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Das Rätsel des Kilians-Altars

Kilians-Altar aus Basel als Leihgabe im Museum für Franken – Flügelaltar aus der Zeit von 1470 bis 1480 gibt noch viele Rätsel auf – Darstellungen der Frankenapostel und des heiligen Burkard verweisen auf das Hochstift Würzburg – Rahmenprogramm mit speziellen Führungen

Würzburg/Basel (POW) Ein seltenes und besonderes Ausstellungsstück ist ab Freitag, 22. Februar, im Museum für Franken in Würzburg zu sehen – der Kilians-Altar. Es handelt sich um einen nahezu vollständig erhaltenen Flügelaltar mit originaler Bemalung und Fassung, der vermutlich in der Zeit von 1470 bis 1480 in der Region Württembergisch-Franken entstanden ist. Der ursprüngliche Aufstellungsort ist unbekannt. Das Historische Museum Basel stellt den Altar aus seiner Sammlung mittelalterlicher Kunst für drei Jahre als Leihgabe zur Verfügung. „Das ist für uns ein Fest- und Feiertag“, freute sich Direktor Professor Dr. Erich Schneider bei einem Pressetermin am Donnerstag, 21. Februar. „Wir können zumindest auf Zeit eine große Lücke in unserem Bestand schließen.“ Auch für Dr. Marc Fehlmann, Direktor des Historischen Museums Basel, eröffnen sich durch die Zusammenarbeit neue Perspektiven. „Es ist eine Supermöglichkeit, die Objekte näher an die Menschen zu bringen“, sagte er. Zudem würden solche Leihgaben auch die Bedeutung des Historischen Museums stärken.

Weitere Bilder

Auf den ersten Blick besticht der Kilians-Altar vor allem durch seine Farben und die Lebendigkeit der Heiligendarstellungen. Im Mittelpunkt des Schreins stehen die Heiligen Kilian, Burkard und Hieronymus, auf den Seitenflügeln sind der heilige Christophorus und die heilige Dorothea zu sehen. Der Hintergrund ist mit Blattgold und Pressbrokat gestaltet, der obere Teil mit kunstvollen Schnitzereien verziert, in der Fachsprache Schleierwerk genannt. Auch die Fassung des Altars zeigt aufwendige Bemalungen und Verzierungen. Der Auftraggeber dieses Altars sei „anspruchsvoll“ gewesen, sagte Fehlmann. „Die Ausführung war im Vertrag sicher genau festgelegt. Der Altar war nicht für eine Dorfkirche gedacht.“

Zusammengeklappt zeigt der Altar Bildnisse von Kolonat und Totnan. Hier wurde die Fassung lediglich gemalt, anstelle von echtem Gold wurde eine hellgelbe Farbe verwendet. Dies war sozusagen die „Werktagsseite“ des Altars, erläuterte Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte. Die Rückwand ist komplett schmucklos. Doch findet sich auf der Rückseite, unter der Darstellung von Kolonat, eine Datierung: „Sanctus Colonatus Anno m cccc I xx…“ – „Heiliger Kolonat, im Jahr 147?“ Das lasse darauf schließen, dass der Altar zwischen 1470 und 1480 entstanden sei, erklärte Lichte. „Eine Generation, bevor Tilmann Riemenschneider nach Würzburg kam.“

Die Herkunft des Altars näher zu bestimmen sei „Detektivarbeit“ gewesen, sagte Lichte. Laut Fehlmann befindet er sich seit 1886 in Basel. Damals wurde er aus dem Kunsthandel für 2500 Goldfranken für das Vorgängerinstitut des Historischen Museums gekauft. Die Darstellungen der Frankenapostel und des heiligen Burkard, des ersten Bischofs von Würzburg, würden eindeutig auf das Hochstift Würzburg verweisen, erklärte Lichte. Einen weiteren Anhaltspunkt lieferte das filigrane Muster in der Blattgoldauflage im oberen Drittel des Altars. „Dieses Muster wurde mit Hilfe einer Schablone aufgetragen. Solche Schablonen wurden von den Gesellen von Werkstatt zu Werkstatt mitgenommen.“ Beim Vergleich mit anderen Mustern sei man schließlich auf die Gegend um Schwäbisch Hall gestoßen. Anhand der dargestellten Heiligen und durch den Vergleich mit anderen Bildwerken aus der Region könne noch eingehender nach dem ursprünglichen Aufstellungsort gesucht werden.

Die perfekte Ausleuchtung des Kilians-Altars im Museum bringt eine kleine „Schummelei“ ans Licht, wie Diplom-Restaurateurin Susanne Wortmann erklärte. In den Falten der Gewänder sei „Zwischgold“ verwendet worden, eine hälftige Mischung aus Gold und Silber. „Gerade an den Stellen, an denen das Licht nicht so gut hinkommt.“ Das werde dann sichtbar, wenn das Silber im Laufe der Zeit schwarz anlaufe. Überhaupt könne man sich heute nicht mehr vorstellen, wie der Altar auf die Menschen des Mittelalters gewirkt haben mag, fuhr Lichte fort. Gottesdienste seien damals „Inszenierungen“ gewesen. „Wenn der Altar an den Feiertagen aufgeklappt wurde, kamen das prachtvolle Innere und die dreidimensionalen Figuren zur Geltung.“ Im flackernden Licht der Kerzen, mit denen die Kirchen damals beleuchtet wurden, sei das „ein Erlebnis“ gewesen, vermutet Schneider. Zudem habe man in der Fassung des Altars viele kleine Nagellöcher entdeckt. „Als ob man Zettel hingemacht hat“, sagte Lichte. „Der Altar war ein Objekt, an das man seine Wünsche und Nöte gebracht hat.“

Der moderne Mensch hat aber nicht nur einen anderen Blick auf den Kilians-Altar. Viel Wissen über die Heiligen, aber auch über den liturgischen Ablauf eines Gottesdienstes sei heute verloren gegangen, waren sich die Museumsleiter einig. Deshalb sind rund um den Altar liturgische Gegenstände aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert ausgestellt – eine Monstranz, ein Messkelch, ein Ziborium und ein Weihrauchfass. Auch ein Relief mit der Darstellung des „Marientods“ ist zu sehen, das wohl aus dem Altarsockel eines anderen Flügelaltars stammt. Als Ergänzung hat das Museum zudem Postkarten mit der Aufschrift „Wer bin ich?“ drucken lassen, auf denen die Umrisse der Heiligen auf dem Kilians-Altar zu sehen sind. Anhand von Beschreibungen wie „Aus Irland reiste er nach Würzburg und gilt bis heute als Schutzpatron der Stadt und sogar ganz Frankens“ können die Besucher ihr Wissen testen.

Rahmenprogramm

Rund um den Kilians-Altar bietet das Museum in Franken eine Reihe von Veranstaltungen an. Unter der Überschrift „Der Kilians-Altar zu Gast aus Basel“ werden ein Sonntagsspaziergang am 24. Februar um 14.30 Uhr und eine Abendführung am Donnerstag, 4. April, um 17.30 Uhr angeboten. Als Familienführung für Kinder ab sechs Jahren befasst sich der Sonntagsspaziergang am 14. Juli um 14.30 Uhr mit dem Thema „Der heilige Kilian – Ein Mönch aus Irland in Würzburg“. Für Grundschulen und Kommunionklassen wurde das Programm „Heiliger Kilian – ein Mönch aus Irland in Würzburg“ konzipiert.

Das Museum in Franken ist bis Ende März dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet, im Sommerhalbjahr von April bis Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0931/205940, E-Mail online@museum-franken.de, Internet www.museum-franken.de sowie auf Facebook fb.me/museumfuerfranken und Instagram www.instagram.com/museum_fuer_franken.

sti (POW)

(0919/0243; E-Mail voraus)

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