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„Der Ort, an dem sich über uns der Himmel öffnet“

Dokumentation
Predigt von Bischof Dr. Franz Jung aus Anlass von 100 Jahren Exerzitienhaus Himmelspforten am Sonntag, 25. Januar 2026, in der dortigen Hauskapelle

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Der Traum Jakobs über das Tor des Himmels

„Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Er ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.“(Gen 28,17) So ruft der Patriarch Jakob aus voller Verwunderung. Im Traum hatte er gesehen, wie auf dem Ort, an dem er geschlafen hatte, die Himmelsleiter aufruhte. Über die Himmelsleiter schwebten die Engel Gottes auf und nieder. Tatsächlich, er hatte das Tor zum Himmel gesehen. „Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Er ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.“

Himmelspforten – ein Ort langer geistlicher Tradition

„Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort!“ Dieses Wort des Patriarchen Jakob gilt auch für das Kloster und das Exerzitienhaus Himmelspforten. Ein Blick in die bewegte Geschichte zeigt, dass seit Jahrhunderten Menschen diesen Ort heiliggehalten haben, weil sie hier die Pforte zum Himmel erfahren hatten. Ich kann das nur in Stichworten rekapitulieren. Das Zisterzienserinnenkloster 1231 in Himmelstadt gegründet, dann 1248 nach Schönau verlegt, um von dort in der sogenannten „Schottenau“ 1251 endlich zur Ruhe zu kommen. Bis heute ist es das älteste bestehende Frauenkloster der Stadt, das viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Die Nonnen haben in der Reformation treu den Glauben bewahrt und den Stürmen der Zeit, vor allem im verheerenden Dreißigjährigen Krieg, getrotzt. Dann wurde das Kloster im Rahmen der Säkularisation 1804 einfach über Nacht aufgelöst.

Den Ort in Ehren halten und die Himmelspforte wiederherstellen

Und dennoch. Viele gaben sich damit nicht zufrieden. Sie wussten: „Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort!“ Hier soll keine Militärlazarett einziehen und auch eine Tabak- oder Farbenfabrik hat hier nichts verloren. Der ehrfurchtgebietende Ort braucht Menschen, die Gott die Ehre geben und dadurch diesem besonderen Ort wieder seine einzigartige Würde schenken.

Bis heute fasziniert mich, dass es nicht der Bischof war, nicht das Domkapitel und auch keine Kleriker. Nein, es waren zwei Schwesternpaare aus Margetshöchheim und aus Dettelbach, die Geschwister Götz und Röll, die nicht eher ruhten, bis sie Karmelitinnen aus Gmunden am Traunsee in Österreich bewegen konnten, das altehrwürdige Kloster wiederzubeleben. Der Sinn für diesen einzigartigen Ort und die Sehnsucht danach, auch in Würzburg wieder eine Himmelspforte zu haben, haben ihr Herz erfüllt. Ihr Vermächtnis, dass sie sich im Übrigen etwas kosten ließen, lehrt uns bis heute, was frommer Sinn vermag. Und wie sehr es auf den Einzelnen ankommt, der nicht auf die Obrigkeit schaut, sondern selbst die Initiative ergreift.

Gott wollten sie die Ehre geben im Wissen darum, dass wir alle solche Orte dringend brauchen, heute vielleicht mehr denn je, in einer Zeit, die scheinbar alles gleichmacht und den Sinn für Transzendenz zu verlieren droht.

Weil die Räumlichkeiten für ein Karmelitinnenkloster zu groß waren, wurde ein Teil der Konventsgebäude 1925 dann dem Bistum überlassen, das vor nunmehr 100 Jahren hier ein gleichnamiges Exerzitien- und Bildungshaus eingerichtet hat. Ich bin sehr froh, dass die Klosterkirche seit 1969 wieder das alte Patrozinium „Mariä Himmelfahrt“ übernommen hat, nachdem von 1844 bis 1969 der heilige Nikolaus von Myra der Patron war. Durch die Rückkehr zum alten Patrozinium wurde deutlich, dass man sich wieder in die alte Zisterzienserinnentradition stellen wollte und an die reiche Geschichte dieses ehrfurchtgebietenden Ortes anknüpfen wollte. Das Patrozinium „Himmelspforten“ ist ein Programm. Das möchte ich am heutigen Tag unter dreifacher Rücksicht mit Ihnen bedenken.

Maria als die Porta Caeli

Die Zisterzienser haben ihre Klosterkirche alle unter das Patrozinium „Mariä Himmelfahrt“ gestellt. Das ist kein Zufall. Denn Maria ist als Person die Pforte des Himmels schlechthin. Durch sie ist der Erlöser in diese Welt eingetreten. Als Ersterlöste ist sie uns auch in den Himmel vorausgegangen. Dort erwartet sie die Gläubigen und weist ihnen den Weg durch diese Welt zum Himmel. Wie Maria zur „Himmelspforte“ wurde, sollen auch wir zu Himmelspforten werden. Christus will auch durch uns in diese Welt kommen. Zugleich sollen wir nicht müde werden, anderen den Weg zum Himmel zu weisen. Das ist ein großer Anspruch.

Für mich war es vor diesem Hintergrund immer bedeutsam, dass Exerzitien- und Bildungshaus und Kloster nebeneinander lagen. Wie oft bin ich als Generalvikar in der Mittagspause in die Klosterkirche gegangen, um dort einen Moment zur Ruhe zu kommen und zu beten. Die Schwestern erinnern durch ihre stille Präsenz an das, was wirklich zählt: wie Maria in der Gegenwart des Herrn zu verweilen und ihn nie aus den Augen zu verlieren. Denn nur so können wir für andere zu Himmelspforten werden. Das ist unsere Berufung und unser Auftrag – im Kloster genauso wie im Exerzitien- und Bildungshaus.

Planen Sie auch als Dienstgemeinschaft solche Momente der Sammlung ein, die der Selbstvergewisserung über den eigenen Auftrag und der Stärkung der eigenen Sendung dienen. Die neue Grundordnung lädt genau dazu ein, als Dienstgeber die Mitarbeitenden immer wieder daran zu erinnern, wo sie arbeiten, aus welcher Haltung heraus wir unseren Dienst tun und was unser Anspruch als Kirche ist.

Himmelspforten aus Ausdruck gelebter Gemeinschaft

Wenn die Zisterzienser für ihre Klöster den Namen „Himmelspforte“ wählten, dann war das natürlich auch ein Hinweis auf das monastische Zusammenleben.

In dieser Gemeinschaft, so die Verheißung, kannst du erleben, wie man in den Himmel eingeht. Das ist der Anspruch, der bis heute auch für das Exerzitien- und Bildungshaus gilt.

Nun ist Himmelspforten bekannt für seine Gastfreundschaft und für den hervorragenden Service. Das kann ich aus den Rückmeldungen der Generalvikare und der Bischöfe ohne Übertreibung sagen. Beides sind urbenediktinische Tugenden. In jedem Fremden Christus sehen, ihn aufnehmen und ihm dienen. Der Geist eines Hauses zeigt sich im Umgang miteinander und nicht zuletzt in einem gedeckten Tisch, an dem man verweilt bei gutem Essen, dem köstlichen Frankenwein und in Gesprächen, die in die Tiefe gehen, weil man gerne miteinander Zeit verbringt. Dass das Haus nach außen hin abgeschlossen ist durch die Mauer, verleiht dem Ort auch etwas Heimeliges. Der „Hortus Conclusus“, der „abgeschlossene Garten“ des Klosters bietet auch dem Exerzitien- und Bildungshaus Schutz und die nötige Stille, um in gesammelte Atmosphäre die oft schwierigen Themen diskutieren, bedenken und entscheiden zu können. Der gute Service und die monastische Prägung des Ortes sind ein echter Standortvorteil. Pflegen Sie beides, denn diese Faktoren sind es, die die Anziehungskraft dieses Ortes ausmachen und das Ehrfurchtgebietende ausstrahlen.

Himmelspforten als Anspruch an unsere Exerziten-, Bildungs- und Konferenzarbeit

Ein Letztes. Der Name Himmelspforten ist auch ein Anspruch an unsere inhaltliche Arbeit. Wir müssen als Kirche den Himmel offenhalten. Nichts ist heute wichtiger als dieser Auftrag. Das Dokument „Unsere Hoffnung“ der Würzburger Synode, dessen Verabschiedung vor 50 Jahren wir letztes Jahr gefeiert haben, formuliert es so:

„Die Krise des kirchlichen Lebens beruht letztlich nicht auf Anpassungsschwierigkeiten gegenüber unserem modernen Leben und Lebensgefühl, sondern auf Anpassungsschwierigkeiten gegenüber dem, in dem unsere Hoffnung wurzelt und aus dessen Sein sie ihre Höhe und Tiefe, ihren Weg und ihre Zukunft empfängt: Jesus Christus.“ (UH II.3)

Deshalb empfiehlt das Synodendokument:

„So gilt als Gesetz unserer kirchlichen Erneuerung, daß wir vor allem die Angleichungsschwierigkeit gegenüber dem, auf den wir uns berufen und aus dem wir leben, überwinden und daß wir konsequenter in seine Nachfolge eintreten, um den Abstand zwischen ihm und uns zu verringern und unsere Schicksalsgemeinschaft mit ihm zu verlebendigen. Dann ist ein Weg und eine Zukunft. Dann gibt es eine Chance, heutig, ganz gegenwärtig zu sein - die Probleme, Fragen und Leiden allenthalben zu teilen, ohne sich ihrer geheimen Hoffnungslosigkeit zu unterwerfen.“ (UH II.3)

In aufrüttelnden Worten wird hier dargelegt, was es heißt, den Himmel offenzuhalten. Ich wünsche mir und uns, dass wir immer die nötigen Formate finden in der Exerzitien- und Bildungsarbeit, um Menschen eine Pforte zum Himmel zu eröffnen.

Ich wünsche aber auch uns als Bischöfen und anderen kirchlichen Verantwortungsträgern, dass wir bei unseren endlosen Konferenzen und Tagungen nie vergessen, auf Christus zu schauen, der von sich gesagt hat, dass er die Tür zum Himmel ist. Diese Tür aufzuhalten und sie nicht zu verstellen oder zufallen zu lassen ist unsere Mission. Wenn uns das gelingt, dann machen wir dem Namen „Himmelspforten“ alle Ehre, dann können die Menschen mit dem Patriarchen Jakob sagen: „Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Er ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.“

Danksagung

Am heutigen Tag danke ich dem Team vom Exerzitienhaus Himmelspforten unter der Leitung von Frau Dittmann-Nath für sein Engagement und den sehr guten Service.

Ich danke den Programmverantwortlichen für das Bemühen, hier anspruchsvolle Angebote zu machen, die helfen, den Himmel neu zu entdecken.

Danken möchte ich auch den Geistlichen, die diesem Ort durch ihr Wirken ihren Stempel aufgedrückt haben. Ebenso danke ich den Ritaschwestern, die durch ihren Dienst dem Haus ein geistliches Gepräge gegeben haben.

Nicht zuletzt geht mein Dank an meine Vorgänger im Amte. Bischof Hermann von Lobdeburg hat vor 800 Jahren das Zisterzienserinnenkloster gegründet. Bischof Matthias Ehrenfried hat das Bildungshaus fast auf den Tag genau vor 100 Jahren eingeweiht. Unter Bischof Josef Stangl konnte das erneuerte Haus 1967 wieder seinen Betrieb aufnehmen. Bischof Friedhelm Hofmann war es schließlich vorbehalten, 2005 das Haus nach umfassender Erneuerung seiner Bestimmung zu übergeben. Ihnen allen schulde ich, schulden wir unseren Dank. Diesen Dank wollen wir nun in der Feier der Eucharistie dem Herrn darbringen. Denn sie ist der Ort, an dem sich über uns der Himmel öffnet. Amen.