Würzburg (POW) Wie gelingt der Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf, besonders für junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen? Diese Frage ist im Mittelpunkt des 15. Dialogtags der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (KJS) Bayern am Freitag, 20. März, in Würzburg gestanden. Rund 70 Fachkräfte und Jugendliche diskutierten im Kolpinghaus unter dem Motto „Brücken bauen. Stimmen stärken“ über Chancen, Barrieren und notwendige Reformen in der Jugendsozialarbeit, heißt es in einer Pressemitteilung der Caritas.
KJS-Vorsitzender Stefan Bauer betonte in seiner Begrüßung, kein junger Mensch dürfe auf dem Weg ins Berufsleben allein gelassen werden. Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe seien zentrale Voraussetzungen für gelingende Integration. Trotz grundsätzlich optimistischer Stimmung sei die gesellschaftliche Lage zerrissener als früher. „Engagement muss sich lohnen“, sagte Bauer mit Blick auf Jugendliche, die in Zeiten von Kriegssorgen und gesellschaftlichen Umbrüchen oft um ihre Zukunft bangen. Insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund seien sich oft nicht sicher, ob sie bleiben dürften.
Moderator Michael Kroll, Geschäftsführer der KJS Bayern, hob Vertrauen und Zuhören als Grundlagen jedes pädagogischen Erfolgs hervor. Gunther Kunze, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie bei der Stadt Würzburg, erinnerte daran, dass berufliche Integration immer auch soziale Integration bedeute. Es gehe darum, Mut zu machen statt Angst zu verbreiten.
Besonders eindrücklich waren die Berichte vier junger Menschen aus der Praxis: Eine ehemalige Au-pair-Frau aus der Türkei schilderte bürokratische Hürden trotz guter Sprachkenntnisse, eine Auszubildende in Reha-Maßnahme berichtete von Lernunterstützung und Zuversicht, eine Jugendliche im sozialpädagogischen Wohnen lobte das Vorbild ihrer Betreuerin, und ein Schüler aus Ingolstadt erzählte, wie ihn die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) nachhaltig verändert habe. Allen gemeinsam war die Erfahrung, dass eine Bezugsperson, die an sie glaubt, entscheidend sein kann.
In den Dialoggruppen forderten die Teilnehmenden bessere finanzielle Ausstattung des sozialpädagogischen Wohnens, mehr Mobilitätsförderung – etwa durch Zuschüsse für Führerschein oder E-Bikes – sowie zentrale Ansprechpartner an allen Schulen. JaS sei bislang nur an rund einem Drittel der bayerischen Schulen vertreten, hieß es. Auch eine engere Zusammenarbeit von Kultus- und Sozialministerium und verlässliche Vernetzung regionaler Angebote wurden angemahnt.
Domkapitular Monsignore Clemens Bieber, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbands Würzburg, sprach von der Notwendigkeit, jungen Menschen „ein festes Fundament“ für ein selbstständiges Leben zu geben. Die Ergebnisse des Dialogtages machten deutlich, dass Brückenbau und Stimmenstärkung nur gelingen, wenn Politik und Gesellschaft Jugendlichen mehr Beteiligung, Begleitung und Chancen eröffnen.
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