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Corona hat tiefe Spuren hinterlassen

Bischof Bernardo Johannes Bahlmann berichtet über die Pandemie und ihre Folgen im brasilianischen Partnerbistum Óbidos – Abholzung des Regenwalds schreitet voran

Würzburg/Óbidos (POW) „Ohne die Unterstützung, auch gerade aus dem Partnerbistum Würzburg, hätten wir die Coronapandemie nicht überstanden.“ Das hat Bischof Bernardo Johannes Bahlmann, Bischof des brasilianischen Bistums Óbidos, am Montag, 18. Oktober, bei einem Pressegespräch im Medienhaus der Diözese Würzburg betont. Seit einigen Wochen ist er in Deutschland und besucht in diesen Tagen unter anderem Bischof Dr. Franz Jung.

Dank finanzieller Hilfe aus Deutschland hätten die drei Krankenhäuser sowie die zwei Krankenhausschiffe, die von der Kirche betrieben werden, in der von staatlichen Stellen nur bedingt versorgten Amazonasregion viel geleistet, berichtete Bahlmann. „Unser großes Anliegen war und ist es, so viele Menschenleben zu retten wie möglich.“ Mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland sei, umgerechnet auf 100.000 Einwohner, die Inzidenz gewesen, dreimal so viele Menschen wie in der Bundesrepublik seien an den Folgen der Infektion gestorben. „Heute verhalten sich die Menschen schon wieder, als wenn es vorbei wäre, aber das ist es noch lange nicht.“

Als im März und April vergangenen Jahres von der Amazonasmetropole Manaus her die große Infektionswelle hereinbrach, habe das Bistum Intensivstationen eingerichtet. Die Krankenhausschiffe seien in abgelegene Regionen wie ein Dorf in der im Westen des Bistums gelegenen Pfarrei Faro aufgebrochen, wo es staatlicherseits keinerlei ärztliche Versorgung gebe. „Zwei Krankentransporte mit den am schlimmsten betroffenen Personen hat das Schiff dann zum Krankenhaus nach Juruti gefahren. So konnten die meisten von diesen Menschen überleben.“ Dass der Einsatz auch für die Helfer einen Preis hatte, verschweigt Bischof Bahlmann nicht. So seien die Direktoren der Krankenhäuser in Óbidos und Juruti sowie die komplette Schiffscrew an Corona erkrankt, der erst 33-jährige Krankenhausdirektor von Juruti gar daran gestorben. „Die Hilfe und der Zuspruch, die wir aus Deutschland erfahren haben, halfen uns, auch in Phasen der Verzweiflung nicht aufzugeben, sondern durchzuhalten.“

Es gebe Long-Covid-Folgen, die über rein gesundheitliche Folgen hinausgingen, attestierte Bischof Bahlmann. Menschen litten unter psychologischen, wirtschaftlichen und spirituellen Auswirkungen der Pandemie. 50 Prozent der Menschen in der Stadt Óbidos lebten von einer Tätigkeit in der Schattenwirtschaft oder als Tagelöhner. „Als die Pandemie am schlimmsten wütete, hatten sie kein Geld und auch kein Essen.“ Das Bistum habe schnell reagiert und Essenspakete und auch Hygieneartikel an die Bedürftigen verteilt. Hier hätten sich auch Besserverdiener aus der Diözese Óbidos eingebracht, neben Pfarreien aus dem Bistum Würzburg, die ebenfalls konkrete Hilfe organisierten.

„In unserem Bistum haben wir in den Pandemiejahren mehr Geld in die Kommunikation investiert. Es geht darum, den Menschen Geborgenheit und Hoffnung zu geben, auch wenn wir vielleicht nicht direkt bei ihnen sein können.“ Das sei mehr eine Sache von Verstand und Herz als von Entfernung, betonte Bahlmann. Soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook oder WhatsApp würden in seinem Bistum, das die Fläche von halb Deutschland umfasst, rege genutzt. „Wir haben eine Telefonseelsorge eingeführt wie sie in Deutschland schon lange Standard ist.“ Anfangs habe er selbst regelmäßig Meditationen im Internet angeboten, inzwischen hätten diese Aufgabe Priesterseminaristen übernommen. Überhaupt zeigte sich der Bischof überzeugt: „Die Frohe Botschaft braucht auch gute Nachrichten.“

Etwa 50 Prozent der Menschen in Brasilien seien inzwischen gegen Corona geimpft. Die andere Hälfte nicht, zum Teil, weil es logistisch schwierig sei, alle in den vielen Dörfern zu erreichen. Zum anderen Teil gebe es auch Impfverweigerer, die den zum Teil kruden Verschwörungstheorien glaubten, die im Internet kursierten. „Eine davon besagt, dass die Impfung die Menschen in Krokodile verwandelt.“

Was die in den Nachrichten präsente Umweltzerstörung am Amazonas angeht, so werde auch im Bistum Óbidos, begünstigt durch die Vorgaben der Politik, die Abholzung vorangetrieben. Auch wenn das dort nicht so stark geschehe wie in anderen Teilen des Regenwalds: „Zum Stillstand gekommen war die Abholzung ohnehin noch nie.“ Insgesamt, so der Eindruck des Bischofs, hielten die Menschen sich weniger an die Gesetze, weil das Vertrauen in die staatlichen Stellen gesunken sei. Die Auswirkungen des Raubbaus an der Natur seien in seinem Land schon spürbar. So hätten die Dürreperioden, insbesondere in den südlichen Landesteilen, spürbar zugenommen.

Im Rückblick auf die Amazonassynode bemängelte Bahlmann, dass das Thema Ökologie zu kurz gekommen sei. „Wir stehen als Menschen, auch wegen des Sendungsauftrags im Buch Genesis, in besonderer Verantwortung für die Schöpfung. Wenn wir uns nicht aktiv für die Natur einsetzen, wird uns auch die schönste Liturgie nicht helfen, dass die Erde nicht zerstört wird.“ Auch um die Weitergabe des Glaubens an kommende Generationen sorgt sich Bischof Bahlmann. „Wir müssen die Laien stärken, das hat auch das Zweite Vatikanische Konzil betont.“ In seinem Bistum habe es 100 Jahre lang praktisch keine Priester gegeben, die Laien hätten die Glaubensweitergabe ebenso gewährleistet wie das kirchliche Leben. „Wir müssen daher die Aufgaben besser verteilen. Ich finde es in diesem Zusammenhang gut, dass Papst Franziskus jetzt das Amt des Katecheten geschaffen hat.“

Für den Synodalen Prozess, den der Papst vor wenigen Tagen für die Weltkirche gestartet hat, sieht Bischof Bahlmann für sein Bistum ein Thema als besonders wichtig an: „Wie kann die Glaubensvermittlung an Jugendliche gelingen?“ Zudem sei zu berücksichtigen, wie die Rolle der Frau gestärkt werden könne. „Dazu gibt es in Óbidos schon länger ein Projekt ‚Frauenpower‘. Dabei fördern wir Frauen im Blick auf die Themen Gesundheit, Erziehung, Soziales und Ökologie sowie Wirtschaft.“ Ein synodales Element pflege das Amazonasbistum schon seit langer Zeit: Einmal jährlich kämen Vertreter aus allen 13 Pfarreien mit ihren insgesamt rund 800 Kleinen Gemeinden nach Óbidos und tauschten sich aus über Dinge, die gut liefen, aber ebenso über Schwierigkeiten. „An Fehlern kann man reifen“, betonte Bischof Bahlmann.

mh (POW)

(4221/1024; E-Mail voraus)

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