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Kiliani-Wallfahrtswoche 2021

Bischof mahnt gesamtgesellschaftliche Höherbewertung der Pflege an

Kiliani-Gottesdienst für Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Ärzte – Bischof Dr. Franz Jung: Coronapandemie war und ist für in der Pflege Tätige ein Martyrium – Professor Dr. August Stich: Gesundheit ist ein Menschenrecht, kein Luxusgut

Würzburg (POW) Eine gesamtgesellschaftliche Höherbewertung der Pflegeberufe hat Bischof Dr. Franz Jung am Samstagabend, 10. Juli, angemahnt. „Beifallsbekundungen allein reichen nicht, wie auch Zuschläge und Prämien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind“, betonte er in seiner Predigt. Im Kiliansdom feierte er unter Coronaschutzvorschriften den Kiliani-Pontifikalgottesdienst für Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Ärzte. Das Jahresmotto des Bistums aus dem Epheserbrief sei auch in die aktuelle Situation der Pflegeberufe hinein gesprochen: „Wir aber wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt."

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In einem Statement vor den Fürbitten dankte Professor Dr. August Stich von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Bischof Jung für die Initiative zu dem Gottesdienst. In der Coronapandemie sei deutlich geworden, dass die Gesundheitsversorgung nicht dem freien Markt überlassen werden dürfe. Gesundheit sei ein Menschenrecht. „Wir dürfen Behandlung und Heilung nicht verkaufen wie Luxusartikel oder Autos“, betonte der Tropenmediziner. Die Pandemie habe den Menschen viele Spiegel vorgehalten. Einer davon heiße: „Was brauchst Du eigentlich, was genügt Dir?“ Als viel bedrohlicher als die aktuelle Pandemie wertete Stich die Folgen des Klimawandels, den Verlust der Artenvielfalt und die ungleiche Verteilung der Ressourcen. „Auch hier werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen die Ersten sein, die an der Front stehen“ – sei es bei der Hilfe für Menschen in Hitzeperioden, beim Kampf gegen die Einwanderung und die Ausbreitung von neuen Infektionskrankheiten oder beim Einsatz gegen die Folgen von Ernteausfällen, Nahrungsverknappung und Migration. „Deshalb müssen wir im Gesundheitswesen auch Mahner werden, um letztlich eine bessere Welt zu schaffen, die Schöpfung zu erhalten und allen Menschen auf dieser Erde ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu ermöglichen“, erklärte Stich.

In seiner Predigt unterstrich der Bischof, es sei für Pflegekräfte und Ärzte aus Häusern mit christlichem Hintergrund, aber auch aus eigener christlicher Verantwortung heraus eine Selbstverständlichkeit, ihren Dienst für Christus zu tun und seinem Vorbild im Dienst an den Armen nachzueifern. „Unser Glaube motiviert und trägt uns bei unserem Einsatz für leidende Menschen.“ Gerade das hätten viele Pflegekräfte in den vergangenen Monaten bezeugt, die aus Verantwortung gegenüber den kranken Menschen und den Hilfesystemen geblieben seien und ihre Anstrengungen teilweise über das Zumutbare hinaus gesteigert hätten. Dadurch sei der befürchtete „Pflexit“ ausgeblieben.

Dabei ist laut Bischof Jung die Liebe Christi viel mehr als nur die innere Motivation. „Sie wird auch zur kritischen Anfrage an ein System, das angeblich die Pflegeberufe für ‚systemrelevant‘ erklärt hat.“ Gerade unter sozialethischen Gesichtspunkten stelle sie die Gerechtigkeitsfrage, die drängend ist – und die schon vor der Coronapandemie akut gewesen sei. Jetzt aber sei sie in vollem Ausmaß sichtbar geworden, weil Corona auch in diesem Feld die bestehenden Missstände nur deutlicher habe hervortreten lassen und verschärft habe.

Angemessene Bezahlung mit Tarifbindung jenseits von Mindestlöhnen sei ein erster Schritt der Anerkennung der „Systemrelevanz“. „Pflegekräfte fordern zu Recht verlässliche Arbeitszeiten und die Garantie der ihnen zustehenden Ausgleichszeiten. Das setzt eine bedarfsorientierte Personalbemessung voraus, bei der nicht permanent mit Notfallplänen hantiert wird.“ Es könne auf Dauer nicht funktionieren, dass immer mehr zu Pflegende von immer weniger Pflegekräften gepflegt werden und sich so der Pflegenotstand weiter verschärfe. Eine solche Entwicklung könne am Ende nur durch Personal aufgefangen werden, dem die entsprechende fachliche Qualifikation fehle. Bischof Jung mahnte eine Entlastung von der wachsenden Bürokratie an, die auf Kosten der Pflege gehe.

Viele Anbieter seien auf dem Sektor der Pflege aktiv. „Dabei muss es aber stets um den Vergleich der Qualität der erbrachten Leistungen gehen und nicht allein um Rendite und Profit.“ Wirtschaftliches Handeln solle sich stets am Gemeinwohl orientieren und nicht ausschließlich an der Rentabilität, forderte der Bischof. Zudem stelle sich die Frage, welche ordnungspolitischen Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, dass Pflege bezahlbar bleibe und allen gleichermaßen zuteilwerden könne.

Die Kiliani-Wallfahrtswoche erinnere an die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan, die Zeugnis von der Wahrheit des Glaubens gaben und dieses Zeugnis mit dem Martyrium besiegelten. „Für viele in der Pflege Tätigen waren und sind die vergangenen Wochen und Monate durchaus ein Martyrium“, attestierte Bischof Jung. Eine nicht geringe Zahl von Pflegekräften weltweit habe ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt – vor der Möglichkeit der Impfung und angesichts fehlender Schutzkleidung und Schutzmasken. Zudem seien Schwestern und Pfleger mehrfach gefordert gewesen: nicht nur für die Pflege zu sorgen, sondern auch als Ansprechpartner der pflegebedürftigen Personen, die keinen Besuch empfangen konnten, und darüber hinaus auch noch den Kontakt zu den Angehörigen zu halten. „Nicht wenige litten und leiden aufgrund dieser Mehrfachbelastungen unter Burnout und waren teilweise gezwungen, ihre Arbeit aufzugeben.“

Bischof Jung rief die Menschen zu globaler Solidarität auf, „um als Menschheit zusammenzuwachsen und zu verstehen, dass Pandemien nur durch weltweite Zusammenarbeit zu bekämpfen sind“. Die Gesellschaft müsse sich fragen, inwieweit die totale Ökonomisierung der Pflege auf Dauer helfe, eine menschenwürdige Betreuung sicherzustellen. Die Kirche wiederum habe neu lernen müssen, jenseits der geistlichen und liturgischen Angebote die anwaltschaftliche Funktion zu übernehmen für die besonders von der Pandemie Betroffenen wie Alte, schwer Erkrankte und wirtschaftlich Benachteiligte. Das bedeute auch, „gegebenenfalls beherzt Einspruch zu erheben bei Regelungen, die massiv die Freiheitsrechte beschneiden und die Ärmsten der Armen allein lassen beim Sterben oder auf den Intensivstationen“.

Insbesondere dankte Bischof Jung allen, die sich von der Liebe Christi in diesen herausfordernden Zeiten haben leiten lassen – „in der Zuwendung zum Nächsten in der Pflege, als Ärzte und Fachverbände“. Er sprach aber auch allen seinen Dank aus, die in den vergangenen Monaten all diese Bemühungen mit dem Gebet begleitet haben sowie denen, die das lautlose Sterben unter Coronabedingungen bewusst gemacht und Menschen geholfen hätten, Wege der Trauer zu gehen. Das sei insbesondere dann wichtig gewesen, wenn ein Abschied aufgrund von Corona nicht möglich war.

mh (POW)

(2821/0685; E-Mail voraus)

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