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Abschied nach fast 60 Jahren

Würzburger Pfarrkirche Sankt Andreas profaniert ‒ Dankbarkeit und Schmerz im Stadtteil Sanderau ‒ Nachnutzung ab Sommer 2027 als Boulderhalle

Würzburg (POW) Ein emotionaler Tag für den Würzburger Stadtteil Sanderau: Am Sonntag, 26. Juli, haben sich die Türen der katholischen Pfarrkirche Sankt Andreas als Ort des Gottesdienstes nach fast sechs Jahrzehnten für immer geschlossen. Im Auftrag von Bischof Dr. Franz Jung vollzog Domkapitular Dekan Stefan Gessner bei einer feierlichen heiligen Messe die offizielle Profanierung der Kirche. Symbolreich wurde am Ende des Gottesdienstes das eucharistische Brot aus der Kirche getragen. Künftig setzt die Gemeinde ihr liturgisches Leben gemeinsam mit der Pfarrei Sankt Adalbero in deren Kirche fort.

Pfarrer Tobias Fuchs begrüßte die zahlreich erschienenen Gläubigen mit spürbarer Ergriffenheit. „Wir brauchen nicht um die Wahrheit herumzureden: Dieser Gottesdienst steht unter einem besonderen Vorzeichen“, erklärte Fuchs. Für viele Menschen in der Äußeren Sanderau sei die Sankt-Andreas-Kirche über Generationen hinweg geistliche Heimat gewesen – ein Ort des Gebets, der Taufen, Erstkommunionen, Trauungen und des Abschieds von Verstorbenen.

Die Entwidmung erfolgte auf Antrag von Pfarrer Fuchs. In der Auflösungsanweisung von Bischof Jung, die zum Ende der Liturgie ebenso wie das Profanierungsdekret verlesen wurde, hob der Bischof die Bedeutung von Kirche, Pfarrhaus und Pfarrheim von Sankt Andreas hervor. Mehr als 50 Jahre habe diese Einheit ein lebendiges Zentrum für Jugendarbeit, Familienkreise sowie die Vertriebenen- und Spätaussiedlerseelsorge gebildet. „Später nun hat sich das Leben stark gewandelt. Vieles ist mit Adalbero und der Stadt insgesamt zusammengewachsen. So besteht eine große Dankbarkeit, dass die wertvolle und markante Architektur der Kirche in ihrer neuen Nutzung erhalten bleiben kann.“ Den Gläubigen der Pfarreien Sankt Andreas und Sankt Adalbero wünschte Bischof Jung die Kraft des Heiligen Geistes, „den Weg des Glaubens gemeinsam weiterzugehen und die wertvolle Gebets- und Lebensgemeinschaft von Sankt Andreas gemeinsam fortzusetzen“. 

 Dekan Gessner stellte in seiner Predigt das Bibelwort aus dem Buch Kohelet voran: „Alles hat seine Stunde.“ Er erinnerte an die Weihe am 30. November 1968 durch Bischof Josef Stangl. Schon als kleiner Junge habe ihn Sankt Andreas als außergewöhnliches Gotteshaus jedes Mal fasziniert, wenn er die Kirche mit seinen Würzburger Verwandten betreten habe, sagte Gessner. „Hier wird der Blick und damit das Bewusstsein automatisch nach oben ausgerichtet.“ Die Kirche sei damals für die stark wachsende südliche Sanderau neben Sankt Adalbero als zweite Pfarrkirche errichtet worden. Angesichts veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und des Ausdünnens des kirchlichen Lebens sei nun jedoch die Zeit gekommen, verantwortungsvoll neue Wege zu gehen, betonte Gessner. „Gebäude können ihre Bestimmung verändern; Gottes Gegenwart aber bleibt. Jesus Christus geht mit seinem Volk nicht nur in steinernen Mauern.“

 Dass die markante, an ein „Zelt Gottes“ erinnernde Architektur erhalten bleibt, ist einer ungewöhnlichen Nachnutzung zu verdanken. Den entscheidenden Anstoß habe Dr. Jürgen Emmert, Leiter der Abteilung Kunst im Bischöflichen Ordinariat, gegeben. Er habe Anfang vergangenen Jahres den Kontakt zu den Betreibern der Boulderhalle Würzburg hergestellt, berichtete Fuchs. Nach einer umfassenden Umbau- und Modernisierungsphase sollen sich die Türen Mitte 2027 erneut öffnen – dann als Boulderhalle „Rock Inn“. Pfarrer Fuchs sprach den Geschäftsführern Andreas Schmitt und Thomas Meyer seinen Dank für deren mutigen Schritt und den spürbaren Respekt gegenüber dem Bauwerk aus. Das benachbarte Pfarrhaus bleibt der Gemeinde weiterhin für die Jugendarbeit und Gruppen erhalten.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gläubigen ein letztes Mal im Pfarrsaal unter der Kirche und tauschten sich über die vielen Erinnerungen aus, die sie mit Sankt Andreas verbinden.


mh (POW)


(3126/0746; E-Mail voraus)
Weitere Bilder finden Sie hier:  https://bistum-wuerzburg.px.media/share/17850761338gA48JX32VwsrU

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