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„Den Glauben ganz anders leben“

In Bad Kissingen ist eine lebendige Kultur der Kleinen Christlichen Gemeinschaften entstanden – Jahrestreffen vom 17. bis 19. November in der Kurstadt

Bad Kissingen (POW) Gerlinde Kleinhenz sitzt an ihrem Esstisch im Wohnzimmer. Auf der blauen Tischdecke steht ein brennendes Teelicht. Die Hände zum Gebet gefaltet, atmet sie bewusst ein, schließt die Augen und spricht Jesu Worte: „Herr, wo zwei oder drei in Deinem Namen versammelt sind, da bist Du mitten unter uns.“ Die Anwesenheit des Sohnes Gottes spüren – das will Kleinhenz an diesem Abend. Und zwar zusammen mit einer Gruppe gänzlich verschiedener Menschen, die doch etwas gemeinsam haben: Sie treffen sich regelmäßig zum Bibelteilen.

Kleinhenz gehört einem Hauskreis an, einer sogenannten Kleinen Christlichen Gemeinschaft (KCG). Das ist eine Gemeinschaft innerhalb einer Pfarrgemeinschaft. Das Besondere: Gläubige, hauptsächlich Laien, treffen sich, meist in privaten Wohnungen, um gemeinsam eine Bibelstelle zu lesen. „So kann ich meinen Glauben auf einer ganz anderen Ebene leben“, erklärt Kleinhenz. Sie ist begeistert. Genauso wie die sieben anderen Bad Kissinger, die mit ihr um den Esstisch Platz genommen haben. Eine ganz „bunte Mischung“: Da sitzt ein Lehrer neben einer Krankenschwester, eine Floristin neben einem Versicherungsangestellten, Omas neben jungen Eltern. Mittlerweile kennen sich alle sehr gut, sind enge Freunde geworden. „Wir teilen intimste Probleme, Gefühle, Ängste und Sorgen miteinander“, sagt Kleinhenz. Das Bibelteilen sei zu einem festen Bestandteil in ihrem Alltag geworden.

Zu verdanken hat sie das dem Gemeindereferenten Bernd Keller. Er fing im Jahr 2000 an, Menschen einzuladen, um mit ihnen die Bibel zu lesen. „Ich schätze die Einfachheit, direkt Kontakt mit Gott aufzunehmen und das auch noch in Gesellschaft“, betont Keller. Er habe seine Diplomarbeit zum Thema KCGs geschrieben. Dieses Modell mit dem Verständnis „Kirche vor Ort, Gemeinschaft im Wort“ sei zu seiner großen Vision geworden – und eben auch zu seiner Mission. „Das ist die notwendige Form von Kirche, die wir brauchen. Dafür mache ich Werbung.“

Werbung, die wirkt. Das Ehepaar Christian und Christine Booms hat angebissen. Sie gehörten dem ersten Bad Kissinger Hauskreis an, den Keller damals noch selbst leitete. Später gründeten sie einen eigenen Hauskreis, dem auch Kleinhenz nun angehört. Ein Dominoeffekt. „Das ist die Idee“, sagt Christian Booms. Mittlerweile gibt es im Stadtgebiet Bad Kissingen 14 KCGs – einzigartig im Bistum Würzburg. „Wir sind eindeutig Vorreiter. Es gibt noch viel zu tun“, erklärt Keller voller Tatendrang.

Nach einem kurzen Gebet zu Beginn des Hauskreises greift Dieter Dittrich in die Tasten des Keyboards. Alle anderen blättern im Liederbuch. „Wir sind eine musikalische Runde“, sagt Christian Booms. Mehrere Lieder und das Halleluja werden gesungen, dann das Wort Gottes gelesen. Und zwar immer das Evangelium des kommenden Sonntags, in diesem Fall Matthäus Kapitel 23, Vers eins bis zwölf. Anschließend darf jeder Worte oder kurze Satzteile, die ihn berührt haben, drei Mal wie im Gebet aussprechen. Nach dreiminütigem Schweigen, in dem die Gegenwart Gottes wahrgenommen wird, eröffnet Conny Dittrich die Gesprächs- und Diskussionsrunde über die eben gehörte Bibelpassage. Zum Abschluss wird das Vaterunser gebetet, dabei fassen sich alle an den Händen und bilden stehend einen Kreis um den Esstisch. Dann folgt der Friedensgruß in einer Umarmung.

„Im Gottesdienst rauscht das Wort Gottes nur so an mir vorbei und die Predigt kommt oft nicht an“, kritisiert Christine Booms. Beim Bibelteilen im Hauskreis sei sie ganz nah am Text, könne ihn hinterfragen, mehr herausholen und einfach besser verstehen. Es sei gut, dass in ihrem Hauskreis kein Hauptamtlicher dabei sei: „Die denken oft, sie hätten den Schlüssel zu Allem.“ Dittrich pflichtet bei: „So ist es ein ganz anderer Zugang zum Evangelium.“ Der Hauskreis sei eine große Stütze für ihren Glauben. „Wäre ich ‚nur‘ Kirchgänger, dann würde ich meinen Glauben sehr gebremst leben.“

Und viele der Hauskreismitglieder gehen mit der etwas anderen Art, den Glauben zu leben, auch sehr offensiv um. „Am Anfang wird man aufgrund von Unwissenheit als Sekte abgestempelt“, Dittrich machte die Erfahrung. Selbst von ihrer Tochter und ihren Enkelkindern werde sie belächelt. „Immer wenn ich wieder zum Hauskreis gehe, sagen sie: ‚Oma hüpft ums Tischbein‘“. Mittlerweile sei Bibelteilen – zumindest in Bad Kissingen – ein Begriff. Zehn Kilometer weiter sieht es aber schon anders aus.

„Wir brauchen mehr von diesen jungen Visionären, die Probleme am Kern packen und mit einer pfiffigen Idee aus Dreck Butter schlagen“, sagt Christian Booms über Bernd Keller, der das Konzept der KCGs in Bad Kissingen etabliert hat. Die Idee an sich ist nämlich schon viel älter. Ihren Ursprung haben die KCGs in Afrika und Asien. Dort gliedern sich nach Beschlüssen der Bischofskonferenzen die Diözesen in Pfarreien und diese wiederum in die Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Das päpstliche Missionswerk „missio“ fördert diese Art der Organisation und hat sich entschlossen, die Bildung von KCGs in Deutschland zu unterstützen. „Jetzt braucht es Prozesspromotoren, die das Konzept vor Ort umsetzen“, fordert Keller. Von Donnerstag, 17. November, ab 18 Uhr, bis Samstag, 19. November, gegen 13.30 Uhr, lädt er zusammen mit dem Nationalteam KCGs in Deutschland zu einem Jahrestreffen der KCGs unter dem Motto „Gemeinsam ein Feuer entfachen“ nach Bad Kissingen ein. Veranstaltungsort ist das katholische Gemeindezentrum Herz Jesu in der Hartmannstraße 2. Erfahrungen sollen ausgetauscht und die Bad Kissinger KCGs besucht werden. 27 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich bereits angemeldet. Weitere Informationen und Anmeldung im Internet unter www.kcg-net.de, E-Mail missionarischedienste@bistum-os.de, Telefon 0541/318218.

(4411/1122; E-Mail voraus)

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