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Sommerinterviews (2): 100 Tage im Amt

„Bildung und Kultur kann ein Innovationslabor sein“

Dr. Christine Schrappe, Leiterin der Hauptabteilung „Bildung und Kultur“, setzt auf Experimentierfreude und Innovationspotenzial – „Die großen Themen des christlichen Glaubens so übersetzen, dass sie die heutigen Lebensthemen aufgreifen“

Würzburg (POW) Seit Mai leitet Dr. Christine Schrappe die Hauptabteilung Bildung und Kultur des Bistums Würzburg. Im folgenden Interview blickt sie auf die ersten 100 Tage ihrer neuen Aufgabe, erläutert aktuelle Herausforderungen und gibt einen Ausblick in die Zukunft.

POW: Sie sind jetzt 100 Tage im Amt. Was sind Ihre ersten Eindrücke?

Dr. Christine Schrappe: Unser Bistum ist im Umbruch. Pastorale Räume werden errichtet, das Ordinariat mit allen Hauptabteilungen umstrukturiert und das Finanzwesen reorganisiert. Compliance-Anforderungen und geänderte Verwaltungsabläufe dienen der Transparenz und Professionalität, brachten jedoch für viele Mitarbeitende zunächst eine Mehrbelastung. Und dann die Coronapandemie: Es galt, finanzielle Verluste zum Beispiel durch zeitweise Schließungen von Einrichtungen und Kurzarbeit einzudämmen. Alle Planungen von Veranstaltungen bleiben vorläufig.

Mein Auftrag, drei ursprünglich selbstständige Hauptabteilungen zusammenzuführen in eine neue Hauptabteilung „Bildung und Kultur“, war unter diesen Bedingungen eine echte Herausforderung. Gemeinsam mit unserem neuen Team von Leitungspersonen sind wir aber auf einem guten Weg. Verantwortungsbereiche sind geklärt und verlässliche Kommunikationsstrukturen werden gerade erarbeitet. In diesen Umbruchszeiten sehe ich es als meine Aufgabe, Anlaufstelle und Ankerperson zu sein.

POW: Können Sie für Außenstehende in knappen Worten erklären, was die Aufgabe der von Ihnen geleiteten Hauptabteilung ist?

Schrappe: Die Hauptabteilung „Bildung und Kultur“ gliedert sich in vier Abteilungen: Erwachsenenbildung, Fortbildung/Begleitung, Schule/Hochschule und Kunst. Die Gemeinsamkeit sehe ich darin, dass wir die großen Themen des christlichen Glaubens so übersetzen, dass sie die Lebensthemen heutiger Erwachsener und Jugendlicher aufgreifen. Das geschieht an den Schulen durch guten Unterricht und Schulpastoral, in einer zeitgemäßen Erwachsenenbildung oder bei innovativen Kunstprojekten. Ob wir als Kirche heutzutage relevant sind, erweist sich an der Frage, ob Menschen Antworten auf ihre Fragen erhalten.

Die Hauptabteilung „Bildung und Kultur“ hat den Auftrag, Lern- und Erfahrungsräume bereitzustellen, ohne Menschen rekrutieren zu wollen. Es geht darum, dass wir uns als Kirche an säkularen Orten und mit neuen Formaten in gesellschaftliche Diskurse einbringen.

POW: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Schrappe: Vorgaben und Vorschriften dürfen Experimentierfreude und Innovationspotenzial nicht ersticken. Bei allen Antrittsbesuchen habe ich Mut zu Neuem und Visionskraft erlebt, gepaart mit hohem Ressourcenbewusstsein. Konsolidierung bedeutet auch, neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren, sich als diözesane Dienstgemeinschaft zu sehen und Abschied zu nehmen von einem versäulten Abteilungsdenken und Pfründesicherung. In allen kirchlichen Handlungsfeldern müssen in den nächsten Jahren neue Prioritäten und Posterioritäten gesetzt werden. Wir werden Abschied nehmen von Formaten, die sich überlebt haben. Die große Herausforderung ist es, bei diesem Prozess durch gute interne Kommunikation Kränkung und Entwertung zu vermeiden. Die innere Kündigung von Mitarbeitenden wäre für die Außenwirkung von Kirche fatal. Die Berufszufriedenheit unseres Personals ist auch ein Schaufenster von Kirche.

POW: Welche Rolle spielt Ihre Hauptabteilung für den Prozess „Gemeinsam Kirche sein – Pastoral der Zukunft“?

Schrappe: Es bleibt die Stärke von Volkskirche, dass sie mit einem verlässlichen Netz vor Ort erreichbar ist. Über Pfarreien hinaus braucht es weitere Orte des spirituellen Auftankens, des intellektuellen Diskurses und menschlicher Nähe. In freiwilliger Gemeinschaft auf Zeit bei einem Seminar oder einem Bibelkurs ereignet sich Kirche. Unsere Tagungshäuser sind wichtige Orte der Pastoral. Eine verstärkte Präsenz an den Schulen sieht das neue Schwerpunktepapier des Bistums vor.

Im Prozess Pastoral der Zukunft ist das Fortbildungsinstitut ein Dienstleister. Sozialraumorientierung wird als Denk- und Handlungsleitlinie ein Schwerpunktthema der Fortbildung sein.

Für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende gibt es Unterstützungsangebote zur Teamentwicklung in den pastoralen Räumen durch die Gemeindeberatung. Für Leitungsverantwortliche gibt es Führungskurse und Angebote zu Supervision und Coaching.

POW: Lassen Sie uns einen Ausblick wagen: Wo möchten Sie Ihre Hauptabteilung weiterentwickeln und wo sehen Sie deren Rolle in fünf Jahren?

Schrappe: Die Hauptabteilung Bildung und Kultur kann ein Innovationslabor sein. Gesellschaftliche Entwicklungen werden wahrgenommen, aktuelle Themen und Zukunftsfragen aufgegriffen. Es geht um Sprachfähigkeit und Ökumene der dritten Art: den Dialog mit den Menschen, die unsere Anliegen und christliche Sprache gar nicht mehr verstehen. In den vier Abteilungen arbeiten Frauen und Männer mit hoher fachliche Kompetenz und Kreativität, mit guten Netzwerken in der Kulturlandschaft, guten Beziehungen zu Fakultäten, Schulen, evangelischen und überdiözesanen Bildungsträgern – das ist eine Ressource für das ganze Bistum.

Zukunftsprognosen sind kaum zu treffen. Die Halbwertszeit von Konzepten wird geringer. Klug ist es gute Ideen zu teilen, aus den Fehlern gemeinsam zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren und fachlich zu beraten. So wird eine Hauptabteilung zu einer Dienst- und Lerngemeinschaft. Das wünsche ich auch unseren diözesanen Gremien auf allen Ebenen.

POW: Sie sind die erste Frau im Bistum, die eine Hauptabteilung leitet. Sind damit besondere Herausforderungen verbunden? Und führen Frauen eigentlich anders als Männer?

Schrappe: Es gibt in unserem Bistum immer mehr Frauen in der Leitung von Abteilungen, Tagungshäusern und Einrichtungen. In anderen Bistümern arbeiten schon lange Frauen als Hauptabteilungsleiterinnen. Ich hoffe, das ist in fünf Jahren gar kein Thema mehr.

Einen typisch weiblichen oder männlichen Leitungsstil kann ich nicht erkennen. Es gibt in Leitungsfunktion durchsetzungsstarke Frauen und stillere Männer. Je nach Situation und Reifegrad der Mitarbeitenden muss jede Leitungsperson anders handeln: motivieren, direktiv eingreifen, entschlossen entscheiden oder auch nur zuhören. In Krisenzeiten braucht es anderes Leitungshandeln als in Schönwetterphasen. Gut ist es, ein breites Portfolio an Leitungsstilen zu beherrschen und sich in Leitungsteams zu organisieren.

POW: Was würden Sie Frauen raten, die eine Leitungsposition innerhalb der katholischen Kirche anstreben?

Schrappe: Ich rate Frauen, sich in einem fachlichen Bereich wissenschaftlich zu vertiefen oder sich praktisch besonders weiter zu qualifizieren, statt eine Fülle von allgemeinen Kursen zu besuchen. Persönliche Lebenszeit und diözesane Gelder werden hier nicht immer zielführend eingesetzt. Strategische Personalentwicklung ist im Bistum wichtig, um Frauen und Männern eine qualifizierte Fach- oder Führungslaufbahn zu ermöglichen. In der katholischen Kirche ist für Frauen die Liebe zur Kirche auf besondere Art gefragt: Verstehen von Traditionen, langer Atem für kleine Schritte auf dem Weg zu Gleichberechtigung. Aber auch heilige Ungeduld und Pioniergeist – und manchmal Streitbarkeit und Prügelfähigkeit.

Interview: Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)

(3520/0865; E-Mail voraus)

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