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„Die Welt braucht unseren Zuspruch der Hoffnung und des Trostes mehr denn je“

Dokumentation
Predigt von Bischof Dr. Franz Jung beim adventlichen Pontifikalgottesdienst für die Mitarbeitenden von Bischöflichem Ordinariat und Caritas am Donnerstag, 18. Dezember, im Würzburger Kiliansdom

Josef, der Träumer

Was für ein Evangelium! Wenn Träume platzen… Josef muss zur Kenntnis nehmen, dass ihm offenbar ein anderer zuvorgekommen ist. Der Traum von der eigenen Familie – ausgeträumt! Er macht nicht groß Aufhebens von dieser persönlichen Katastrophe. Er bemüht sich vielmehr um Schadensbegrenzung und will sich im Stillen verabschieden. Er hat hier keinen Platz mehr. Seine Stelle ist weg.

Da wird er von Gott - wohlgemerkt im Traum! - zum Bleiben bewogen. Denn er erfährt jetzt, dass der geheimnisvolle Andere niemand anderes als Gott selbst ist. Gott braucht diesen Josef dringender denn je, denn er soll dem Kind den Namen geben und Mutter wie Kind behüten.

Auf diese Weise erhält Josef eine Bleibe-Perspektive. Er lässt sich auf das neue Abenteuer ein und tritt die Stelle als Vaterersatz für die heilige Familie an. Er träumt Gottes Traum mit von der Erlösung der Welt durch die Menschwerdung seines Sohnes.

Was lernen wir daraus?

Erstens: Das Beispiel des Josef zeigt uns: Veränderung von Stellenprofilen und Aufgabenzuschnitten gibt es schon seit Beginn der Heilsgeschichte - und wird es auch weiterhin geben.

Unser Bemühen geht jedoch dahin, Veränderungen im Stellenprofil mit den Betroffenen rechtzeitig und offen zu besprechen. Wir wollen es gerade nicht der Phantasie der Mitarbeitenden überlassen, zu raten, was sich gerade verändert. Denn diese Phantasie treibt erfahrungsgemäß unschöne Blüten. Sie steigert die Verunsicherung und führt zu Zukunftsängsten. Die Folgen lassen sich an Josef ablesen. Sie sind die innere Kündigung bzw. der Wechsel des Arbeitgebers. Das beeinträchtigt auch das Betriebsklima.

Bei euch aber soll es anders sein! Von daher danke ich allen, die bei den anstehenden Veränderungen seit Jahren bemüht sind, alle, die es betrifft, mitzunehmen und gemeinsam eine gute Perspektive zu erarbeiten. Das stärkt das Vertrauen und hilft, sich als lernende Organisation weiterzuentwickeln.

Zweitens: Im Blick auf Josef könnte man darauf hoffen, dass die Mitarbeitenden einen gesunden Schlaf haben und dass Engel auch heute noch fliegen.

Zielführender ist es allerdings, die Mitarbeitenden rechtzeitig über die künftigen Unternehmensziele aufzuklären. Das verlangt übrigens auch die erneuerte Grundordnung vom Dienstgeber. Im nun zu Ende gehenden Jahr haben wir vieles unternommen, um unseren Mitarbeitenden die Unternehmensziele nahezubringen und sie mitzunehmen auf diesem Weg.

Dieses „Mitnehmen“ gilt im wahrsten Sinne des Wortes für die drei Wallfahrten zum Heiligen Jahr nach Rom. Dabei haben wir als „Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung“ nicht nur die vier heiligen Pforten durchschritten, sondern auch so manch andere Tür zu einem guten und vertrauensvollen Miteinander aufgetan. Das war eine sehr schöne Erfahrung von Dienstgemeinschaft!

Das bietet mir die willkommene Gelegenheit, unserer MAV zu danken, mit der wir gemeinsam die Idee der Romwallfahrten für die Mitarbeitenden geboren haben. So zeigte sich wieder einmal das konstruktive Miteinander von Dienstgeber und Dienstnehmenden, für das ich als Bischof sehr dankbar bin!

Drittens: Für Josef gab es zum Glück kein böses Erwachen. Ihm wurden – das ist der humoristische Zug unserer Geschichte! - im Schlaf die Augen geöffnet. Im Schlaf wurde er eingeweiht in das große Projekt der Welterlösung. Er durfte erkennen, dass Bleiben jetzt „Erste Bürgerpflicht“ ist und er sich nicht heimlich davonzuschleichen braucht. Vor allem aber, dass alles viel größer und bedeutsamer ist, als er sich je selbst hätte träumen lassen.

Ich wünsche uns, dass auch wir uns an Weihnachten freuen, dass Gott der „Immanuel“ ist, der „Gott-Mit-Uns“. Und dass wir als kirchliche Mitarbeitende froh und stolz sind, auch heute unseren Beitrag leisten zu dürfen zu dieser großartigen Mission. Denn sie hat nichts von ihrer Dringlichkeit eingebüßt, aber auch nichts von ihrer Schönheit.

Darüber muss man übrigens nicht schweigen wie der gute Josef, sondern darf ab und an auch mal ein Wort, hoffentlich ein gutes Wort, verlieren. Denn die Welt braucht unseren Zuspruch der Hoffnung und des Trostes mehr denn je in diesen aufgewühlten und unsicheren Zeiten!

Dank

In diesem Sinne danke ich allen für die Arbeit im vergangenen Jahr und spreche ihnen gerne meine Anerkennung aus für das Geleistete und für alles gemeinsame Ringen um eine gute Weiterentwicklung unseres Bistums und damit der Ortskirche von Würzburg. Ich tue das ausdrücklich auch im Namen unseres Weihbischofs, meines Generalvikars und im Namen Clemens Biebers.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien von Herzen frohe und besinnliche Weihnachtstage und die nötige Erholung für den Neustart in das Jahr 2026, in dem für Josef wie für uns alle gilt: „Hab Mut, steh auf!“, denn es gibt noch viel zu tun!