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„Auf das Wesentliche an Weihnachten konzentrieren“

Im Gespräch
Karmelitenpater Dr. Ulrich Dobhan über Weihnachten im Karmelitenkloster Würzburg

Würzburg (POW) Viele Menschen feiern Weihnachten im Kreis ihrer Familie. Doch wie gestaltet sich das Weihnachtsfest in einem Kloster? Im POW-Interview erzählt Pater Dr. Ulrich Dobhan (81), Prior des Würzburger Karmelitenklosters, vom Heiligen Abend im Kloster und was das Weihnachtsfest für ihn bedeutet.

POW: Pater Dobhan, wie gestalten Sie im Kloster den Heiligen Abend?

Pater Dr. Ulrich Dobhan: Am Heiligen Abend feiern wir eine kleine Vesper mit dem Weihnachtsevangelium um unsere Krippe herum. Dann erzählt jeder davon, wie Weihnachten daheim gefeiert wurde oder was ihm zu der Weihnachtsgeschichte einfällt. Wir sind sieben Ordensbrüder, einer davon kommt aus dem Kongo, einer aus Indien und einer hat einen kroatischen Hintergrund. Die Geschichten und Bräuche sind also recht vielfältig. Die Weihnachtslieder sind zum Beispiel etwas lebendiger und emotionaler. Wir singen aber auch die Klassiker wie „Stille Nacht“. In der Kirche und im Essenssaal stehen Christbäume, die von unserem Küster geschmückt werden. Es herrscht einfach eine feierliche Stimmung. Es ist aber auch wichtig, dass jeder von uns nach dem Abendessen Zeit für sich und ein bisschen Ruhe hat. Nach den Feiertagen besuchen manche ihre Familie, um dort noch einmal zu feiern.

POW: Wie haben Sie in Ihrer Kindheit Weihnachten gefeiert?

Dobhan: Wir sind natürlich in die Christmette gegangen. Damals mussten wir zwei Kilometer durch den Schnee stapfen, um in die Kirche zu gehen. Zuhause haben wir mit der Familie den Rosenkranz gebetet, während meine Mutter im guten Zimmer die Geschenke vorbereitet hat. Meine Schwester und ich haben Klavier gespielt und es wurde gemeinsam gesungen. Und dann gab es die Bescherung. Viel Geschenke gab es damals nicht, es war ja die Nachkriegszeit. Aber handgestrickte Strümpfe oder Pullover waren immer nützlich. Meine Mutter hat immer viele Plätzchen gebacken, fast 20 Sorten. Die Nuss- und Kokosmakronen waren meine liebsten.

POW: Gibt es im Kloster auch eine kleine Bescherung?

Dobhan: Es gibt eine Kleinigkeit für jeden. Aber wir schenken uns nicht viel, weil wir das auch nicht wollen. Wir brauchen nichts, und ich glaube, die meisten Menschen brauchen eigentlich auch nichts. Es scheint mir eher wie eine Last oder ein Zwang, sich etwas schenken zu müssen. Wir machen das bewusst anders und ich bin froh, dass es so ist. Wir sitzen zusammen, essen etwas Leckeres, trinken einen Wein oder ein Bier, und das reicht auch. Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen wieder auf das Wesentliche an Weihnachten konzentrieren. Ich gönne es aber auch allen, die sich etwas schenken wollen.

POW: Was ist für Sie das Wesentliche an Weihnachten?

Dobhan: Das ist natürlich das Weihnachtsgeschehen. Dass Gott Mensch geworden ist und ich zu Gott „Du“ sagen kann. Gott hat sich verletzlich gemacht. Er liegt in seiner Krippe, friert und weint. Man kann sich ihm nähern und muss keine Angst haben. Viele können sich das nicht vorstellen. Aber das ist vielleicht auch gut so. Wenn man sich vorstellen könnte, dass Gott Mensch geworden ist, dann wäre es vergänglich wie alles, was ich mir vorstellen kann.

Interview: Paul Frigger (POW)

(0126/0011; E-Mail voraus)

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