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„Der Geist weiß, was gut für uns ist“

Pontifikalgottesdienst zum Hochfest Pfingsten im Würzburger Kiliansdom – Bischof Dr. Franz Jung fordert mehr Solidarität und Rücksichtnahme als Konsequenzen aus der Coronakrise

Würzburg (POW) Am Hochfest Pfingsten hat Bischof Dr. Franz Jung die Gläubigen zu mehr Solidarität, Rücksichtnahme und Mitgefühl in der Coronakrise aufgerufen. „Wir alle hoffen, dass jetzt die richtigen Konsequenzen gezogen werden, die zur Erneuerung der Menschheit beitragen und die zu mehr Solidarität untereinander und zu mehr Rücksichtnahme aufeinander führen mögen“, sagte der Bischof beim Pontifikalgottesdienst am Pfingstsonntag, 31. Mai, im Würzburger Kiliansdom. Mit 150 Personen sei die aufgrund der Schutzmaßnahmen vor der Corona-Pandemie maximal zulässige Zahl an Teilnehmern erreicht worden, sagte Alexandra Eck, Referentin für die Dombesucherpastoral. Der Gottesdienst wurde unter den vorgeschriebenen strengen Sicherheitsmaßnahmen gefeiert. Die Messe wurde live auf TV Mainfranken sowie im Internet auf Facebook, YouTube und bei BibelTV übertragen. TV Mainfranken sendet um 21 Uhr eine Wiederholung.

„Wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt…“ Diesen Satz des Apostels Paulus aus dem Römerbrief stellte Bischof Jung an den Beginn seiner Predigt. „Das können wir gut nachvollziehen. Auch wir seufzen in diesen Corona-Tagen angesichts der Einschränkungen, die wir hinnehmen müssen und in Erwartung des Tages, an dem wir uns des Lebens wieder unbeschwert freuen dürfen.“ Doch für Paulus sei dieses Seufzen nicht einfach nur ein Leiden, sondern für ihn seien es Geburtswehen. Damit gelinge es ihm, dem Leiden eine neue, positive Perspektive zu geben. Das Seufzen habe ein Ziel, betonte der Bischof. „Dann lässt sich auch das Leid dieser Zeit viel besser ertragen, denn man weiß, dass es am Ende eine positive Perspektive gibt.“

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Dieses Seufzen der Welt finde laut Paulus seinen Widerhall im menschlichen Herzen. „Christ ist man nicht einfach, sondern Christ wird man jeden Tag neu. Der Geist, der ins seufzt, versucht, das Innere der Herzen der Menschen zu durchdringen und ganz bis auf des Herzens Grund zu gehen. Damit wir nicht nur oberflächlich Christen heißen, sondern es auch aus ganzem Herzen sind. Wir sind noch lange nicht fertig, aber der Geist schenkt uns die Hoffnung, den langen Atem, um auf dem Weg zum Christsein nicht stehen zu bleiben und niemals zu erlahmen. Es ist diese tiefe und freudige Hoffnung, die uns heute ins Herz gesenkt wird“, sagte Bischof Jung. Wer herzlos geworden sei, der finde durch diesen Geist ein mitfühlendes Herz. Wer erstarrt sei, der gewinne durch ihn eine neue Lebendigkeit. Wer krank sei, den führe er auf den Weg der Genesung. Wer schuldig geworden sei, dem verheiße der Geist, dass es Vergebung gebe in Jesus Christus und die Möglichkeit eines Neubeginns.

Doch könne es ein langer Weg sein, bis der Geist wirklich das Innerste des Herzens eines Menschen erreicht habe, fuhr Bischof Jung fort. Der Apostel Paulus schreibe weiter: „Wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen.“ Beim Beten gehe es nicht darum, Gott unsere Anliegen vorzutragen und von ihm die Erfüllung unserer Bitten zu verlangen. Es gehe darum, sein Herz weit zu machen, damit der Geist darin betet. „Es ist der Geist des kontemplativen Betens, das nicht einfach Gott Forderungen stellt, sondern darum bittet, dass das Reich Gottes und sein Wille geschehe in unserem Leben, indem wir immer neu hinhören und hinschauen und mit allen Sinnen immer neu erfahren wollen, wohin der Geist uns treibt in unserem Leben“, erklärte Bischof Jung. Das gelte für jeden Einzelnen auf seinem Weg. Das gelte für die Kirche auf dem Synodalen Weg, um gestärkt und mit neuer Freude am Glauben aus den „Geburtswehen der Kirchenkrise“ hervorzugehen. „Und das gilt für die ganze Welt und die große Frage, ob wir die großen Schmerzen der Coronakrise gut nutzen. Ob es uns hilft zu einer erneuerten Menschheit, zu Solidarität, Rücksichtnahme und Mitgefühl. Dass wir uns nicht voneinander abschotten, sondern spüren, dass wir als große Menschheitsgemeinschaft aufeinander angewiesen sind.“

Alles, was Paulus zugestoßen sei, habe ihn tiefer zu Christus gebracht und innerlich frei gemacht. So schreibe der Apostel in Römerbrief. „Der Geist weiß, was gut für uns ist, weil er unsere Herzen besser kennt als wir selbst“, sagte Bischof Jung und schloss: „Wir beten heute besonders zur Gottesmutter Maria. Sie möge Fürsprecherin sein für unsere Neugeburt und die Neugeburt der Kirche.“

Domorganist Professor Stefan Schmidt und Moritz Mihm (Klarinette) begleiteten den Gottesdienst unter der Leitung von Domkantor Alexander Rüth mit „Abîme des oiseaux“ aus „Quatuor pour la fin du temps“ von Olivier Messiaen sowie „Drei Stücke für Klarinette solo“ von Igor Strawinsky.

sti (POW)

(2320/0601; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet

Zum Autor: sti (POW) (pow@bistum-wuerzburg.de)

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