerissen und in ihrem Überleben bedroht werden? Europäische Turbinenhersteller verteidigen sich und verweisen auf milliardenschwere Aufträge und die damit verbundene Garantie von Arbeitsplätzen. Aber astronomische Gewinne und die Sicherung von Arbeitsplätzen machen die folgenschweren Eingriffe auf Mensch und Mitwelt noch lange nicht ethisch vertretbar. Jedes Unternehmen, das sich an diesen Projekten beteiligt, ist auch mitverantwortlich für die Verletzung von Menschenrechten und die damit verbundenen, nie wieder gutzumachenden Umweltschäden.

Papst Franziskus weist darauf hin, dass „den Gemeinschaften der Ureinwohner mit ihren kulturellen Traditionen besondere Aufmerksamkeit zu schenken“ ist und erklärt: „Sie sind nicht eine einfache Minderheit unter anderen, sie müssen vielmehr die wesentlichen Ansprechpartner werden, vor allem wenn man mit Großprojekten in ihre Gebiete eindringt“. (LS 146) Wirtschaftliche Projekte, die Familien und Völker von Grund und Boden vertreiben oder in ihrem Überleben bedrohen, sind unmoralisch und ein eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte. Sie stehen im krassen Gegensatz zum Plan Gottes mit uns Menschen, der uns ALLEN ein Leben in Fülle verheißen hat.

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann:

Bei uns in Deutschland steht genügend Wasser zur Verfügung. Aber horchen wir nicht auf, wenn – wie im vergangenen Jahr – wenig Regen fällt? Kritisch ist bei uns die Verschmutzung der Oberflächen und des Grundwasserspiegels. Wie sagte der Prophet Amos im 8. Jahrhundert vor Christus: „Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Am 5,24) Diesem wichtigen Satz setzt er aber eine Tempelkultkritik voraus, die wir genauso beherzigen sollten: „Weg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ich nicht hören, sondern das Recht ströme wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Das heißt doch: Redet nicht nur über die Probleme der Welt und jammert nicht, sondern handelt!

Amen.

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