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Im Gespräch

„Der Weg zum Himmel führt an einem Biergarten vorbei“

Bruder Tobias Matheis von den Franziskaner-Minoriten über die Idee und Motivation hinter den Angeboten „Bier & Spiritualität“

Würzburg/Seinsheim/Scheinfeld (POW) Bruder Tobias Matheis (52) von den Franziskaner-Minoriten, in Würzburg mit der Straßenambulanz in der medizinischen und spirituellen Betreuung von Obdachlosen aktiv, bietet spirituelle Angebote rund um das Thema Bier an. Im folgenden Interview erklärt er, wie er auf diese Idee kam, und erläutert, warum das persönliche Gottesbild ihn für diesen Einsatz motiviert.

POW: Seit zwei Jahren bieten Sie verschiedene Veranstaltungen rund um „Bier & Spiritualität“ an. So steht Anfang Mai wieder ein Wochenende unter dem Thema „Bibel, Bier und Begegnung“ an. Was hat Sie dazu inspiriert?

Bruder Tobias Matheis: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission und der Wärmestube haben mir aus Anlass meiner feierlichen Profess im Jahr 2007 einen Braukurs geschenkt. Das hat mich damals dann so begeistert, dass ich im Anschluss zuerst in der Klosterküche des Würzburger Franziskanerklosters gebraut habe. Später bekam ich von den Mitbrüdern die ehemalige alte Schreinerei als Raum zum Brauen überlassen. Als ich 2016 dann nach Schwarzenberg zog, habe ich die Anlage mit dorthin genommen. In Schwarzenberg setze ich übrigens die historische Tradition des Brauens fort, viele Jahrzehnte nach dem Tod des letzten dort lebenden brauenden Mitbruders, Rufin Schmitt

POW: Die Leidenschaft für das Selberbrauen ist eines, aber was steckt an Spiritualität hinter dem Angebot?

Bruder Tobias: Es geht mir zunächst einmal um eine Sensibilisierung. Bier heißt nicht automatisch Saufen. Natürlich gilt es beim Umgang mit Alkohol wie in allen anderen Dingen darum, das rechte Maß zu finden und Missbrauch zu vermeiden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in einer gemütlichen Runde mit einem guten Bier Menschen gut miteinander ins Gespräch kommen. Nicht umsonst erklärte das Aachener Konzil 817 das Bier zum Heiltrunk. Und im Rituale Romanum aus dem Jahr 1614 ist uns ein Biersegen überliefert. Er lautet: „Herr, segne dieses Bier, das durch Deine Gnade aus dem Kern des Getreides hervorgegangen ist, dass es dem Menschengeschlecht ein Heilmittel sei. Gib durch die Anrufung deines hochheiligen Namens, dass jedermann, der davon trinkt, Gesundheit des Lebens und Schutz für seine Seele erlange.“ Für mich hat Bier auch viel mit dem persönlichen Gottesbild zu tun.

POW: Inwiefern genau?

Bruder Tobias: Weil der Genuss eines guten Bieres mir helfen kann, Gott zu entdecken. Es geht nicht darum, Heiliges zu profanieren, sondern vielmehr darum, Alltägliches wieder zu heiligen. Beim Trinken eines guten Biers kann ich entdecken, dass Gott mich liebt und will, dass es mir gut geht. Ganz im Sinne von der Schöpfungsgeschichte, wo es heißt: „…und er sah, dass es sehr gut war“. Es ist für mich ein kleines Wunder zu sehen, welche Köstlichkeit aus so einfachen Zutaten wie Wasser, Malz, Hopfen und Hefe entsteht – und welche Vielfalt. Ich möchte mit den Veranstaltungen einladen, Gott wieder oder vielleicht auch neu zu entdecken im Alltäglichen und Kleinen.

POW: An wen wenden sich Ihre Angebote?

Bruder Tobias: Ich habe kein spezielles Publikum vor Augen. Ich bin mir sicher, dass über das Thema Bier auch Menschen erreicht werden, die sonst nicht unbedingt etwas mit Gott und Kirche am Hut haben. Erfahrungsgemäß lockt der Braukurs, den ich in Seinsheim mit Frank Engelhardt anbiete, mehr Männer als Frauen an. Beim spirituellen Wandern auf dem Kunigundenweg im südlichen Steigerwald wandern wir gemeinsam nach Seinsheim. Unterwegs besuchen wir zum Beispiel in Neuendorf den historischen Bierkeller und die frühere Mälzerei. Ein Impuls von mir thematisiert den Hopfen als Bierzutat. Dann frage ich: Was macht den Geschmack meines Lebens aus? Und was ist das Bittere darin?

POW: Ließen sich diese Fragen nicht auch ohne Bier bearbeiten?

Bruder Tobias: Gut möglich. Aber ich bin mir persönlich ganz sicher: Der Weg zum Himmel führt an einem Biergarten vorbei! (lächelt)

Unter der Überschrift „Bier & Spiritualität“ bietet das Bildungshaus Kloster Schwarzenberg in Scheinfeld Tage der Begegnung mit Bruder Tobias Matheis an. Von Freitag, 10., bis Sonntag, 12. Mai, wandern die Teilnehmer durch den südlichen Steigerwald und erhalten spirituelle Impulse sowie eine Brotzeit in der kleinsten Brauerei Unterfrankens in Seinsheim. Der Kurs kostet pro Person 55 Euro zuzüglich Pensionskosten. Eine Tageswanderung mit Informationen zum Kloster und Kellerbier wird am Samstag, 7. September, angeboten und kostet pro Person zehn Euro. Bier selbst brauen dürfen die Teilnehmer eines Seminars von Freitag, 8., bis Sonntag, 10. November. Der Kurs kostet 100 Euro pro Person zuzüglich Pensionskosten. Der Kurs endet mit einer Andacht an einem besonderen Ort. Nähere Informationen und Anmeldung bei: Bildungshaus Kloster Schwarzenberg, Klosterdorf 1, 91443 Scheinfeld, Telefon 09162/928890, E-Mail info@kloster-schwarzenberg.de, Internet www.kloster-schwarzenberg.de.

Interview: Markus Hauck (POW)

(1819/0445; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Foto abrufbar im Internet

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