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Altar sucht neues Zuhause

Museum am Dom bietet „Kemberger Altar“ als Dauerleihgabe an – Kunstwerk von Michael Morgner soll weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein – Abteilung Kunst freut sich über Angebote

Würzburg (POW) Seit nahezu 25 Jahren ist der „Kemberger Altar“ von Michael Morgner ein fester Bestandteil der Dauerausstellung im Museum am Dom (MAD) in Würzburg. Doch nun wird ein neues Zuhause für das Kunstwerk gesucht. Denn am Montag, 18. Mai, nach dem 104. Deutschen Katholikentag, schließen sich die Türen des Museums für rund zwei Jahre. Im Rahmen der Sanierung des Kilianshauses wird auch das MAD neu konzipiert. „Gesucht wird ein Ort für eine öffentliche Präsentation, etwa ein Museum oder eine Kirche. Deutschlandweit, sehr gerne auch in Ostdeutschland. Wichtig ist uns, dass der Altar Wertschätzung und Aufmerksamkeit erfährt“, erklärt Sammlungskurator Christoph Deuter.

Das Depot des Museums stößt nach den Worten von Deuter an seine Kapazitätsgrenzen. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Museen der Diözese aufgelöst, etwa das Museum Kartause Astheim und das Museum Schloss Oberschwappach. Zudem mussten wegen der bevorstehenden Schließung weitere Kunstwerke aus der Dauerausstellung eingelagert werden. Der Altar sei mit fünf auf fünfeinhalb Metern aber nicht nur zu groß: „Er ist auch schlichtweg zu schade fürs Depot.“

Gesucht wird deshalb ein Raum, der groß genug für das Kunstwerk ist. Er sollte am besten von beiden Seiten zugänglich sein, empfiehlt Deuter. Aufgrund der hohen künstlerischen Qualität wünschen sich die Verantwortlichen ein Museum oder auch eine Kirche. „Da der Altar ursprünglich für eine Kirche geschaffen wurde, wäre auch eine sakrale Nutzung möglich und sinnvoll.“ Wer dem Altar ein neues Zuhause bietet, kann sich über eine Dauerleihgabe freuen. Üblich sei ein Zeitraum von zehn bis 25 Jahren, mit der Möglichkeit der Weiterverlängerung. „Wegen seiner Dimension und dem damit verbundenen Platzbedarf kann man ihn nicht so einfach für eine Ausstellung ausleihen, wie das bei anderen Objekten möglich wäre“, erklärt Deuter.

Ansprechpartner für Interessierte ist die Abteilung Kunst der Diözese Würzburg, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg, Telefon 0931/38665640, E-Mail kunstreferat@bistum-wuerzburg.de.

Der „Kemberger Altar“

1994 zerstörte ein Brand in der Marienkirche von Kemberg bei Wittenberg zu großen Teilen den historischen Hochaltar von Lukas Cranach dem Jüngeren aus dem Jahr 1565. Michael Morgner erhielt 1998 den ersten Preis bei einem Künstlerwettbewerb für einen neuen Altar, doch beauftragt wurde schließlich Arnulf Rainer. Morgner verwirklichte seinen Altar stattdessen 2000/2001 für das Museum am Dom in Würzburg.

Der „Kemberger Altar“ ist ein doppelseitig gestalteter Flügelaltar mit sechs Feldern. Seine Altarflügel können auf verschiedene Weise geklappt werden, so dass sich das Motiv der einen Seite (Kreuzigung) mit jenem der anderen Seite (Auferstehung) überschneiden lässt. Insgesamt misst das Werk rund fünf auf fünfeinhalb Meter, die einzelnen Felder haben eine Größe von 2,40 auf 1,80 Meter.

Morgner nutzte verschiedene Techniken. Zunächst wurden die für ihn typischen Gestalten aus Karton in Lebensgröße ausgeschnitten und als Prägeform mit einer Druckerpresse auf Papier übertragen. Das Papier wurde vorderseitig mit Benzin getränkt und rückseitig mit Asphaltlack eingerieben. Das Benzin saugt den Lack durch das Papier, so entsteht die typische bräunliche Färbung. Anschließend wurde das Papier teilweise überklebt und mit Tusche übermalt. Morgner wusch die Tusche mit einem Wasserschlauch teilweise aus und riss dabei Fetzen und Papierschichten ab. Im übertragenen Sinn stehen diese Schichtungen für die Schichtungen des Lebens, das Überkleben für das Heilen, das Aufreißen für das Verletzen. Es bleiben Narben.

(1826/0409; E-Mail voraus)

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