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Dokumentation

50 Jahre Theologie für alle

Festpredigt von Bischof Dr. Franz Jung zum 50-jährigen Bestehen von Theologie im Fernkurs am Sonntag, 2. Mai, im Kiliansdom Würzburg

Liebe Schwestern und Brüder hier im Würzburger Kiliansdom,

liebe Schwestern und Brüder in den sozialen Medien,

insbesondere liebe aktive und ehemalige Studierende von Theologie im Fernkurs,

wir feiern diesen Gottesdienst heute im Würzburger Kiliansdom anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Theologie im Fernkurs an der Domschule Würzburg, deren Sitz sich nebenan im Burkardushaus befindet.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, den ich heute vertreten darf, hat mich in meiner Funktion als Vorsitzender des Verbandsrates des Verbands der Diözesen Deutschlands gebeten, die Bedeutung unserer Einrichtung für die Kirche in Deutschland zu würdigen.

Theologie im Fernkurs ist von Anfang an hier in Würzburg angesiedelt und die Diözese Würzburg hat seit 2020 auch offiziell die Rechtsträgerschaft für Theologie im Fernkurs übernommen, denn 1969 wurde der Auftrag, theologische Kurse für Laien in allen deutschen Diözesen anzubieten, von der Deutschen Bischofskonferenz an die Domschule Würzburg erteilt.

Wenn heute aufgrund der Pandemie das 50. Jubiläum in sehr reduzierter Weise ausschließlich im Kiliansdom stattfinden kann, so hat doch dieser Ort selbst eine tiefere symbolische Bedeutung für die Arbeit von Theologie im Fernkurs. Im Hauptschiff des Würzburger Domes fand von 1971 bis 1975 die Würzburger Synode in der damaligen Bundesrepublik Deutschland statt.

Der Dom als Synodenaula war ein Ort der theologischen Diskussion über die Weitergabe des Glaubens in unserer Zeit und ein Ort der Debatte über die zukünftige Ausrichtung der kirchlichen Pastoral in Deutschland.

Wegweisende Beschlüsse, welche die lehramtlichen Weichenstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils für die Kirche in Deutschland umsetzen wollten, wurden hier im Kiliansdom getroffen. Manche der damaligen Fragen beschäftigen uns als Kirche, die erneut auf einem synodalen Weg ist, bis heute.

Theologische Bildung war in der Kirche über viele Jahrhunderte zunächst ein exklusives Vorrecht der Kleriker. Erst das Zweite Vatikanische Konzil hat eine lehramtliche Neujustierung vorgenommen. Das Erfordernis einer theologischen Bildung aller Glieder der Kirche und damit auch der Laien ergibt sich – wie das Dekret über das Laienapostolat in seiner Einleitung ausführt – aus „deren spezifischen und in jeder Hinsicht notwendigem Anteil an der Sendung der Kirche (…) Denn das Apostolat der Laien, das in deren christlicher Berufung selbst seinen Ursprung hat, kann in der Kirche niemals fehlen.“ (AA 1)

Das Apostolat der Laien besteht nicht nur in einem Zeugnis des Lebens, sondern auch in einem Zeugnis des Wortes. Durch diesen eigenständigen Beitrag zur Glaubensweitergabe, so das Dekret ausdrücklich, werden gesellschaftliche Milieus und kulturelle Kontexte erreicht, zu denen sonst kirchlicherseits keinerlei Bezug mehr besteht. Das Laiendekret „Apostolicam actuositatem“ schließt mit einem eigenen Kapitel, das der ganzheitlichen Bedeutung einer lebenslangen Bildung zum Apostolat gewidmet ist.

„Diese Bildung ist als Fundament und Voraussetzung jedes fruchtbaren Apostolats anzusehen. Außer der geistlichen Bildung ist eine gründliche theoretische Unterweisung erforderlich, und zwar eine theologische, ethische, philosophische, immer entsprechend der Verschiedenheit des Alters, der Stellung und Begabung.“ (AA 29)

Das Zweite Vatikanische Konzil hat die theologische Bewertung und Zuordnung aller Glieder der Kirche mit seinem Verständnis von Kirche als pilgerndem Gottesvolk in der Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ gefasst. Alle Glieder der Kirche haben gemeinsam und in je spezifischer Weise Anteil am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi.

„Christus, der große Prophet, der durch das Zeugnis seines Lebens und in Kraft seines Wortes die Herrschaft des Vaters ausgerufen hat, erfüllt bis zur vollen Offenbarung der Herrlichkeit sein prophetisches Amt nicht nur durch die Hierarchie, die in seinem Namen und in seiner Vollmacht lehrt, sondern auch durch die Laien. Sie bestellt er deshalb zu Zeugen und rüstet sie mit dem Glaubenssinn und der Gnade des Wortes aus, damit die Kraft des Evangeliums im alltäglichen Familien- und Gesellschaftsleben aufleuchte.“ (LG 35)

Der Beitrag der Laien zur Sendung der Kirche ist daher für „eine tiefere Kenntnis der geoffenbarten Wahrheit“ (LG 35) unverzichtbar. Das Zweite Vatikanische Konzil unterstreicht die intellektuell-theologische Dimension dieses Erkenntnis- und Bildungsprozesses stets auch im Blick auf die damit verbundene geistliche Dimension.

Diese konziliare Aufbruchsstimmung hat die Würzburger Domschule mit der Durchführung theologischer Kurse für Laien schon in den 1960er Jahren genutzt. Fritz Hofmann, Dogmatik-Professor an der Theologischen Fakultät Würzburg, Leiter der Domschule und 1. Vorsitzender der Bundesgemeinschaft für katholische Erwachsenenbildung in Deutschland hat diesen Kairos erkannt und sich nachdrücklich für die Etablierung eines theologischen Fernkurses für Laien für die deutschen Diözesen eingesetzt. Nachdem bereits seit längerem vergleichbare Einrichtungen in Österreich und der Schweiz vorhanden waren, war diese Etablierung längst überfällig. Die mehr als 35.000 Teilnehmenden im theologischen Grundkurs und die mehr als 60.000 Kurseinschreibungen insgesamt seit 1970 sind ein eindrücklicher Beleg, dass dieser Einsatz sich gelohnt hat.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils in dem Papier „Gemeinsam Kirche sein“ die Bedeutung der priesterlichen Würde aller Getauften unterstrichen und deren aktive Rolle bei der Erneuerung der Pastoral hervorgehoben. Der zunehmende Wandel der Sozialgestalt von Kirche in den letzten Jahrzehnten und der Verlust volkskirchlicher Selbstverständlichkeiten der Glaubenspraxis und des Glaubenswissens machen im kirchlichen Erneuerungsprozess auch die aktive Rolle aller Getauften bei der Glaubenskommunikation erforderlich.

„Theologie für alle“ intendiert heute Glaubenskommunikation auch mit Menschen anderer Konfessionen, anderer Religionen oder religiös unmusikalischen Menschen, die das katholische Angebot Theologie im Fernkurs wahrnehmen. Deren Anzahl hat in den vergangenen Jahren zugenommen. In einer pluralen, individualisierten und zunehmend von Konfessionslosigkeit geprägten Gesellschaft sind die Motivationslagen der Männer und Frauen, die sich für die theologischen Kurse bei Theologie im Fernkurs anmelden, sehr unterschiedlich. Sie führen auch nicht zwangsläufig zu einem Eintritt in die katholische Kirche, aber sie sind von existentieller Wichtigkeit für die Personen, die sich darauf einlassen, und von struktureller Bedeutung für die Vielfalt auch der nichtkirchlichen Orte, an denen weiterhin über Fragen des christlichen Glaubens und der katholischen Kirche informiert und diskutiert wird. Das Angebot von Theologie für alle leistet hier einen Beitrag zum ökumenischen und interreligiösen Dialog, aber auch zu einer säkularen Glaubenskommunikation in einem weiten Sinn für alle Menschen guten Willens.

Die überwiegende Mehrheit der Frauen und Männer in den Kursen von Theologie im Fernkurs kommen aus der gelebten Praxis in den Pfarrgemeinden, oft verbunden mit einem hohen ehrenamtlichen Engagement.

Dabei stoßen sie vielfach an Grenzen, wenn es darum geht, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der von [ihnen] Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die [sie] erfüllt“, wie es bereits im 1. Petrusbrief heißt (1 Petr 3,15).

Den Glauben zu verstehen, jenes auf den Kirchenlehrer Augustinus zurückgehende Grundprinzip theologischer Reflexion, ist oft der Anstoß, sich bei Theologie im Fernkurs anzumelden. Die dogmatischen Aussagen und die ethischen Überzeugungen des Glaubens nicht nur (im Sinn eines Katechismuswissens) zu kennen, sondern auch zu verstehen, worin ihre biblischen Grundlagen bestehen, welche kirchen- und theologiegeschichtlichen Entfaltungen sie prägen und welche Argumente auch in der heutigen Zeit für sie sprechen, sind Motivation, sich neben Familie und Beruf auf einen längeren und vielfach anstrengenden theologischen Bildungsprozess einzulassen.

Glaubenskommunikation zielt bei vielen Fernkursstudierenden über die reine sachliche Information und die persönliche Lebensrelevanz auch darauf, ihren Beitrag zu einer Weitergabe des Glaubens im Sinn ihres prophetischen Auftrags zu leisten. Das Angebot von Theologie im Fernkurs befähigt Menschen, sich die Sprachfähigkeit im Glauben, insbesondere in einer theologisch reflektierten und verantworteten Weise zu erwerben. Wenn zukünftig Ehrenamtliche auch verstärkt an der Leitung der Gemeinden beteiligt werden sollen, so ist eine theologische Sprachfähigkeit eine bedeutende Kompetenz.

„Theologie für alle“ bedeutet schließlich, Männern und Frauen in einer mittleren Lebensphase die Möglichkeit zu bieten, sich für einen kirchlichen Beruf mit einer offiziellen Beauftragung zu entscheiden. In fast allen deutschen Bistümern erfolgt die theologische Ausbildung zum Ständigen Diakon im Zivilberuf über Theologie im Fernkurs. In den Diözesen Bayerns und Baden-Württembergs gibt es das Berufsbild der Religionslehrkraft im kirchlichen Dienst. Immer mehr Diözesen eröffnen die Möglichkeit, über das Kurs- und Studienangebot von Theologie im Fernkurs als Gemeindereferent bzw. Gemeindereferentin in den pastoralen Dienst einzutreten.

Der Anteil der Frauen ist hier besonders hoch. Mit seinem an den Standards der deutschsprachigen akademischen Theologie orientierten Lehrbriefangebot, das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder revidiert und aktualisiert wurde, kann so manches Vorurteil der Anfangsjahre, es handle sich nur um einen Hausfrauenkurs, sicherlich als widerlegt betrachtet werden. Gerade im letzten Jahrzehnt mit den nahezu gleichbleibend hohen Anmeldezahlen hat sich Theologie im Fernkurs als ein stabiler Faktor bei der Ausbildung kirchlicher Berufe für die Diözesen erwiesen.

Liebe Schwestern und Brüder,

die Deutsche Bischofskonferenz und der Verband der Diözesen Deutschlands als deren Rechtsträger haben in den vergangenen fünf Jahrzehnten die Arbeit von Theologie im Fernkurs für die deutschen Diözesen zu einem beträchtlichen Teil finanziell bezuschusst. Um Theologie im Fernkurs angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung adäquat auszustatten, wurde dieser Zuschuss in den vergangenen Jahren nochmals deutlich erhöht.

Diese Investition in die digitale Zukunftsfähigkeit von Theologie im Fernkurs war die richtige Entscheidung, denn sie ermöglichte während der Corona-Pandemie die Aufrechterhaltung des Fernstudienbetriebs mit digitalen Studienveranstaltungen und Prüfungsleistungen. Damit konnte nicht nur den Erwartungen der Fernkursstudierenden, sondern auch den Bedarfen der Diözesen reibungslos entsprochen werden. Dies wird auch in Zukunft so sein.

Ich darf im Namen der Deutschen Bischofskonferenz zum Schluss allen, die heute und in den vergangenen 50 Jahren für Theologie im Fernkurs tätig waren und sind, meinen herzlichen Dank aussprechen. Dies gilt gleichermaßen für die hauptamtlich Beschäftigten hier in Würzburg wie für die vielen, die in unterschiedlichster Weise sich für das Anliegen von Theologie im Fernkurs eingesetzt haben und engagieren. Sie alle hier namentlich zu nennen, würde den begrenzten Rahmen bei weitem sprengen.

Mein besonderer Dank gilt aber den mehr als 35.000 Frauen und Männern, die das theologische Kursangebot von Theologie im Fernkurs in den vergangenen 50 Jahren wahrgenommen haben. Ich schließe mich den Worten des damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch an, der seine Rede zum 40. Jubiläum von Theologie im Fernkurs mit den Worten beendet hat:

„Gerade in ihrer Unterschiedlichkeit sind die Menschen, die hierherkommen, eine Art Gleichnis für die Buntheit der Gnade Gottes. Sie alle sind ein Schatz für die Kirche in Deutschland. Für beide ist Theologie im Fernkurs ein Segen.“ (Pressemitteilungen der Deutschen Bischofskonferenz vom 25.04.2010, 8).

Glaubenskommunikation in einem zunehmend säkularen Umfeld braucht Menschen, die die Gottesfrage offenhalten. Die Kirche braucht angesichts ihres pastoralen Erneuerungsprozesses Menschen, die authentisch, sei es ehrenamtlich oder hauptamtlich, ihren Beitrag zur Weitergabe des Glaubens im 21. Jahrhundert leisten.

Genau dafür brauchen wir auch in den kommenden 50 Jahren noch Theologie im Fernkurs.

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