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Die Gnade der „zweiten Bekehrung“

Kiliani-Wallfahrtswoche 2026
Bischof Dr. Franz Jung feiert Kiliani-Gottesdienst mit Ordensleuten aus dem ganzen Bistum – Beispiele von Ordenschristen, die noch einmal neu aufbrachen

Würzburg (POW) Die Kiliani-Wallfahrtswoche ist eine Einladung, das eigene Charisma und die eigene Berufung zu erneuern. Das hat Bischof Dr. Franz Jung beim Kiliani-Gottesdienst am Mittwochnachmittag, 8. Juli, dem Tag des heiligen Kilian, betont. Rund 150 Ordensleute aus dem ganzen Bistum feierten die Messe im Würzburger Kiliansdom mit. „Frage, wohin der Herr Dich senden möchte, wohin Du innerlich aufbrechen möchtest, um Dich mit Kilian, Kolonat und Totnan in das Abenteuer des Lebens nach dem Evangelium senden zu lassen“, ermutigte der Bischof.

Die Frankenapostel lebten in einem irischen Kloster und hatten ihre Berufung eigentlich schon gefunden, begann Bischof Jung seine Predigt. Doch dann hätten sie das Evangelium nochmals ganz neu gehört und seien noch einmal in eine unbekannte Zukunft aufgebrochen, um wie Jesus heimatlos zu sein und das Evangelium zu verkünden. „Sie waren bereit, ihr ganzes Leben hinzugeben, um dieser Sendung gerecht zu werden.“ Kilian und seine Gefährten hätten eine „zweite Berufung“ erlebt, sagte der Bischof. Bei der ersten Bekehrung finde der Ordenschrist sein Charisma und sein Kloster. Man komme innerlich an, aber vieles werde auch zur Routine. Irgendwann komme der Punkt, an dem man sich die Frage stelle, ob das schon alles war oder ob noch etwas komme.

Oft führe die „zweite Bekehrung“ zu einer größeren geistlichen Fruchtbarkeit, erläuterte der Bischof. Teresa von Avila sei bis zu ihrem 40. Lebensjahr „im Kloster gesessen“, bis sie die Kraft des inneren Gebets entdeckte und daraufhin 19 Klöster gründete. Franz Pfanner war Trappist, ehe er in Südafrika die Mariannhiller Missionare gründete. Antonia Werr, die Gründerin der Oberzeller Franziskanerinnen, habe jahrelang nach ihrem Weg gesucht, bis sie ihre Mission in der Seelsorge für Frauen gefunden habe. Die zweite Bekehrung sei eine Gnade, und ihr auszuweichen oder sie hinauszuzögern berge Gefahr für die eigene Seele. „Wer diesen entscheidenden Punkt im geistlichen Leben verpasst, dem geht oftmals das Feuer des Anfangs verloren“, sagte Bischof Jung. Das könne zu einer tiefen Lebenskrise führen. Auch das Evangelium von der Heilung des blinden Bettlers Bartimäus sei die Geschichte einer zweiten Bekehrung, fuhr der Bischof fort. „Er spürt, dass das Leben an ihm vorbeigeht. Doch die Erinnerung an Jesu Kommen weckt in ihm die Sehnsucht, und er folgt diesem inneren Ruf zur Bekehrung.“

„Wir wissen und spüren, dass wir an einer Schwelle stehen, dass etwas zu Ende geht und der Herr uns in einen neuen Ernst der Nachfolge ruft“, sagte Bischof Jung. Junge Menschen wollten genau wissen, ob Christus wirklich die Mitte des eigenen Lebens sei und was man dafür zu tun bereit sei. „Herr, gib uns den Mut, noch einmal aufzustehen. Gib uns den Mut, uns in die Gegenwart Deiner Herrlichkeit zu stellen, wenn Du uns rufst, und öffne uns die Augen für die Schönheit unserer Berufung.“

Ordenschristen und Mitarbeiter brachten symbolische Gaben vor den Altar. Bilder von einem Auge, einem Ohr und einem Herz standen für den wachen Blick für die Nöte, aber auch die Schönheit der Welt, hellhörige Ohren für die Stimme Gottes und der Mitmenschen sowie ein offenes Herz für die Not anderer. Ein Paar Schuhe symbolisierte die Bereitschaft, aufzustehen und sich auf den Weg zu machen. Eine brennende Kerze stand für das Licht, das den rechten Weg zeigt.

sti (POW)

(2926/0682; E-Mail voraus)

Weitere Bilder finden Sie hier:https://bistum-wuerzburg.px.media/share/17835288271gBQVJlQvhPiXW

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