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Armut nicht nur eine Frage des Geldes

Katholische Verbände starten Kampagne „Armut trifft…“ – Auftaktveranstaltung mit Soziologin Professorin Jutta Allmendinger

Würzburg (POW) Zum Auftakt der Kampagne „Armut trifft…“ gibt die renommierte Soziologin Professorin Jutta Allmendinger am Freitag, 8. Oktober, um 17 Uhr im Würzburger Burkardushaus einen Überblick über die vielfältigen Aspekte des Themas. „Armut betrifft nicht nur Teile unserer Gesellschaft, sondern Armut trifft uns alle“: Diese Erkenntnis hat die katholischen Verbände im Bistum Würzburg veranlasst, den Blick intensiv auf das Thema Armut zu richten. An der groß angelegten Kampagne „Armut trifft...“ beteiligen sich neben dem Familienbund der Katholiken (FDK) als Initiator die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), das Kolpingwerk, die Ackermann-Gemeinde, der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die Ländliche Familienberatung der Katholischen Landjugend (KLJB) und des Katholischen Landvolks (KLB), die Caritas, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), die Gemeinschaft Sant‘ Egidio und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). In den kommenden drei bis vier Jahren werden die Projektpartner in Themenveranstaltungen verschiedene Aspekte beleuchten und betroffene Menschen zu Wort kommen lassen.

Allmendinger ist Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität Berlin sowie Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). An der außeruniversitären Forschungseinrichtung wird seit 1969 Grundlagenforschung zu ausgewählten sozialen und politischen Themenfeldern betrieben. Allmendinger hat bereits vor über 20 Jahren den Begriff der Bildungsarmut geprägt. Sie befasst sich vor allem mit der Frage, wie Lebensverläufe durch Bildung, Arbeitsmarkt und den Wohlfahrtsstaat geprägt werden. Weitere Forschungsthemen sind soziale Ungleichheit und die Ungleichbehandlung der Geschlechter. Eine zentrale Erkenntnis ist für sie, dass Armut „nicht nur eine Frage des Geldes“ ist, sondern „auch ein Mangel an Bildung, Netzwerken oder Rechten arm machen kann“.

Alarmierend ist für die Wissenschaftlerin auch der aktuelle „Datenreport“ des Statistischen Bundesamts. Demnach liegt das Armutsrisiko heute deutlich höher als noch Ende der 1990er Jahre. Und: Wer einmal unter die Armutsgrenze rutscht, verbleibt immer länger in diesem Einkommensbereich. Am höchsten ist das Armutsrisiko dem Report zufolge für Alleinerziehende, Menschen mit Hauptschulabschluss und ohne Berufsabschluss sowie Menschen mit Migrationshintergrund; weiter verschärft wird die finanzielle Situation benachteiligter Gruppen durch die Coronapandemie. Die Folgen von Armut sind für die Soziologin eklatant. Studien zufolge schädigt Armut nicht nur die körperliche und psychische Gesundheit einer Person. Auch die Kosten von schlecht bezahlter Arbeit für das Gemeinwesen seien nicht zu unterschätzen. Zwar würden die Ausgaben für Arbeitslosigkeit regelmäßig veröffentlicht, „ein äquivalenter Bericht, welche Kosten dem Staat durch Erwerbsarmut entstehen, fehlt jedoch“, bemängelt Allmendinger.

Um die Missstände in Gesellschaft und Arbeitswelt zu beheben, fordert sie neben konkreten Maßnahmen, aktiv auf Betroffene zuzugehen und ein echtes Gespräch zu führen. Die Auftaktveranstaltung zur Kampagne „Armut trifft…“ im Burkardushaus bietet dazu erste Gelegenheit und soll ein Wachmacher für Politik und Gesellschaft sein. Zunächst wird die Wissenschaftlerin einen kurzen Einblick in das Thema geben, in der anschließenden Fishbowl-Diskussion zeigen dann Vertreter der beteiligten Verbände in kurzen Statements Erfahrungen und Problemfelder auf und laden zur Diskussion ein. Zum Abschluss richtet Allmendinger einen Blick auf mögliche Wege aus der Armut und gibt Tipps für den weiteren Kampagnenverlauf. Für die musikalische Gestaltung sorgt das „Scott Hemingway Quartett“.

Aufgrund der stark begrenzten Teilnehmerzahl findet die Veranstaltung hybrid statt. Interessierte sind zur Präsenz- (nach Verfügbarkeit) und Onlineteilnahme eingeladen am Freitag, 8. Oktober, von 17 bis 21 Uhr. Den Einwahl-Link erhalten die Teilnehmer nach der Anmeldung an klb@bistum-wuerzburg.de.

Anja Legge (FDK)

(3921/0921; E-Mail voraus)

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