Würzburg (POW) Mit einem eindringlichen Appell zu mehr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, den 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg beendet. „Die Welt brennt“, sagte der ernannte Bischof von Münster am Sonntag, 17. Mai, im Abschlussgottesdienst. Christen dürften angesichts von Kriegen und humanitären Katastrophen nicht tatenlos bleiben. Das ZDF übertrug die Feier live.
Besonders verwies Wilmer auf die Lage im Sudan. Dort erlebten 33 Millionen Menschen die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart, sagte er. Rund zwölf Millionen Menschen seien auf der Flucht. „Brandherde löscht man nicht durch Zuschauen.“ Der christliche Glaube sei kein Rückzug aus der Welt, sondern ein Auftrag zum Handeln, betonte Wilmer. Hoffnung sei „Gabe und Aufgabe“. Wer hoffe, sehe die Wirklichkeit und wolle sie verändern. Christen seien dazu aufgerufen, Frieden zu stiften und Verantwortung für die Welt zu übernehmen.
Die Kirche dürfe keine Angst vor den Herausforderungen der Zeit haben, sagte Bischof Wilmer weiter. „Habt keine Angst, eine verbeulte Kirche zu sein.“ Eine Kirche, die hinausgehe und sich den Nöten der Menschen stelle, werde vielleicht angegriffen und missverstanden, „aber sie wird leuchten“.
Lobend erwähnte der Bischof auch Papst Leo XIV. als „unerschrockenen Anwalt des Friedens“. Dieser lasse sich auch dann nicht einschüchtern, wenn Mächtige versuchten, ihn lächerlich zu machen. Für diese und weitere Passagen spendeten ihm die Gläubigen spontan Applaus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Katholikentags rief der Bischof zum Abschluss der Veranstaltung auf, den Schwung der vergangenen Tage mit in ihren Alltag zu nehmen. „Hab Mut, steh auf!“, sagte er. Kirche und Welt bräuchten immer wieder neue Aufbrüche.
Zu den Fürbitten waren die Gottesdienstbesucher eingeladen, via QR-Code und Handy ihre persönlichen Gebetsanliegen zu senden. Auf der großen Videoleinwand entstand daraus eine imposante Wortwolke.
Vor dem Schlusssegen luden Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Torsten Zugehör, Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, zum 40. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 5. bis 9. Mai 2027 nach Düsseldorf ein. Dieser steht unter dem Motto „Du bist kostbar“.
Paderborns Erzbischof Dr. Udo Bentz und Nadine Mersch, Vorsitzende des Diozesankomitees Paderborn, sprachen eine Einladung zum 105. Deutschen Katholikentag aus, „den wir vom 24. bis 28. Mai 2028 im schönen Paderborn begehen, der Stadt an den Quellen. Noch nie zuvor fand ein Katholikentag in unserer Stadt und unserer Region statt – es ist also höchste Zeit dafür!“, sagte der Erzbischof. Mersch ergänzte: „Im Sommer leben wir beim weithin bekannten Liborifest seit jeher die drei Ks – Kirche, Kirmes und Kultur. Wir sind also bestens vorbereitet auf ein viertes K – den Katholikentag!“
Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, rief dazu auf, auch im Einsatz gegen Antisemitismus Mut zu haben und aufzustehen. Antisemitismus bedrohe nicht nur jüdisches Leben in Deutschland, sondern richte sich auch gegen Demokratie, Freiheit und das Fundament des Zusammenlebens. Der Kampf gegen Judenhass brauche Mut, Ausdauer und den Glauben an die Würde jedes Menschen. Schuster appellierte an die Gläubigen: „Stehen Sie auf gegen Judenhass und für unsere Werte.“
Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, erklärte zum Ende, „die Würzburger Gastgeber*innen haben uns das Bistumsmotto ‚Christsein unter den Menschen‘ spürbar erleben lassen“. Gemeinsam sei das Katholikentags-Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ mit Leben gefüllt worden. „Dabei haben wir uns auch gemeinsam gegen Hass und Hetze gestellt. Denn wir sagen: nicht mit uns! Gemeinsam stehen wir auf für die Demokratie, für Frieden und Gerechtigkeit!“ Stetter-Karp ermunterte, genau das mitzunehmen für die Herausforderungen der Gegenwart und gemeinsam daran zu arbeiten sowie auf Möglichkeiten der Veränderung zu vertrauen.
Musikalisch gestalteten die Junge Domkantorei Würzburg sowie das Björn-Becker-Oktett unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth und Domkantor Julian Beutmiller, das Singer-Songwriter-Duo „Carolin No“ sowie ein Gemeindechor unter der Leitung von Martin Rathmann den Gottesdienst. Die Arrangements waren von Björn Becker, das Jazzarrangement des Schlusslieds „Mache dich auf, werde Licht“ stammte von Stephan König.
mh (POW)
(2126/0521; E-Mail voraus)
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