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42 Jahre in der Sozialarbeit aktiv

Günther Purlein, Geschäftsführer der Christophorus-Gesellschaft, verabschiedet sich in den Ruhestand

Würzburg (POW) Würde Günter Purlein, Geschäftsführer der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft, kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand seine Memoiren schreiben, hätte er viel zu tun. Ein dicker Wälzer käme dabei heraus. Er stieg in spannenden Zeiten in die Sozialarbeit ein.

Als der heute 65-Jährige noch die Schulbank drückte, kümmerte sich kaum jemand um Menschen, die kein Dach über dem Kopf hatten. Erst 1974 fiel in Würzburg der Startschuss für die Obdachlosenhilfe. „Der Gedanke war damals, Nichtsesshafte zu kanalisieren“, berichtet der scheidende Christophorus-Chef. Oder anders ausgedrückt: Man wollte „Landstreicher“ stärker unter Kontrolle bekommen. Wen man damals für den neuen Plan gewinnen konnte, ist im Rückblick interessant: „Die erste Zentralstelle für Nichtsesshafte wurde von der Diakonie eröffnet. Caritas und die Stadt Würzburg machten mit.“ Ökumenische Zusammenarbeit war damals noch viel ungewöhnlicher als heute. Doch das Miteinander klappte. Und zwar so gut, dass 1979 mit denselben Akteuren eine Anlaufstelle für Straffällige eröffnet wurde. Purlein war mit von der Partie: Im Oktober 1978 war er bei der Würzburger Diakonie in die Sozialarbeit eingestiegen.

„,Zentralstelle‘ klang für mich nach Druck und nach Kontrolle von oben“, erinnert er sich. Er wollte, dass Menschen, die mit dem Gesetz ins Gehege geraten waren, fachliche Unterstützung erhielten. Das war in der neuen, von einer ökumenischen Arbeitsgemeinschaft getragenen Anlaufstelle von Anfang an der Fall. Heute besteht die Einrichtung in Form der „Zentralen Beratungsstelle für Strafentlassene“ in der im Jahr 2000 gegründeten Christophorus-Gesellschaft fort. Bis heute gibt es außerdem eine „Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose“, ebenfalls unter dem Dach der ökumenischen GmbH.

Menschen geraten in Not, wenn sie von einer schweren Krankheit heimgesucht werden, wenn sie Scheidungen zu verkraften haben oder wenn sie ihren Arbeitsplatz plötzlich verlieren. Dann kann die Miete nicht mehr gezahlt werden. Kredite bleiben unbedient. Schulden laufen auf. Lange kümmerte sich niemand um diese Problematik. Als Purlein 1984 in Würzburg die Schuldnerberatung eröffnete, war er ein Pionier: „Das gab es damals in ganz Süddeutschland noch nicht.“ Bis dahin wurden auch in Würzburg ausschließlich überschuldete Gefangene beraten. Dadurch sollten ihre Chancen auf Resozialisierung steigen.

Sich um Ausgegrenzte zu kümmern, sei nicht nur ein Gebot der Christlichkeit, betont Purlein. Wer einen Blick in die Bayerische Verfassung und ins Grundgesetz werfe, stelle fest: „Wir wollen ein Staat und eine Gesellschaft sein, in der niemand Not leiden muss.“ Das sei auch aus vielen Gesetzen herauszulesen. Purlein, der als „Sozialarbeiter mit dem Gesetzbuch unterm Arm“ gilt, wurde nie müde, darauf hinzuweisen. „Was bedeutet das Grundrecht aufs Briefgeheimnis anderes, als dass man auch eine Wohnung, eine Postadresse hat?“, fragt der Geschäftsführer, der hinter der Forderung nach einem Rechtsanspruch auf angemessenen Wohnraum steht.

Auch wenn sich in puncto Armenfürsorge in den vergangenen 40 Jahren eine Menge getan habe, dürfe man sich nicht zurücklehnen, appelliert Purlein. Auch in Würzburg lebten nach wie vor Menschen ohne einen festen Wohnsitz. Sie müssen zwar nicht draußen schlafen: Jede Kommune ist verpflichtet, Obdachlose unterzubringen. Das geschieht in Würzburg zum Beispiel in der Sedanstraße. „Allerdings war nie daran gedacht, dass Menschen dort viele Jahre lang in Verfügungswohnungen leben. Doch genau diese Situation ist eingetreten“, kritisiert Purlein.

Auch wenn es gerade im Winter in einer Notunterkunft besser sei als auf der Straße, dürfe man sich mit dem gegenwärtigen Zustand nicht begnügen, findet Purlein. Das sehe auch Würzburgs Sozialreferentin Hülya Düber so. Gemeinsam planten die beiden, eine neue Einrichtung für ältere Obdachlose zu gründen. Die sollen, sozial betreut, zu dritt oder viert in dezentralen Wohngemeinschaften zusammenleben. Purlein hofft, bis zu 20 Bewohnern der Sedanstraße dadurch zu angemessenem Wohnraum verhelfen zu können. Dass das Projekt noch nicht unter Dach und Fach ist, liege am angespannten Wohnungsmarkt: „Wir finden keine geeigneten Immobilien.“

Vielleicht gelingt es im neuen Jahr, eine erste WG zu eröffnen. Purlein wird das nur noch von außen mitverfolgen können: Am 18. November übernimmt Nadia Fiedler den Staffelstab von ihm. Die Sozialrechtlerin leitet derzeit die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Christophorus-Gesellschaft. Künftig wird sie daneben auch für die beiden Zentralen Beratungsstellen, die Kurzzeitübernachtung, das Johann-Weber-Haus, die Bahnhofsmission und die Wärmestube zuständig sein.

Stichwort: Christophorus-Gesellschaft

Die Christophorus-Gesellschaft wird von der katholischen Caritas, der evangelischen Diakonie und der Kirchenstiftung Sankt Johannes getragen. Caritas und Diakonie tragen maßgeblich zur Finanzierung bei. Durch die Übernahme öffentlicher Aufgaben wie Insolvenzberatung erfolgt eine Förderung zum Beispiel durch die Stadt Würzburg und das Landratsamt Würzburg sowie viele weitere Mittel der öffentlichen Hand. Bußgelder aus der Justiz helfen im Bereich der Strafhaftentlassenen. Spenden sind der wichtigste Baustein im Bereich der modernen Armenfürsorge. Spendenkonto: IBAN DE08 7905 0000 0045 0297 25.

Fredy Arnold (Christophorus-Gesellschaft)

(4720/1172; E-Mail voraus)

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