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Das „Superpfund“ der Diözese

Festakt „20 Jahre Internetseelsorge der Diözese Würzburg“ – Einblicke in die Geschichte der Internetseelsorge – Festvortrag von Professor Dr. Büsch

Würzburg (POW) Mit einem Festakt am Freitagabend, 30. November, im Würzburger Burkardushaus hat die Internetseelsorge der Diözese Würzburg ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. „Dass wir dieses Jubiläum begehen können hängt an ganz vielen Stars der Internetseelsorge“, dankte Pastoralreferent Walter Lang, Diözesanbeauftragter für die Internetseelsorge, allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich für dieses Angebot engagieren. Bei einer Talkrunde und einem Festvortrag bekamen die rund 50 Gäste – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Internetseelsorge und Interessierte – Einblicke in die Entwicklungen der vergangenen beiden Jahrzehnte.

In einer kurzweiligen Talkrunde bekamen die Gäste Einblick in die Geschichte und die Herausforderungen der Internetseelsorge. Es sei ihm wichtig gewesen, eine „Seelsorge mit Gesicht“ anzubieten, sagte Walter Sauter. Der ehemalige Leiter der Internetredaktion gründete zusammen mit Diakon Uwe Holschuh vor 20 Jahren die Internetseelsorge. Teilweise seien die Anfänge „sehr strümpfig“ gewesen. „Es lief alles über E-Mails, Formulare oder Verschlüsselung gab es nicht.“ Sogar das Faxgerät sei in den Anfangsjahren noch zum Einsatz gekommen, um Anfragen zu beantworten. Damals hätten nur 30 Prozent der Rechner überhaupt ein Modem gehabt, erläuterte Holschuh: „Die ganze Software, die man heute kaufen kann, gab es nicht. Das musste erst mal selbst geschrieben werden.“

Auch die Seelsorger mussten sich umstellen. Denn Seelsorge über das Internet sei völlig anders als wenn man sich von Angesicht zu Angesicht gegenübersitze, erklärte Kirsten Danelzik, ebenfalls von Anfang an in der Internetseelsorge engagiert. „Ich bekomme nie ein Bild und nur wenige Angaben. Ich kann nur aus der Sprache ein paar Rückschlüsse auf die Person ziehen.“ So habe sie beispielsweise einmal an der Sprache gemerkt, dass eine angebliche junge Frau in Wahrheit erst zwölf Jahre alt war. „Ich überlege genauer, was ich schreibe, und manchmal vergeht eine lange Zeit, bis eine Rückmeldung kommt“, sagte Monika Pickert, Mitarbeiterin in der Regionalstelle Schweinfurt der kirchlichen Jugendarbeit (KJA) und seit 2009 in der Internetseelsorge engagiert. „Das ist ein Nachteil dieser Beratungsform, dass Zeiten zu überbrücken sind.“

Die angesprochenen Themen reichten von Beziehungsproblemen über Erziehungsfragen bis hin zu psychischen Erkrankungen. Oft ginge es auch um Dinge, die man sich nicht auszusprechen traue, sagte Lang: „Manchmal ist es einfacher zu schreiben.“ Die meisten Anfragen kämen aus der Altersgruppe der 30-, 40- und 50-Jährigen, hat Pickert beobachtet. Die echten Jugendlichen seien zwar eher selten, aber die Interessenten seien dennoch deutlich jünger als der Durchschnitt im Sonntagsgottesdienst.

„Die Niederschwelligkeit hat mich schon immer überzeugt. Es ist ein Angebot, bei dem man nicht in eine Beratungsstelle oder in ein Pfarrhaus gehen muss. Es ist ein Superpfund, in das die Diözese hier investiert“, erklärte Lang. So wünschte sich Pastoralreferent Rainer Ziegler, Cityseelsorger in Bad Kissingen und ehemaliger Leiter des Bereichs Sonderseelsorge/Diakonische Pastoral, dass die Diözese weiterhin „Groschen locker macht“. Sauters Wunsch war „Kreativität, um neue Ideen zu entwickeln und junge Menschen zu erreichen. Es ist wichtig, dass wir als Kirche ein religiöses Angebot setzen.“

„Onlineberatung und -seelsorge in Zeiten der Digitalität“ lautete anschließend das Vortragsthema von Professor Dr. Andreas Büsch von der Katholischen Fachhochschule Mainz, Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz. Die Niederschwelligkeit und Anonymität seien die große Chance der Internetseelsorge, sagte der Referent. Den plötzlichen Kontaktabbruch, der für Seelsorger frustrierend sei, sah er vielmehr als Chance zur Gleichberechtigung: „Der Ratsuchende kann für sich den Stecker ziehen und braucht nicht mehr zu antworten.“ In Zeiten, in denen immer größere Pfarreien von immer weniger Seelsorgern betreut werden, beinhaltet Internetseelsorge für ihn zudem die Chance, die Leistungen in der Fläche zu erhalten. Der Blick in die Zukunft sei angesichts der rasanten technischen Entwicklung schwierig, so der Referent. „Alles, was über fünf Jahre hinausgeht, ist Kaffeesatzleserei.“ Doch er ermutigte alle Beteiligten, offen zu bleiben für neue Entwicklungen und Seismographen zu werden für die Bedürfnisse der Menschen.

„In den 20 Jahren ihres Bestehens haben Tausende Menschen einen Seelsorger gefunden, der sie in einer schwierigen Situation ernst genommen hat“, sagte Andrea Imbsweiler, Referentin für Glaubensinformation und Online-Beratung bei der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral, in ihrem Grußwort. Für viele Menschen sei das Internet in diesem Moment oft der einzige vorstellbare Weg. „Das ist eine ganz große Leistung.“ Imbsweiler dankte auch dem Bistum. Es sei „nicht selbstverständlich“, für ein solches Projekt Personal und Geld zur Verfügung zu stellen. Aus dem kleinen Pflänzchen Internetseelsorge sei in den vergangenen 20 Jahren ein großer Baum geworden, schrieb Christine Endres, Leiterin des Fachbereichs Diakonische Pastoral/Sonderseelsorge, in ihrem Grußwort. Dabei sei sie ihrem Auftrag treu geblieben, ein niederschwelliges und kompetentes Beratungsangebot für Menschen zu sein, die einen Gesprächspartner brauchen. Sie wünschte dem Angebot Entwicklungsbereitschaft, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin Freude und Engagement, sowie den Ratsuchenden, dass sie das Angebot als „hilfreich und lebensspendend erfahren“.

Die Feier endete mit einem Segensgebet, dass Lang und Helga Neudert, Religionslehrerin im Kirchendienst und Mitarbeiterin der Internetseelsorge, gemeinsam gestalteten. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Schwander-Goltz-Duo. Im Anschluss trafen sich die Gäste zum Austausch im Foyer des Burkardushauses.

sti (POW)

(4918/1261; E-Mail voraus)

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