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Die biblischen Randfiguren als Vorbild

Weihnachtstreffen der Priestergemeinschaft „Jesus Caritas“ – Benediktinerpater Salmann spricht zum Thema „Perspektiven der Perspektivlosigkeit“

Retzbach (POW) Das Thema „Perspektiven der Perspektivlosigkeit. Erkundungsgänge zwischen dem demokratischen Gott und der heutigen Gesellschaft“ ist beim Weihnachtstreffen der Priestergemeinschaft „Jesus Caritas“ im Mittelpunkt gestanden. Rund 40 Mitglieder trafen sich von Mittwoch bis Samstag, 26. bis 29. Dezember, auf der Benediktushöhe in Retzbach, schreibt die Gemeinschaft in einer Pressemitteilung. Benediktinerpater Elmar Salmann aus der Abtei Gerleve betrachtete in seinen Impulsen die Themen „Anfänge“, „Umbruch und Perspektivlosigkeit“ und „Perspektiven“.

Salmann war mehr als 30 Jahre als Professor für Philosophie und Systematische Theologie in Rom tätig und lehrte an der Benediktiner-Hochschule San Anselmo und an der päpstlichen Hochschule Gregoriana. Dort gründete er ein Institut für Philosophie und Mystik und ein Institut für die Geschichte der Theologie. Die Bibel sei das Buch der Anfänge und Gott sei immer im Anfang, sagte er. Das zeige sich zum Beispiel darin, dass Gott als unmündiges Kind zur Welt gekommen sei. Umbrüche und schmerzhafte Veränderungen in Gesellschaft und Kirche seien immer auch Anfänge. Wobei man im Moment mehr das kirchliche Zusammenbrechen in vielerlei Hinsicht feststellen müsse, ohne neue Anfänge in großen Stil erkennen zu können, sagte der Referent.

Die Geschichte der Kirche zeige jedoch viele Umbrüche, die zunächst als Perspektivlosigkeit wahrgenommen worden seien. Der kirchliche Umbruch heute zeige eine weitreichende Implosion der in ihrer bürgerlichen Gestalt Anfang des 19. Jahrhunderts entstandenen deutschen Kirche, sagte Salmann. Unterschiedliche gesellschaftliche, technische, ideologische, wirtschaftliche und politische Strömungen trügen zu einem vielschichtigen Transformationsprozess des Christentums bei. Das sei für das Christentum nichts Neues: Es lebe immer nur in Transformationsprozessen und ständiger Inkulturation. Was die Kirche heute für viele Menschen unglaubwürdig mache, sei das Auseinanderklaffen zwischen ihrer Betonung von normativer Moral und der eigenen Praxis, führte Salmann aus. Dabei gebe es in der Kirche auch die andere Tradition: Texte von Mystikern seien nicht moralisierend, sondern würden sich dem Leben und dem Glauben mit seiner Größe und seinen Abgründen vor allem beschreibend nähern und Ambivalenzen zulassen.

Die Voraussetzung für das Sehen von Perspektiven sei das Anerkennen des momentanen „Zugleichs“ von Stabilität und Einbrüchen. Salmann nannte dieses Zugleich „die Not und das Faszinosum des Augenblicks“. Auch wenn die deutsche Kirche heute noch von ihren Finanzen gestützt werde, müsse man sich doch auf eine künftige Randständigkeit und Unerheblichkeit einstellen. So sei zur Zeit des Alten Testaments die Bedeutung des Volkes Israel im Verhältnis zu den umliegenden Staaten gewesen. Randständig seien auch die Propheten und schließlich Jesus selbst gewesen. Die Logik des Christentums sei die des Salzes, des Ferments, des Gewürzes. Salmann sprach sich für einen Perspektivenwechsel aus. Man solle mehr die biblischen Randfiguren beachten und diese zum Vorbild nehmen. Man solle mehr die kirchlich Randständigen in den Blick nehmen, denn diese machten die Mehrheit in der Kirche aus. Der Referent ermutigte dazu, über vieles in der Kirche neu nachzudenken und Pilotversuche zu wagen.

„Veränderung und Kontinuität gehören zusammen“, lautete das Resümee von Pfarrer Kuno Kohn, Deutschlandverantwortlicher der Priestergemeinschaft und Seelsorger in Hamburg-Sankt Pauli. Gemeindepfarrer Michael Kneißl aus dem Bistum Eichstätt sagte: „Pater Salmann half uns, die Entwicklungen in Kirche und Welt in großen Zusammenhängen wahrzunehmen. Zwar bleibt die Herausforderung im Hier und Heute, aber ich sehe mit größerer Gelassenheit und Zuversicht nach vorne. Die Vielfalt der Bruderschaft aus verschiedenen Regionen und Lebensalter ist eine starke Chance der Horizonterweiterung.“

Die Priester von „Jesus Caritas“ lassen sich inspirieren von der Person und den Schriften des seligen Charles de Foucauld (1858-1916) und sind als Diözesanpriester tätig. Die Priestergemeinschaft und andere im Geist von Foucauld entstandene Gemeinschaften sind weltweit verbunden als „Geistliche Familie Charles de Foucauld“.

(0119/0038; E-Mail voraus)

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