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„Allen Familien eine Stimme geben“

Manfred Köhler, Geschäftsführer des Familienbunds der Katholiken, über die Herausforderungen für Familien in der Corona-Pandemie

Würzburg (POW) Familien sind ein Teil der Verlierer in der Corona-Pandemie. „Viele Maßnahmen und Entscheidungen in Bezug auf Familie scheinen eher von Halbherzigkeit und wenig klarer, konsequenter Linie geprägt zu sein“, sagt Manfred Köhler, Geschäftsführer des Familienbunds der Katholiken (FDK) der Diözese Würzburg. Der Familienbund fordere eine echte finanzielle und strukturelle Entlastung von Familien, unter anderem durch Lohnausgleich bei Betreuungsbedarf, Kurzarbeitergeld und Unterstützungsleistungen mit Kinderkomponente. „Unser Auftrag ist, Familien in allen Lebenswirklichkeiten eine Stimme zu geben.“ Der Familienbund werde sich auch zukünftig gemäß seinem Slogan „streitbar und kompetent für Familien“ für mehr Familiengerechtigkeit einsetzen.

Fehlende Chancengleichheit bei Bildung und Teilhabe, Kinder- und Altersarmut, Leistungsdruck und zerrüttete Verhältnisse seien nicht wirklich neu, betont Köhler. „Neu ist, dass diese Schieflagen durch die Pandemie vermehrt aufgedeckt und verstärkt werden, sich ausbreiten und auch in Familien auftreten, die das bisher nicht erlebten.“ In der Politik ist nach Ansicht Köhlers ein idealisiertes Familienbild vorherrschend: Papa, Mama und zwei Kinder leben in einem Häuschen stadtnah auf dem Land, Papa hat ein mittleres bis hohes Einkommen und die Oma wohnt um die Ecke. „Das ist fern jeder Realität. Allein in Bayern leben 195.000 Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern, mitunter mit Beschäftigungen im Niedriglohnsektor, in Berufen, die keine Kinderkrankentage zulassen, weil systemrelevant, in beengten Wohnverhältnissen, Homeoffice mit Homeschooling“, erklärt er.

In Bezug auf die Herausforderungen durch das Homeschooling beispielsweise fordert der FDK Kompetenzteams, um die Unterrichtsinhalte pädagogisch, methodisch und technisch so aufzubereiten, dass sie für Lehrer und Schüler anwendbar und attraktiv seien. Die Prozesse zur Bereitstellung der technischen Mittel für Schüler und Schulen müssten entbürokratisiert werden. „Auszeiten“ wie die Ferien seien nicht der Wissensvermittlung zu unterwerfen. Vielmehr müssten die Bildungsziele den Lernrealitäten angepasst werden. „Entsprechend sind Zugangsvoraussetzungen zu Studium und Ausbildungsgängen zu überprüfen“, erklärt Köhler. Unerlässlich seien zudem verlässliche Rahmenbedingungen und eindeutige Kriterien zur Notbetreuung.

Die Unterstützung von Seiten der Politik für Familien sei vielerorts „Stückwerk“. Als ein Beispiel nennt Köhler den Ausgleich des Verdienstausfalls bei notwendiger Betreuung. „Weder die Höhe des Ausgleichs – 67 Prozent des Nettogehalts, gedeckelt auf maximal 2016 Euro – noch die fehlende Kinderkomponente, also eine Aufstockung in Abhängigkeit der Kinderzahl in der Familie, sind wirklich hilfreich für Familien. Zusätzliche Alternativen sind gefragt, beispielsweise eine Teilzeit bei vollem Lohnausgleich.“ Auch den Kinderbonus von 150 Euro sieht er kritisch. Für viele Familien sei das der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, zudem werde das Geld nach dem Gießkannenprinzip verteilt. „Jeder bekommt etwas vom Kuchen ab. Wäre es nicht angezeigter, die unteren Einkommen stärker zu entlasten?“, fragt Köhler. Familien mit Kindern mit Behinderung sind nach seinen Worten „völlig aus dem Blick geraten“. Das Selbsthilfeportal intakt.info des FDK für Familien mit Kindern mit Behinderung sei gerade jetzt eine Anlaufstelle für die Betroffenen. „Auch hier versuchen wir, Betroffene mit Verantwortlichen ins Gespräch zu bringen.“

Auch nach der Pandemie müsse die Politik die Familien besser verstehen und alle Lebenswirklichkeiten von Familie erfassen, betont Köhler. „Sie muss Familien hören und Strukturen zum Dialog mit Familienverbänden bereitstellen. Das ist Voraussetzung für eine angemessene Familienpolitik.“ Familie dürfe nicht nur als „Kern der Gesellschaft“ gewürdigt, sondern müsse konkret gefördert werden. 2021 jähre sich zum 20. Mal das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nach dem Familien in den Sozialversicherungssystemen zu entlasten seien, da sie sowohl einen monetären wie auch einen generativen Beitrag zum Sozialversicherungssystem leisten. „Die Politik sitzt dieses Urteil beharrlich aus. Familiengerechtigkeit sieht anders aus“, kritisiert Köhler. Zudem müsse vermieden werden, dass die Kosten der Pandemie auf die Kinder abgewälzt werden. Hier könne sich der FDK beispielsweise die Einführung einer „Reichensteuer“ vorstellen.

Ein ausführliches Interview mit Manfred Köhler gibt es auf der Homepage des FDK unter https://www.familienbund-wuerzburg.de/, Punkt „Aktuelles“.

(0821/0176; E-Mail voraus)

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