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„Der Funke ist übergesprungen“

104. Deutscher Katholikentag
Bischof Dr. Franz Jung zieht persönliches Fazit zum Würzburger Katholikentag

Würzburg (POW) Bischof Dr. Franz Jung zieht eine ausgesprochen positive Bilanz des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg. Besonders die Begegnungen, das Miteinander und das Motto „Hab Mut, steh auf!“ hätten den Ton der Tage geprägt, erklärt er im folgenden Interview. Zudem sagt er, was für ihn das Besondere der Großveranstaltung ausmacht.

POW: Herr Bischof, mit welchem Gefühl blicken Sie auf den Katholikentag zurück?

Bischof Dr. Franz Jung: Ich bin sehr erfüllt und muss wirklich sagen: Ich hatte so viele schöne Begegnungen. Großartig war auch, dass das Katholikentagsmotto „Hab Mut, steh auf!“ in den unterschiedlichsten Kontexten zur Geltung gebracht werden konnte und die Leute sich darauf eingelassen haben. Das hat mich wirklich arg gefreut.

POW: Welche Ereignisse und Veranstaltungen werden Ihnen noch lange im Gedächtnis bleiben?

Bischof Jung: Der Eröffnungsgottesdienst war für mich persönlich wichtig. Mein Ziel in der Predigt war, noch einmal einen inhaltlichen Aufschlag zum Thema zu geben und zu sagen: Was hat das alles für Implikationen? Und auch noch mal deutlich zu machen, dass Evangelium politisch ist. Ich finde die Diskussion, wie politisch Kirche sein darf, irgendwie komisch. Denn das das Evangelium ist per se politisch. Das heißt nicht, dass wir den ganzen Tag politisieren müssten. Es gilt, was Papst Leo wieder deutlich gemacht hat: Der Friede ist ein Auftrag, den Christus uns gegeben hat. Da gibt es nichts zu diskutieren. Es gilt nur zu fragen: Wie kann man das gut machen, dass es für alle verträglich ist? Ein weiteres Highlight war für mich am Freitagabend mit der Jugend das große Gebet mit Worship und Eucharistie mit so vielen jungen Leuten. Dort wurde ich immer gefragt: Herr Bischof, geben Sie uns ein Zeugnis. Was glauben Sie?

Und da waren natürlich die verschiedenen Podien. Das war sehr herausfordernd mit wichtigen Themen. Das eine Podium mit Ricarda Lang beispielsweise. Das war für mich ein Treffen und ein Dialog mit Menschen, mit denen man so normalerweise gar nicht zusammenkommt. Damit aber steht es symbolisch für eine wichtige Funktion des Katholikentags: Er bringt Menschen aus den unterschiedlichsten Professionen, aus den unterschiedlichsten weltanschaulichen Richtungen zum Gespräch zusammen. Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitag fand ich sehr beeindruckend. Er hat sich nachdenklich und auch selbstkritisch gezeigt und, so glaube ich, ganz viele Menschen auch noch mal erreicht, die natürlich mit ihm auch ringen und mit ihm gemeinsam bangen um die Zukunft unseres Landes. Mal zu sehen, dass jemand, der an höchster Stelle in der Verantwortung steht, sich ebenfalls viele Sorgen macht und sich fragt: Ja, wie kriegen wir unsere Botschaft rüber? Die Antwort heißt: „Hab Mut, steh auf!“ – und lass nicht nach in diesem Bemühen, die Menschen zu erreichen.

POW: Klingt ein bisschen so, als wären Sie ein Katholikentagsfan geworden. Oder waren Sie es vorher schon?

Bischof Jung: Ich war es eigentlich schon lange Zeit. Aber es ist etwas ganz Anderes, mal zum Katholikentag zu gehen oder zu einer Veranstaltung, als der Gastgeber zu sein. Das haben wir gemerkt. Was mich am meisten gefreut hat: dass in den vergangenen Monaten bereits zu spüren war, dass der Funke übergesprungen war. Allein was die Menschen in den neun Dekanaten für den „Abend der Begegnung“ an Kreativität, an Zeit, an Freude in die Vorbereitung und Durchführung investiert haben. Da herrschte eine großartige Atmosphäre an den Plätzen – mit Musik, mit Kulinarik, mit Spielen. Mein Dank gilt auch den vielen Helfenden, die wir hier hatten – und natürlich nicht zu vergessen den Kräften von Maltesern, Feuerwehr und Polizei. Nach dem Attentat in Leipzig hatte ich erstmal eine schlaflose Nacht und habe gedacht: Das darf uns nicht passieren, aber das hat man nie im Griff. Ich kann sagen: Wir haben ausgesprochen vertrauensvoll mit den Sicherheitskräften zusammengearbeitet. So entstand ein Gefühl der Sicherheit und auch diese Freude, das gemeinsam gut zu wuppen. Fantastisch.

POW: Ich wurde dieser Tage von Kolleginnen angesprochen, die sagten: Immer, wenn wir den Bischof sehen, wirkt er, als ob er total fit und voller Energie ist. Dabei waren das ja doch anstrengende Tage. Was ist Ihr Geheimnis?

Bischof Jung: Wahrscheinlich ist es einfach der Adrenalinspiegel. Ich nehme aber mal an, dass mir da am heutigen Sonntagabend der Stecker gezogen wird (lacht).

Interview: Burkard Vogt (Radioredaktion)

(2126/0522; E-Mail voraus)

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