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„Demokratie braucht Inklusion“

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, besucht die Caritas-Don Bosco Schule am Schottenanger

Würzburg (POW) Als spannend, innovativ und von gesellschaftlich höchster Relevanz hat Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, die vielfältige Arbeit an der Caritas-Don Bosco Schule (DBS) am Würzburger Schottenanger bei einem Besuch am Montag, 19. Juli, bezeichnet. Im Rahmen einer Onlineveranstaltung, zu der Schulleiter Harald Ebert einen Beitrag beigesteuert hatte, sei er neugierig auf die Einrichtung für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen geworden, sagte der gebürtige Würzburger Dusel. „Ich freue mich, dass die Begegnung und der Austausch vor Ort nun möglich wurden.“

„Demokratie braucht Inklusion“, unterstrich Dusel und erläuterte, dass es dabei um mehr als die Frage von Normalität oder Behinderung gehe. „Wir brauchen ebenso das gute Miteinander von Männern und Frauen, von jungen Menschen und alten, von Einheimischen und Zugewanderten.“ Die Teilhabe aller am Arbeitsleben sei ihm ein großes Anliegen, sagte Dusel. Die Monate der Pandemie hätten Stillstand oder Rückschritte mit sich gebracht, stellte Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm, Ehrenvorsitzende des Diözesan-Caritasverbands, fest. Die Belange von Menschen mit Behinderung seien oftmals nicht ausreichend berücksichtigt worden. „Wenn es darum geht, Frauen und Männer mit Einschränkungen zu integrieren, muss der Öffentliche Dienst noch viel mehr tun“, unterstrich Stamm und nahm auch die Ministerien kritisch in den Blick.

„Wir bemühen uns als Berufsschule um eine möglichst gute Vernetzung in der Region“, sagte Ebert. Er verwies unter anderem auf die wachsende Zahl derer, die mit psychischen Problemen in die Schulen und Betriebe kämen. „Das ist eine gemeinsame Aufgabe. Uns geht es darum, für jede einzelne Person eine gute Lösung zu finden.“ Doch das scheitere immer wieder an starren rechtlichen Strukturen. „Ausbildungen sind für sehr viele junge Menschen eine sehr gute Sache. Es braucht aber auch neue Qualifikationen unterhalb geregelter Ausbildungsordnungen, sonst bleibt es bei dem ‚Alles-oder-Nichts‘. Ich schaffe eine komplexe Ausbildung oder ich bin draußen.“ In der Don Bosco Berufsschule fänden solche Qualifizierungen seit mehr als 15 Jahren mit betrieblichen Partnern statt, qualifiziert werde für das, was am Arbeitsmarkt gebraucht werde. Dafür brauche es jetzt offizielle Regelungen im dualen System Schule und Wirtschaft. „Junge Leute in schwierigen Lebenslagen fliegen zu schnell aus dem Bildungssystem raus“, stellte Ebert fest. „Wenn junge Leute merken, dass es nicht nur Gesetze und theoretische Rechtsansprüche gibt, sondern auch noch Menschen, die die Wege mit ihnen gemeinsam gehen, dann ist das ein echter Beitrag zu mehr Demokratie“, erklärte Dusel.

Pädagogin Tanja Hofbeck führte die Gruppe durch einige Bereiche der Berufsschule, die barrierefrei bestens gerüstet sei für diverse Herausforderungen. Dusel, von Geburt an stark eingeschränkt im Sehvermögen, zeigte sich beeindruckt vom architektonisch gut durchdachten Konzept. Exemplarisch führte der Rundgang in die Bereiche Holz- und Frisörhandwerk, bevor Dusel das Gespräch mit Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) suchte. Die jungen Frauen und Männer hatten viele Fragen an den Beauftragten der Bundesregierung. Dieser ermutigte sie: „Vertrauen Sie auf sich. Jeder Mensch hat etwas, das er gut kann. Und lassen Sie sich bloß nicht kleinmachen.“

„Ich bin sehr dankbar für Ihre Arbeit“, sagte Dusel. „Was hier geleistet wird, ist echte Demokratiearbeit. Menschen, denen wir mit Respekt und der Eröffnung von Perspektiven begegnen, die am gesellschaftlichen Leben auf Augenhöhe teilhaben können, laufen auch seltener den scheinbar einfachen Antworten oder populistischen Parolen hinterher.“ Ganz im Sinne von Eberts innovativen Ansätzen werde er sich für mehr Flexibilität im Ausbildungssystem einsetzen, um Menschen mit besonderen Herausforderungen gerecht zu werden und mehr Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen zu können: „Wir bleiben weiterhin im Gespräch.“

Mit einem kleinen Imbiss, vorbereitet von der Schülerfirma BVJ Catering, endete der Besuch.

sescho (Caritas)

(3021/0723; E-Mail voraus)

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