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Bischof Jung besucht HIV/Aids-Wohngruppe

Diözesan-Caritasverband bietet seit 30 Jahren Hilfe für Menschen, die HIV-positiv oder an Aids erkrankt sind – Gespräche mit Bewohnern und Mitarbeitern

Würzburg (POW) Seit 30 Jahren bietet der Diözesan-Caritasverband konkrete Lebenshilfe für HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen. Seit 1990 steht ihnen mit der HIV/Aids-Wohngruppe in Würzburg eine wichtige Anlaufstelle zur Verfügung. Anlässlich des Jubiläums hat Bischof Dr. Franz Jung am Montag, 19. Oktober, das Wohnhaus besucht und mit Bewohnern und Mitarbeitern gesprochen.

Michael Koch, Leiter der HIV/Aids-Beratungsstelle, erläuterte die Idee, die zur Gründung der Wohngruppe geführt hatte. So habe sich bereits kurz nach der Eröffnung der Beratungsstelle im Jahr 1987 gezeigt, dass es eine große Not an geeigneten Unterkünften für HIV-Infizierte und Aids-Patienten gab. Gerade die Kliniken hätten immer wieder gemeldet, dass sie Sorge hätten, in welches Umfeld sie ihre Patienten nach einer stationären Behandlung entlassen könnten, berichtet Koch. „Die Kirche von Würzburg hat sich dieser Not angenommen.“

Für Koch ist die Wohngruppe eine Ahnung dessen, was in der Bibel mit dem gelobten Land beschrieben ist: ein Ort, an dem der Mensch in seiner Not bedingungslos angenommen wird. Koch erinnerte daran, dass Gott sich selbst in der Bibel als ewiger Begleiter des Menschen zeigt. „Dieses Versprechen hat die Caritas hier umgesetzt.“ Neben einem Dank an den Bischof und das Bistum sowie den Diözesan-Caritasverband, vertreten durch den Vorsitzenden Domkapitular Clemens Bieber, dankte Koch ausdrücklich den Mitarbeiterinnen vor Ort. Unter der Leitung von Heidrun Brand begleiten sie nicht nur die Bewohner des Hauses, sondern sind auch ambulant in der Begleitung weiterer Betroffener tätig.

Im Gespräch mit Bischof Jung erzählten die Bewohner des in Nordbayern einzigartigen Hauses ihre Lebensgeschichten. So berichtete etwa Eugen, dass er bereits seit 20 Jahren mit Unterbrechungen in der Wohngruppe lebt. „Es war damals mein Rettungsanker, dass ich hier unterkommen konnte.“ Auch Rolf erzählte, er sei „froh und dankbar, dass ich hier aufgenommen wurde“. Die psychische Belastung durch die Erkrankung habe bei ihm zu schweren Angstzuständen geführt, die ihn auch körperlich massiv beeinträchtigt hätten. Seit fünf Jahren lebe er nun in der Wohngruppe und fühle sich rundum wohl.

Aufmerksam verfolgte Bischof Jung die Erzählungen der Bewohner. Auch, weil er nach eigenem Bekunden bislang nie eine solche Einrichtung besucht habe und auch grundsätzlich wenig Kontakt mit Betroffenen gehabt hätte. Selbstkritisch gab er zu bedenken, dass in der Kirche lange eine große Sprachlosigkeit mit Blick auf das Thema HIV und Aids geherrscht habe. „Und ich spüre, dass es bestimmte ‚Ekelgrenzen‘ zwischen manchen Milieus noch immer gibt.“

Ohne Zögern unterschrieb Bischof Jung eine neue Deklaration der Beratungsstelle. Unter dem Titel „Respekt und Selbstverständlichkeit“ erklären Arbeitgeber darin, den HIV-Status eines Menschen nicht zum Anlass einer Diskriminierung werden zu lassen – weder durch Ausschluss von bestimmten Positionen, noch durch Herabsetzung im Arbeitsalltag. „Dass Sie das als Bischof von Würzburg mitunterschreiben, finde ich wirklich gewinnbringend!“, freute sich Koch. Schließlich seien die geschätzt 1000 HIV-Infizierten in Unterfranken in allen Berufsgruppen vertreten, „vom Bürgermeister bis zum Bankangestellten“, und damit auch im Kreis der kirchlich Bediensteten.

Ebenfalls dankbar äußerten sich die Mitarbeiterinnen der HIV/Aids-Wohngruppe, die dem Bischof sich und ihre Arbeit vor Ort vorstellten. „Ich bin froh, dass ich so viele Bewohner begleiten durfte“, erklärte etwa Sabine Müller, die seit 21 Jahren in der Gruppe tätig ist. Auf die Frage des Bischofs, was man für diese Tätigkeit mitbringen müsse, benannte sie nur eine Eigenschaft: „Das Wichtigste ist, dass man sein Herz am rechten Fleck hat.“ Auch Heidrun Brand betonte, dass es in der Arbeit vor allem um Empathie und Verständnis gehe. Dazu gehöre auch, den Menschen selbst die Entscheidung zu überlassen, ob sie in die Wohngruppe einziehen und wie lange sie bleiben wollen. Manche blieben nur für relativ kurze Zeit, andere über Jahre oder gar Jahrzehnte und würden vom Team dann palliativ bis zum Tod begleitet.

Der Besuch endete mit einem Segen, den Bischof Jung über das Haus und seine Bewohner aussprach, sowie einer kleinen Führung durch das Wohnhaus. Der Bischof dankte Koch mit den Worten: „Vielen Dank, dass Sie mich angesprochen und hierher eingeladen haben. Ich komme gerne wieder!“

km (Caritas)

(4420/1111; E-Mail voraus)

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