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Der Erziehungshilfe verpflichtet

Arbeitsgemeinschaft der katholischen Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe und Jugendsozialarbeit besteht seit 40 Jahren

Würzburg (POW) Fast 60 unterfränkische Einrichtungen der katholischen Erziehungshilfe und Jugendsozialarbeit haben am Freitag, 2. Dezember, im Würzburger Don-Bosco-Berufsbildungswerk (BBW) das 40. Jubiläum ihrer Arbeitsgemeinschaft gefeiert. Wolfgang Meixner, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Würzburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, begrüßte die Vertreter der Einrichtungen und der zuständigen Behörden. Es war wie ein großes Familientreffen, da das dichte Netzwerk der unterfränkischen Erziehungshilfeeinrichtungen enge Kontakte bei den Verantwortlichen schafft. Domkapitular Clemens Bieber zollte den Gästen seinen Respekt für ihre gute Arbeit. „Sie bieten Kindern und Jugendlichen einen Raum für Geborgenheit. Ihr täglicher Dienst ist ein Segen.“ In lockeren Spielszenen nahmen Roland Giegerich, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, und Andreas Waldenmeier von Maria Schutz in Grafenrheinfeld das Publikum auf eine Zeitreise durch die vergangenen 40 Jahre mit.

Beim vierten Deutschen Jugendhilfetag in Nürnberg im Mai 1970, zu dem sich öffentliche und freie Träger der Jugendhilfe trafen, kam es zu Tumulten. Diese waren Auslöser für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft. Der Ton war aggressiv, erinnerten sich Schwester Agnella Kestler, heute Gesamtleiterin des Antonia-Werr-Zentrums in Kolitzheim, und Arnulf Schuler, langjähriger stellvertretende Caritasdirektor. Besonders kirchliche Träger seien von Apo-Leuten attackiert worden. Der Ruf „Kinder raus aus den Heimen“ schallte durch die Sitzungen. Das dreitägige Treffen blieb den Teilnehmern in Erinnerung mit Tumulten, dem Besetzen von Mikrofonen, dem Abbruch der Sitzung, dem gegenseitigen Ausspionieren der anderen Lager und einer drohenden Saalschlacht, die vom Veranstalter durch laute Walzermusik verhindert werden konnte. „Wir waren diesen Umgang nicht gewohnt“, sagte Schuler.

Schnell war danach den katholischen Einrichtungen klar: Wir brauchen eine eigene Interessensvertretung. Nach einer Gründung in der Erzdiözese Bamberg handelten auch die unterfränkischen Einrichtungen. Ihre Arbeitsgemeinschaft katholischer-caritativer Einrichtungen der Heim- und Heilpädagogik (AGH), die sie am 5. November 1970 ins Leben riefen, war bundesweit die zweite. Mittlerweile gibt es ähnliche Zusammenschlüsse in allen Diözesen. Erster Geschäftsführer wurde Arnulf Schuler, der im Auftrag des Diözesan-Caritasverbands den Gründungsprozess vorangetrieben hatte. Zur Vorsitzenden wählte die Arbeitsgemeinschaft eine Erzieherin aus dem Schifferkinderheim: die damals politisch noch unbekannte Barbara Stamm.

Heimdifferenzierung, die Qualifizierung der Fachkräfte und die Entwicklung der Heilpädagogik waren Schwerpunkte der 1980er und 1990er Jahre. Der Arbeitsgemeinschaft schlossen sich 1984 auch die Häuser der Behindertenhilfe an. 2001 strukturierte sie sich ohne diese Einrichtungen neu und nannte sich „Arbeitsgemeinschaft der katholischen Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe und Jugendsozialarbeit (AGkE)“. Heute gehören der AGkE fast 60 stationäre, teilstationäre und ambulante Einrichtungen mit zirka 680 Plätzen an. Ihre Arbeit muss gut gewesen sein. Missbrauchsfälle, wie sie in den 1950er und 1960er Jahren in Heimen auftraten, sind aus den katholischen Einrichtungen in Unterfranken nur vereinzelt bekannt. „Schlecht gelaufen ist eigentlich nichts“, erinnerte sich der 81-jährige Dr. Peter Flosdorf, Nestor der unterfränkischen Erziehungshilfe und langjähriger Leiter des Überregionalen Beratungszentrums des SKF in Würzburg.

Das Jubiläum, das eigentlich im vergangenen Jahr gefeiert werden sollte, war aufgrund des Wirbels um das Goldene Kinderdorf in Würzburg verschoben worden. Hans Scholten, Vorsitzender des Bundesverbands katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe, dankte Bieber für die schnelle und transparente Krisenkommunikation in dieser Sache, die er „mit großem Respekt wahrgenommen“ habe. Erziehungshilfe sei für ihn das faszinierendste Arbeitsfeld für junge Fachkräfte in der sozialen Arbeit, sagte Scholten, der selbst den langen Weg vom Vorpraktikanten bis hin zum Direktor einer großen Einrichtung durch alle Ebenen der Jugendhilfe gegangen ist. „Diese Entscheidung habe ich nie bereut.“ Es sei spannend, mit Kindern, Jugendlichen und den Fachkräften zu arbeiten. Es sei darüber hinaus erfüllend, in einer religionsfernen Zeit etwas von der frohen Botschaft im Alltag der Erziehungshilfe umzusetzen. „Wenn dieses Image in Zukunft besser transportiert wird, haben wir in unruhigen Zeiten eine gute Chance, Menschen mit Treue, Kontinuität und Begeisterungsfähigkeit an uns zu binden.“

(4911/1293; E-Mail voraus)

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