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Im Porträt

„Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt“

Domvikar Dr. Burkhard Rosenzweig geht nach 15 Jahren als Rektor des Exerzitienhauses Himmelspforten und Männerseelsorger des Bistums Würzburg in den Ruhestand

Würzburg (POW) „Es hat etwas mit meinem Verständnis von Religion zu tun, wie ich mit Menschen umgehe“, sagt Domvikar Dr. Burkhard Rosenzweig. „Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt. Ich habe alle früheren Allüren verloren.“ Nach 15 Jahren als Rektor des Würzburger Exerzitienhauses Himmelspforten und Männerseelsorger des Bistums Würzburg ist der 70-Jährige vor wenigen Tagen in den Ruhestand gegangen.

„In Himmelspforten konnte ich Spiritualität und Kunst verbinden. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Rosenzweig. Er habe viele Künstler kennenlernen und viel mit Kunst arbeiten dürfen. Inspiriert habe ihn dazu ein Wort von Ludwig Mödl, in dem dieser zu bedenken gibt: „Eine Kirche, die nicht den verschiedenen Künsten Raum gibt, ist gleichermaßen arm an Strahlkraft wie eine Kirche, die keine dem Reflexionsniveau einer Zeit entsprechende Theologie fördert und pflegt. Sie verkommt zu einer organisierten Religionshülse oder nimmt sektenhafte Züge an.“

Viele von den Besuchern, die erstmals nach Himmelspforten kamen, hätten gesagt: „So etwas Modernes hätte ich der Kirche gar nicht zugetraut.“ Über Kunst entstehen Brücken auch zu Menschen, die sich ansonsten von der Kirche entfremdet haben, oder denen, die Kirche als ewiggestrig bezeichnen, ist sich Rosenzweig sicher. „Dafür gab es aber auch viel Gegenwind aus der frommen Szene“, sagt er im Rückblick. Fast habe er nach anderthalb Jahren in Himmelspforten deswegen hingeworfen.

Dass er das nicht getan hat, werden ihm so einige Menschen danken. „Es gab Wiedereintritte, und auch so mancher Erwachsene hat sich taufen lassen“, weiß der langjährige Rektor von Himmelspforten zu berichten. „Ich habe mein Bestes gegeben, Menschen aufzufangen, die mit der Kirche ‚draußen‘ nicht zurechtkommen.“ Der stumme, aber religiöse Dialog im Blick auf die Kunst habe eine Verbindung zur Kirche in Unaufdringlichkeit ermöglicht. „Da würde ich gerne weitermachen, wenn man mich ab und zu einmal hierfür holen würde."

Großes Lob spricht Rosenzweig beim Blick auf seine langjährige Wirkungsstätte in der Würzburger Mainaustraße den Frauen und Männern aus, die in Himmelspforten arbeiten. „Das Miteinander war schon besonders.“ Jeder und jede habe einen Blick auf den anderen, gegenseitige Hilfe sei ganz selbstverständlich. Einer der Erträge aus diesem besonderen Zusammenspiel seien die regelmäßig herausragenden Prüfungsergebnisse der verschiedenen im Haus angebotenen Ausbildungsberufe. 

Ähnlich ins Schwärmen kommt der Domvikar, wenn er über seine Aktivität als Männerseelsorger spricht. Hier habe er sich immer dann engagiert, wenn ihm seine Tätigkeit als Rektor von Himmelspforten Luft dafür gelassen habe. „Angebote für Männer fristen in vielen deutschen Diözesen ein Stiefkinderdasein.“ Wenig Personal und Geld werde hierfür aufgewandt, für Frauen dagegen gebe es neben einer institutionalisierten Frauenseelsorge auch beispielsweise den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB), der sich als Verband um ein spezielles Programm kümmere.

„Dabei ist es schon mühsam genug, Männer überhaupt für ein spirituelles Angebot zu begeistern“, sagt Rosenzweig. Sie täten sich schwer damit, Schwächen, Ängste und Schmerzen zuzugeben. Deswegen trugen Angebote Titel wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz?“. Aber auch die Überforderung in Beruf und Familie fand ihren Niederschlag. „Wir haben eine Veranstaltung gehabt mit dem Thema: Wenn der Ofen aus ist, kann man nicht mehr nachlegen.“ Auch Partnerschaftsprobleme belasteten viele Männer. „Es geht dabei nicht nur um Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund unterschiedlicher Artikulationsmuster. Es geht auch um das heikle Thema von Gewalt von Frauen gegen Männer.“

„Ich scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus“, sagt Rosenzweig. Er freut sich, mehr Zeit für private Kontakte zu haben. „Die Abendmessen in Himmelspforten habe ich nicht einfach ausfallen lassen, wenn ich irgendwo eingeladen war. Schließlich gehören diese Gottesdienste zu meinen Aufgaben.“ An Weihnachten oder Silvester sei er auch immer im Dienst gewesen, zum Beispiel bei den hauseigenen Angeboten für Singles. „Gerade sie brauchen kirchliche Zuwendung. Die einen wollen keinen Partner, andere finden keinen, und andere wiederum leiden noch massiv unter einer zerbrochenen Beziehung. Und faktisch kommen sie dennoch in den kirchlichen Angeboten so gut wie nicht vor.“

Seinem Klavier, aber auch dem Tennis plant Rosenzweig sich im Ruhestand wieder öfter zu widmen. Auch der Leidenschaft für motorisierte Gefährte aller Art will er in Zukunft mehr Raum geben. Seit er vorübergehend auch Militärpfarrer im Lager Hammelburg war und auf dem dortigen Truppenübungsplatz Panzer und Geländewagen fahren durfte, liebt er nach eigenem Bekunden das Fahren im Gelände. „Mit meinem Iltis-Kübelwagen, Baujahr 1984, haben wir bei einem Betriebsausflug in Himmelspforten auch Querfeldeinfahrten angeboten“, erzählt Rosenzweig schmunzelnd. 

Bei der jüngsten Sitzung des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Himmelspforten überreichte Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der DBK, Rosenzweig einen Dankesbrief. Darin heißt es: „Nicht nur der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz, sondern viele andere Gremien und Gruppen aus dem Bereich der Bischofskonferenz kommen gern nach Himmelspforten. Das hat mit der schönen Lage, aber auch mit dem Stil zu tun, wie Sie persönlich und durch Sie angeleitet das ganze Team des Hauses für die Gäste da sind.“

Zur Person:

Rosenzweig wurde 1950 in Kitzingen geboren. Nach dem Abitur am Domgymnasium in Fulda studierte er Theologie und Philosophie in Würzburg und Innsbruck. Bischof Josef Stangl weihte ihn am 26. Juni 1977 in Würzburg zum Priester. Anschließend wirkte Rosenzweig als Kaplan in Aschaffenburg-Herz Jesu. 1979 wechselte er als Domkaplan nach Würzburg. 1981 wurde er Religionslehrer am Frobenius-Gymnasium in Hammelburg. Zugleich wirkte er bis 1992 in der Krankenhausseelsorge in Hammelburg. Von 1982 bis 1990 war er zudem Dekanatsbeauftragter für Priesterfortbildung und theologische Erwachsenenbildung sowie für Priester- und Ordensberufe im Dekanat Hammelburg, von 1982 bis 1992 Seelsorger und Verwalter der Filiale Weyersfeld der Pfarrei Karsbach (Dekanat Karlstadt) sowie von 1982 bis 1993 Dekanatsjugendseelsorger im Dekanat Hammelburg. 1990 wurde Rosenzweig zum Oberstudienrat befördert. 1992 begann er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bayreuth. 1997 wechselte er an das Städtische Gewerbliche sowie das Städtische Kaufmännische Berufsbildungszentrum Würzburg. Im gleichen Jahr erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Bayreuth und promovierte. Von 1996 bis 2001 war er auch Hausgeistlicher in der Hueberspflege des Würzburger Bürgerspitals. 1999 wurde Rosenzweig Fortbildungsreferent für Berufliche Schulen in der Hauptabteilung Hochschule, Schule und Erziehung. 2005 übernahm er das Amt des Rektors des Exerzitienhauses Himmelspforten in Würzburg. Im gleichen Jahr wurde er zum Domvikar sowie zum Diözesan-Männerseelsorger ernannt. Seit 2011 ist er auch Vorsitzender des Klerus-Vereins der Diözese Würzburg.

mh (POW)

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