Liebe Schülerinnen,
liebes Lehrerkollegium,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
liebe Schwester Katharina,
heute ist also endlich der Tag gekommen, vor dem Sie sich vielleicht gefürchtet, oder auf den Sie hingefiebert haben – der Tag des Abschieds von der Schulleitung. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder einmal darüber gesprochen, jetzt ist er also da.
Mit Abschieden ist es so eine Sache. Auf der einen Seite sagt man, es ist jetzt gut. Denn eine Last wird einem von den Schultern genommen. Auf der anderen Seite aber hinterlässt jeder Abschied auch eine Lücke, in diesem Fall eine sehr große Lücke.
Denn Sie haben unendlich viel Energie, Zeit und Liebe in die Schulleitung und in ihre Schulen investiert. Und diese Lücke will erst einmal ausgehalten und dann langsam wieder geschlossen werden.
Über dem heutigen Tag aber steht vor allem der Dank. Der Dank der Schülerinnen, des Kollegiums und nicht zuletzt mein persönlicher Dank als Bischof für diese Lebensleistung.
Als ich mich gefragt habe, wie ich diesem Dank sichtbaren Ausdruck verleihen könnte, sind mir vier Heilige eingefallen, anhand derer ich meine Ansprache gliedern möchte.
Die heilige Ursula
Beginnen wir mit der heiligen Ursula, der Namensgeberin der Ursulinen. Ursula, die Stadtheilige von Köln, war eine mutige Frau. Als Verkleinerungsform von lateinisch „Ursus“ heißt „Ursula“ übersetzt „die kleine Bärin“. Ein passender Name.
Man weiß ja, dass eine Bärin zum unberechenbar wilden Tier wird, wenn sie ihre Jungen in Gefahr sieht. In der Verteidigung ihrer Kleinen nimmt sie allen Mut zusammen und wächst über die eigenen Kräfte hinaus.
Das gilt mit Fug und Recht auch für Sie, liebe Schwester Katharina. Sie kämpfen mit großer Entschiedenheit für Ihre Schülerinnen und für Ihre Schule. Das tun Sie in der Arbeitsgemeinschaft der (ehemaligen) Ordensschulen im Bistum (AGOS).
Aber das tun Sie auch öffentlich, wenn es sein muss.
Ich erinnere mich dabei an die denkwürdige Großdemonstration für die Förderung der Privatschulen „um 5 vor 12“ am 7. Dezember 2022 in München. Es war eine „Unterrichtsstunde der Superlative“, wie die Presse damals titelte. Sie hatte zum Ziel, auf die Benachteiligung der bayerischen Privatschulen hinzuweisen im Vergleich mit den staatlichen Schulen. Eine Demonstration, die im Übrigen umgehend zu einer Verbesserung der Refinanzierung der Privatschulen geführt hat!
Der Mut der kleinen Bärin hat also geholfen. Und das ganz im Sinne von Schwester Lioba, die Sie als Ihre Vorgängerin hochverehren und die gesagt hat: „Wir brauchen ein unverschämtes Gottvertrauen.“ Ein Wort wie ein Vermächtnis. Danke für dieses mutige, bärenstarke Vorbild, das auch die künftige Schulleitung wie die Freisinger Bischofskonferenz in Zukunft brauchen werden angesichts klammer Kassen.
Die heilige Angela
Dann die heilige Angela als die Gründerin der Ursulinen. „Angela“ heißt übersetzt die „Engelgleiche“. Daran muss ich immer denken, wenn ich Schwester Katharina sehe.
Ich frage mich dann oft: Wovon lebt die Frau eigentlich? Und isst sie ab und zu auch mal was? So feingliedrig und zierlich, ja so leicht kommt sie daher.
Und doch hat sie wie jeder Engel eine glasklare Mission. Sie lautet, jede einzelne Schülerin wertzuschätzen. Jede einzelne wahrzunehmen mit ihren Begabungen und Talenten. Und jeder die Förderung angedeihen zu lassen, die sie braucht für ihre weitere Entwicklung.
Glaube, Bildung, Qualität – kurz GBQ –, mit diesen Begriffen verbinden Sie den Anspruch Ihrer Schulen. Aus dem Glauben an die Würde des Menschen entspringt der Impuls zur Bildung. Und diese Bildung wiederum orientiert sich an dem christlichen Menschenbild. „Yes I can“, heißt der Claim der Schule. Weil jemand an mich glaubt, vermag ich mich als Person weiterzuentwickeln. Schule ist eben viel mehr als nur eine Lehranstalt. Im christlichen Sinn verstanden geht es in der Schule um Persönlichkeitsbildung, was etwas anderes ist als nur einen Lernstoff zu vermitteln.
Zur engelgleichen Angela gehören auch die Unverzagtheit und die innere Heiterkeit. Diese Heiterkeit ist nicht zu verwechseln mit einem oberflächlichen Fröhlich-Sein. Nein, die Heiterkeit der Engel rührt daher, dass sie das Angesicht Gottes schauen und vor dem Herrn ihr Loblied singen in der Anbetung. Aus diesem Geist bezieht Schwester Katharina die Kraft für die Erfüllung Ihrer zahllosen Aufgaben. Dieser Geist bewahrte Sie – und wird Sie hoffentlich auch weiterhin bewahren – vor jeder Form des Überdrusses und Kleinmutes.
Schließlich gilt: Der Engel brennt für seine Mission. Wie oft habe ich Schwester Katharina sagen hören, dass auch sie „für ihre Schulen brennt“. Es ist ihr gelungen, dieses Feuer auch in anderen zu entzünden, die in der Schule ihren Dienst tun. Dieses Feuer zu hüten, wird die Aufgabe der künftigen Schulleitung sein. Unterstützt wird sie darin sicher von dem geplanten neuen Schulträger in Form der Schwester-Lioba-Mehler-Stiftung, bei der sich Schwester Katharina auch weiterhin einbringen wird.
Die heilige Katharina
Dann natürlich die heilige Katharina von Alexandrien als Ihre Namenspatronin. Sie gilt passenderweise auch als die Patronin des katholischen Bildungswesens. Eine Heilige, die sich von den Männern nicht die Butter vom Brot nehmen ließ. Und eine hochgebildete, selbstbewusste Frau, deren überlegener Bildung und Weisheit keiner ihrer männlichen Widersacher beikommen konnte.
„Wir wollen junge Frauen dazu ermutigen, selbstbewusst in die Zukunft zu gehen und auch Führungsrollen zu übernehmen.“ So haben Sie, liebe Schwester Katharina, einmal gesagt. Selbstbewusst in die Zukunft schauen – wie die heilige Katharina.
Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt hat sich nicht umsonst ein Wort aus dem Lobgedicht des Alfanus von Salerno für die heilige Katharina auf die Fahnen geschrieben. Es lautet:
„Durch die Hilfe Gottes gestärkt,
widerstand sie kühn den Anfeindungen der Menschen,
wobei sie sich um Verheißungen kümmerte, nicht um irdische Widrigkeiten.“
Wie schön: „Sich um die Verheißungen kümmern, nicht um die Widrigkeiten.“ Ein Satz, der auch auf Ihr Engagement passt. Ich denke nur an die Übernahme der beiden Schulleitungen nacheinander, die Realschule ab 1995 und dann das Gymnasium ab 2009. Oder an die Renovierung der Schule über sieben Jahre hinweg bei laufendem Betrieb. Da muss man sich in der Tat um die Verheißungen kümmern und darf sich nicht an den Widrigkeiten festbeißen. Der Blick auf die Verheißungen hilft, die Möglichkeiten zu sehen und lösungsorientiert zu handeln, anstatt nur in den Problemanzeigen hängen zu bleiben.
Dass die heilige Katharina von Alexandrien zu den 14 Nothelfern gehört, ist kein Zufall. Ich bin sicher, dass diese Nothelferin auch Ihnen mehrfach zur Seite gestanden hat bei Ihrem Einsatz für die beiden Schulen. Das Resultat zumindest spricht für sich.
Der heilige Mönchsvater Antonius
Last, but not least der heilige Antonius mit dem Schweinchen. Den heiligen Antonius sieht man bis heute an der Außenwand der Antoniterkirche. Er erinnert daran, dass es die Kirche des Antoniterklosters war. Die Ursulinen kauften 1725 das leerstehende Antoniterkloster in Würzburg auf, um dort ihren Konvent und ihre Schule einzurichten.
Warum gehört der heilige Antonius in die Reihe der Heiligen des heutigen Tages?
Weil er als der Vater des Mönchtums gilt. Schwester Katharina war eben nicht nur Schulleiterin, sondern sie hat auch den Konvent der Ursulinen geleitet und wird ihn weiterhin leiten. Eine doppelte Last, die in sonstigen Konventen oft auf mehrere Schultern verteilt wird. Aber Schwester Katharina hat dieses Leitungsamt immer mit großer Hingabe, Sorgfalt und Liebe zu ihren Schwestern ausgeübt.
Zum einen war und ist ihr der Konvent Rückzugsort und innerer Halt – mit der berühmten Aussicht von ihrem Zimmer aus auf das Käppele und die Festung.
Zum anderen aber erzählt sie immer wieder, mit wie großer Begeisterung sie Ordensschwester geworden ist. Die Nachfolge der heiligen Angela Merici und das Charisma der Ursulinen, jungen Frauen den Weg in diese Welt zu bahnen und sie dazu bestmöglich zu rüsten, war ihr immer Auftrag und Berufung zugleich.
Der Mönchsvater Antonius lehrte die Mönche die Stabilitas Loci, das Bleiben an einem Ort, ohne vor sich und ohne vor den Herausforderungen des Lebens wegzulaufen. Nur wer bleibt, kann geformt werden durch die klösterliche Lebensweise. Sie sind seit Jahrzehnten an diesem Ort hier in Würzburg geblieben und werden weiter hier bleiben. Sie haben diesen Ort als ihre geistliche Heimat angenommen und gestaltet. Das ist etwas sehr Kostbares und Schönes.
Der Mönchsvater Antonius lehrte die Mönche aber auch die Kunst des Zusammenlebens. Eine geistliche Gemeinschaft muss sich daran messen lassen, inwieweit es ihr gelingt, durch den Blick auf die gemeinsame Mitte zusammenzuwachsen. Diese Mitte ist Christus. Wie die Mönchsväter sagten, verhält es sich dabei wie mit einem Rad. Je näher man der Radnabe als der Mitte kommt, umso enger fügen sich die Speichen zusammen.
Es ist schön zu sehen, mit wieviel Liebe Sie sich um die Pflege dieser inneren Mitte sorgen und aus der Nähe zu dieser Mitte auch um Ihre Mitschwestern sorgen. Das gedeihliche Miteinander liegt Ihnen im mittlerweile internationalen Konvent sehr am Herzen. Und das spürt jeder. Ja, Sie sind Ordensfrau aus tiefster Überzeugung. Und dieses Zeugnis strahlt aus. Dafür danke ich Ihnen von Herzen! Das Schweinchen des heiligen Antonius möge auch Ihnen und Ihren Mitschwestern Glück verheißen.
Loslassen lernen und die neue Freiheit schätzen können
Ich komme zum Schluss. Ich wünsche Ihnen, liebe Schwester Katharina, nun die innere Freiheit, loszulassen. Das ist nicht ganz einfach, vor allem wenn man mit dem Konvent gewissermaßen in der Schule lebt. Aber umso wichtiger ist es, dieses Loslassen einzuüben. Das heißt, dankbar auf das Erreichte zurückzuschauen. Aber es bedeutet auch, der nachfolgenden Schulleitung die Freiheit einzuräumen, die Dinge so zu gestalten, wie sie es für richtig erachtet.
Für Ihr überzeugendes Engagement über die mehr als 30 Jahre danke ich Ihnen noch einmal von Herzen und möchte Ihnen dafür meine Hochachtung und Anerkennung aussprechen. Nutzen Sie die neuen Freiräume und pflegen Sie in Zukunft etwas mehr Ihre musische Seite. Sie sind ja doch eher „der künstlerische Typ“, wie Sie einmal so schön sagten. Jetzt ist die Lebenskunst des Neuanfangs nach dem Abschied gefragt. Dazu begleiten Sie meine besten Wünsche! Bleiben Sie behütet und gesund! Auch Ihren Mitschwestern sage ich aufrichtig Danke für alle Unterstützung und wünsche Ihnen als Konvent Gottes reichen Segen! Amen.
