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Im Gespräch

„Der Abt muss der Gehorsamste im Kloster sein“

Abt Michael Reepen blickt aus Anlass seines 60. Geburtstags auf 13 Jahre an der Spitze des Benediktinerklosters Münsterschwarzach – „Jubiläumsjahr 2016 wirkt bis heute in der Gemeinschaft weiter“

Münsterschwarzach (POW) Am 24. Juni ist Benediktinerabt Michael Reepen 60 Jahre alt geworden. Am 26. Juni 2006 weihte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann ihn bei einem Festgottesdienst in der Abteikirche zum Abt. Seither steht Reepen als 75. Abt von Münsterschwarzach der Gemeinschaft vor. Im folgenden Interview spricht er unter anderem über seine Erfahrungen und Zukunftswünsche.

POW: Sie sind vor 13 Jahren, also im Alter von 47 Jahren, Abt geworden. Ist das jung für einen Abt?

Benediktinerabt Michael Reepen: In der Abteigeschichte gab es auch jüngere Äbte. 47 war sicher jung, aber für mich war es das richtige Alter. Ich staune gerade selbst, dass es schon 13 Jahre sind. Wenn ich heute Bilder von der Abtsweihe anschaue, war ich tatsächlich jünger (lacht).

POW: Welche Rolle spielt das Alter im Kloster?

Reepen: Im Kloster ist man tatsächlich noch lange jung. Das liegt daran, dass wir eine große Zahl an älteren, 80 bis 90 Jahre alten Mitbrüdern haben. Und wir haben natürlich auch keine Kinder oder Enkelkinder, woran wir merken, dass wir altern.

POW: Hält das Kloster jung?

Reepen: Ja, das kann man so sagen. Wir haben auch viele alte Mönche, die körperlich und geistig noch unglaublich fit sind.

POW: Was sagt die Benediktsregel zu den Altersunterschieden im Kloster?

Reepen: Benedikt fordert in seiner Regel, die Älteren zu ehren und die Jüngeren zu lieben. Das bedeutet einerseits, Respekt vor dem Alter zu haben und vor der Lebenserfahrung, andererseits mit gütigem und liebendem Blick auf die Jüngeren zu schauen, die auch mal Fehler machen dürfen. Wenn dieser Blick gelingt, dann herrscht die richtige Atmosphäre in einer Gemeinschaft.

POW: Was hat sich nach 13 Jahren für Sie verändert?

Reepen: Als Abt ist es meine Aufgabe, das Gesamte zu sehen. Da hat sich mein Blick im Vergleich zum Anfang natürlich verändert. Manches verstehe ich besser als am Anfang. Meine größte Erfahrung als Abt ist aber, dass Themen, die für die Gemeinschaft wichtig sind, eigentlich schon da sind. Und auch die Lösungen. Ich als Abt muss sie dann thematisieren. Dazu muss ich genau das tun, was Benedikt fordert: Hören. Ganz viel Hören. Der Abt muss der Gehorsamste im Kloster sein.

POW: Was heißt das genau?

Reepen: Ich habe zwar eine Richtung und eine Meinung, aber Entscheidungen können auch ganz anders ausgehen. Große Entscheidungen sind manchmal ganz anders ausgegangen, als ich es anfänglich gedacht habe. Das funktioniert aber nur im Dialog und wenn ich alle zu Wort kommen lasse. Das geht zwar dann viel langsamer, aber lieber so und ich habe alle Mitbrüder dabei. Das habe ich auch gelernt.

POW: Welche Erlebnisse empfanden Sie als Abt als besonders?

Reepen: Wir hatten zwei Jubiläen, 2013 haben wir 100 Jahre Wiederbesiedlung und 2016 dann 1200 Jahre Abtei gefeiert. Ich habe diese Termine zum Anlass genommen, zwei Prozesse für die Gemeinschaft zu starten. Es ging darum, wie wir als Gemeinschaft weiterwachsen können. Als da die Ergebnisse sichtbar wurden, hat mich das unglaublich gefreut. Insgesamt hatten wir sechs Jahre am Stück diese inneren Prozesse und das Jubiläumsjahr 2016 unter dem Motto „Be open“ mit dem Schlüssel als Symbol war da nur der beste Abschluss. Das wirkt bis heute nicht nur nach, sondern es geht weiter.

POW: Woran zeigt sich das?

Reepen: Wir haben immer wieder junge Menschen, die sich für ein Leben im Kloster entscheiden und eintreten. Aber auch der Kreis derer wächst, die sich mit Münsterschwarzach verbunden fühlen: Oblaten, benediktinische Kreise, Kursteilnehmer im Gästehaus, Jugendliche…

POW: Wie schafft die Abtei es, so positiv nach außen zu wirken?

Reepen: Das geht nur, wenn wir nach innen arbeiten. Als ich Abt wurde, war es mir sehr wichtig, zu unseren geistlichen Quellen, zu unserem spirituellen Auftrag und zu dem, was Benedikt gemeint hat, zu gehen. Je mehr wir uns innerlich erneuern, desto mehr geht die Wirkung nach außen. Die Gefahr einer so positiven Außenwirkung ist auch, dass wir nicht merken könnten, wenn wir die Verbindung zur Quelle verlieren. Diese innerliche Erneuerung ist wichtig, um gegen den Stolz, vor dem Benedikt warnt, vorzubeugen.

POW: Wie funktioniert das?

Reepen: Unter anderem durch geistliche Übungen. Ein spannender Prozess war dabei unsere Tageszeitenänderung, über die wir lange und intensiv diskutiert haben. Wir haben dadurch mehr Zeit für die persönliche Betrachtung. Für den Außenstehenden sind es lediglich veränderte Uhrzeiten des Stundengebets. Aber für uns ging es nicht um die Uhrzeiten, sondern welche Tagesordnung unserem Auftrag dient. Das funktioniert nur, wenn man gut kommunizieren kann. Und da bin ich so froh, dass ich eine Gemeinschaft habe, die das eben tut. Das liegt auch daran, dass wir in Kleingruppen, den Dekanien, zusammenkommen und Zeit miteinander verbringen.

POW: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Reepen: Ich wünsche mir, dass wir weiter diesen Weg des Miteinanderredens, des Suchens, des Hinhörens, eigentlich des Gehorsams, gehen und die Themen aufgreifen, die da sind. Ich würde mir wünschen, dass Münsterschwarzach auch zu einem Ort der Erneuerung der Kirche wird. Dass wir auch dazu einen Beitrag leisten können. Dass das ein oder andere hier aufblühen kann, wie Kirche sich neu zeigen kann. Die Menschen sind nach wie vor auf der Suche nach Spiritualität und Religiosität. Die Frage ist nur, wie wir sie ansprechen. Und ich hoffe, dass uns das in Münsterschwarzach gelingt.

Interview: Julia Martin (Abtei Münsterschwarzach)

(2719/0693; E-Mail voraus)

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