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„Als Kirche ohne Räume unterwegs sein“

Im Gespräch
Wie „Kirche am Hubland“ das gemeinschaftliche Leben im neuen Würzburger Stadtteil mitgestaltet – Interview mit Hochschulpfarrer Burkhard Hose

Würzburg (POW) Der Würzburger Stadtteil Hubland auf dem Gelände der ehemaligen US-Kaserne steckt noch mitten in der Entwicklungsphase. Mit „Kirche am Hubland“ wagt ein Verein den Versuch, durch verschiedene Angebote und Kooperationen das Zusammenleben im neuen Stadtteil mitzugestalten. Burkhard Hose, katholischer Hochschulpfarrer aus Würzburg und Mitbegründer des Vereins, erzählt von Herausforderungen und Chancen des ökumenischen Kirchenprojekts.

POW: Wie kamen Sie zu dem Projekt „Kirche am Hubland“?

Burkhard Hose: Vor vier Jahren haben meine Kollegin Elisabeth Wöhrle und ich einen Auftrag bekommen. Als katholische Hochschulgemeinde sollten wir in diesem neuen Stadtteil Hubland, wo auch viele Menschen von der Universität wohnen, herausfinden: Was heißt es, Kirche in einem Gebiet zu sein, in dem es keinen Kirchenbau gibt? Wo wir auch keine Gemeinderäume haben? Sozusagen als Kirche ohne Räume unterwegs zu sein.

POW: Was sind die Herausforderungen im neuen Stadtteil?

Hose: In einer Zeit, in der die Relevanz von Kirche in der Gesellschaft immer weiter abnimmt, haben wir am Hubland ein paar Haltungen gelernt, die für die Kirche interessant sein können. Während wir in der Katholischen Hochschulgemeinde oft Gastgeber sind, läuft es da oben ganz anders. Wir sind oft eher zu Gast, zum Beispiel in der Stadtteilbücherei. Das heißt, wir bestimmen auch nicht die Regeln als Kirche, sondern passen uns ein Stück an. Oder wir machen manche Dinge einfach mit. In dieser Umgebung, wo es zwar umliegende Gemeinden gibt, aber auf dem neuen Stadtteil selber keine Kirche gegründet wurde, ist es interessant zu sehen, wer dort sonst noch unterwegs ist. Es ist ein intensives Zusammenarbeiten mit verschiedenen christlichen Konfessionen. Daraus ist schließlich ein Verein geworden, der sich „Kirche am Hubland“ nennt. Die Menschen, die da oben wohnen, sagen immer wieder: „Wir wollen mit den Kirchenstrukturen nicht so viel zu tun haben, sondern wir wollen als Menschen, die hier oben leben und sich an der christlichen Botschaft orientieren, etwas zusammen machen.“ Das ist, finde ich, schon herausfordernd. Es war auch ein langer Weg bis hin zum Verein, weil wir uns erst mal institutionell dem Gebiet angenähert haben. Wir haben den Kontakt mit der evangelischen Seite gesucht. Und dann haben wir gemerkt, irgendwie passen die herkömmlichen Strukturen nicht richtig. Es müssen neue Strukturen her.

POW: Was ist das Besondere an dem Stadtteil?

Hose: Ich finde das Hubland spannend, weil dort viele Menschen unterwegs sind, die etwas Neues ausprobieren wollen. Angefangen bei der Stadtteilbücherei als dritter Ort, die eine Art Wohnzimmer am Hubland ist, in dem sich Menschen treffen. Ich sage manchmal, das ist so wie die Gemeindezentren oder Kirchengemeindehäuser früher. Diese Funktion übernimmt am Hubland ein Stück die Stadtteilbücherei. Es gibt Wohnprojekte mit Menschen, die gemeinschaftliches Wohnen und Mehrgenerationenwohnen ausprobieren. Da haben wir einige kennengelernt. Für mich ist das eine spannende Entdeckungsreise.  Und da ist ganz viel Leben. Wir schauen darauf: Wo gibt es Berührungspunkte zwischen einer christlichen Haltung und dem, was Menschen da oben machen?

POW: Was kann Kirche von „Kirche am Hubland“ lernen?

Hose: Ich glaube, das eine ist die schmerzliche Erfahrung, in einem Bereich unterwegs zu sein, wo einen niemand braucht und niemand vermisst – auf den ersten Blick. Die Leute leben ganz gut ohne Kirche. Deshalb geht es weniger darum, etwas anzubieten, sondern mehr um das Entdecken. Warum probieren Menschen das Leben am Hubland aus? Das gemeinschaftliche Wohnen? Da steckt eine Haltung dahinter. Warum gibt es eine Stadtbücherei ohne christlichen Anspruch, die aber sehr viel Gemeinschaftsstiftendes tut? Ich finde, der Hauptlerneffekt ist eigentlich folgender: Wir sind da oben nicht missionarisch im herkömmlichen Sinn unterwegs, dass wir Leuten etwas bringen, was sie nicht haben, sondern wir sind entdeckend unterwegs. Und das ist eine sehr, sehr interessante Lernerfahrung für uns.

Das Interview führte Judith Reinders (POW)

(1326/0292; E-Mail voraus)

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