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POW-Serie: „12 Wege“ (8)

„Dieser Weg hat von allem etwas“

Der „Besinnungsweg Retztal“ zwischen Retzbach und Retzstadt – Verbindung von Naturerlebnis und Besinnung – Kinder können Natur erforschen – Zwei Startpunkte und drei unterschiedlich lange Varianten

Retzbach (POW) „Jetzt noch eine Anhöhe, dann sind wir oben. Im Frankenland geht ohne Berge nichts.“ Mit sicherem Schritt geht Richard Full auf einem schmalen Feldweg voran. Linker Hand wechseln sich blühende Wiesen und Getreidefelder ab, rechts lockt der Schatten der Bäume. Für unsere Tour auf dem „Besinnungsweg Retztal“ haben wir ausgerechnet einen der heißesten Tage des Jahres erwischt. Der Aufstieg endet auf einer kleinen Anhöhe am „Thüngersheimer Kreuz“. Unter einem mächtigen Nussbaum finden sich ein Bildstock und eine Sitzgarnitur aus Holz. Der Ausblick ist spektakulär. Bis zum Horizont schweift der Blick ungehindert über Felder, Wiesen und Wälder. Nichts ist zu hören außer dem Zwitschern der Vögel und dem Summen der Insekten.

Weitere Bilder

Der „Besinnungsweg Retztal“ ist nur einer von vielen Wanderwegen rund um Retzbach und Retzstadt. Allein sieben sind auf der Rückseite des Ortsplans von Retzstadt eingezeichnet. Sie tragen verlockende Namen wie „Wein und Natur“ oder „Planetenweg“. Für Full ist jedoch klar: „Der Besinnungsweg ist der Schönste. Er hat von allem etwas.“ Full ist Mitglied des Trägervereins „Besinnungsweg Retztal“. Er führt Gruppen auf dem Besinnungsweg und sorgt als einer von vielen Wegpflegern dafür, dass der Weg und die Wegmarkierungen in einem guten Zustand sind. Der komplette Rundwanderweg von Retzbach über Retzstadt und zurück ist 14 Kilometer lang. Es gibt jedoch eine Abkürzung, welche die Strecke auf rund sechs beziehungsweise acht Kilometer verkürzt, je nachdem, ob man in Retzbach oder Retzstadt losläuft.

Unser Startpunkt ist das Marienbrünnlein gleich hinter der Wallfahrtskirche „Maria im Grünen Tal“ in Retzbach. Im Schatten der Bäume plätschert kühles Trinkwasser aus einem Stein, in den eine Abbildung der Gottesmutter gemeißelt ist. Viele Menschen würden das Wasser in Kanister abfüllen und mitnehmen, erzählt Full. „Oft stehen sechs oder sieben Autos hier.“ Gegenüber vom Marienbrünnlein führt eine Steintreppe steil nach oben. Auf einem idyllischen Waldweg geht es nun erst einmal immer geradeaus. Eine Weile verläuft der Weg parallel zur Kreisstraße. Dann kommt von links die Retz in den Blick und schließlich die türkisgrün schimmernden Teiche des Anglervereins Retzbach. Mit ein wenig Glück könne man hier Bieber sehen, sagt Full. Fast hätte ich das „Fischernetz“ am Wegesrand übersehen. Die halbkugelförmige Schweißarbeit ruht auf drei mit Moos überzogenen Steinquadern. Eine Gymnasiastin aus Karlstadt habe die Skulptur im Rahmen eines Kunstprojekts angefertigt, erzählt Full. Der Weg führt stetig leicht bergauf. Nachdem wir zwei rot-weiße Schranken passiert haben, verlassen wir den Wald. Vor uns liegen eine blühende Sommerwiese und ein Feldweg, auf dem man entweder links oder rechts gehen kann. Full zeigt mir einen knapp kniehohen Stein, auf dem ein Andreaskreuz, ein Baum und Wellen zu sehen sind. Ein roter Stein markiert die lange Strecke, ein grüner die Abkürzung. Wir wollen die Abkürzung nehmen, die rechts herum führt.

Ein kleiner Abstecher nach links muss trotzdem sein. Nach rund 20 Metern beschreibt der Weg eine Kurve nach rechts und man steht vor der Station „Völkerwallfahrt“. Auf einer geschätzt drei Meter hohen Steinskulptur führen vier unterschiedlich gefärbte „Wege“ aus Emaille zu einem gemeinsamen Ziel: dem himmlischen Jerusalem. Die Wege könnten für verschiedene Religionen stehen, oder für die Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Darüber kann sich jeder selbst Gedanken machen.

Wir gehen zurück zu der Stelle, wo wir den Wald verlassen haben, und folgen der Abkürzung. „Jetzt kommen wir ein Stück in die Sonne“, kündigt Full an. In sanften Kurven folgt der Weg dem Verlauf des Waldrands, durch Wiesen und Felder, dann ein Stück hinein in den Wald und wieder heraus. Außer dem Zwitschern der Vögel ist nichts zu hören. „Man kann einfach mal den Weg und die Natur genießen“, sagt Full. An manchen Stellen ist der Weg ein wenig schlecht zu erkennen. Aber solange man nicht versucht, quer durch die Felder zu marschieren, kann man sich eigentlich nicht verirren.

Am „Thüngersheimer Kreuz“ kann man sich erneut entscheiden: Links geht es nochmals in Richtung Retzstadt. Würde man nun auf die lange Variante wechseln, käme man zur Breitfeldhöhe, mit 387 Metern die höchste Erhebung im Maindreieck, und hätte bei klarem Wetter einen weiten Rundblick auf Spessart, Rhön und Steigerwald. Die Abkürzung führt durch und am Wald entlang zurück nach Retzbach. Bisher habe ich mich mehr für Eichhörnchen und Waldmäuse interessiert als für die Wegmarkierungen und bin nun angesichts der vielen Zeichen auf den Bäumen und der ständig abzweigenden Parallelwege eher verwirrt. Ab hier ist der Verlauf des Besinnungswegs bis zur Kolpingkapelle aber identisch mit dem Mainwanderweg, so dass man auch einfach den Zeichen mit dem blauen „M“ auf weißem Grund folgen kann. Wenn man die Augen offen halte, könne man sich nicht verlaufen, versichert Full. Aber auch aus einem anderen Grund sollte man beim Laufen aufpassen. „Der Weg wird ein wenig wurzelig.“ Hervorstehende Wurzeln und lose Steine machen ihn ungeeignet für Kinderwägen oder Rollstühle.

Dafür geht es zur Abwechslung leicht bergab. Aus Holz geschnitzte Wegweiser weisen auf besonders schöne Aussichtspunkte hin, etwa auf das „Maintal“ mit einem wunderschönen Blick über die Weinberge und den Fluss. Weiter geht es durch den Wald, vorbei an einer weiteren Schweißarbeit der Karlstadter Gymnasiasten – ein „Nest“ mit einer Handvoll steinerner Eier. Wir erreichen die schmucke Kolpingkapelle. Auch hier gibt es reichlich Sitzgelegenheiten, und letztmals genießen wir den weiten Blick über das Maintal. Weiter geht es bergab, am Fuß der Anhöhe biegt der Besinnungsweg vor einem Feld nach rechts ab. Beim Schild „Weg ist für Mountainbiker gesperrt“ geht es nach links ein kurzes Stück in den Wald. Dann sehen wir auch schon den Kreuzweg, den wir kurzerhand in der entgegengesetzten Richtung hinunterlaufen. Nach gut zweieinhalb Stunden stehen wir wieder an der Wallfahrtskirche.

Super geeignet ist der „Besinnungsweg Retztal“ für Familien mit Kindern. Zu jeder Jahreszeit gibt es hier eine große Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu entdecken. Als ich den Weg noch einmal alleine ablaufe, begegne ich neben Eichhörnchen und Waldmäusen auch einem Marder. Sehenswert sind auch die Kirchen und Kapellen, beispielsweise die Barockkirche Sankt Laurentius in Retzbach, ein Werk von Balthasar Neumann, oder die Pfarrkirche Sankt Andreas in Retzstadt, die ebenfalls unter Mitwirkung von Balthasar Neumann entstand.

Jubiläum 20 Jahre „Besinnungsweg Retztal“

In diesem Jahr feiert der „Besinnungsweg Retztal“ sein 20-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums hat das Würzburger katholische Sonntagsblatt die Geschichte des Wegs und die Menschen dahinter in dem Bericht „Durch die Natur zu Gott“ vorgestellt (www.sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/durch-die-natur-zu-gott/). Die Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre Besinnungsweg“ wird am Sonntag, 10. November, um 14 Uhr im Monsignore-Postler-Haus in Retzbach gefeiert.

Stichwort „Besinnungsweg Retztal“

Es gibt zwei mögliche Ausgangspunkte für den „Besinnungsweg Retztal“: die Wallfahrtskirche „Maria im Grünen Tal“ in Retzbach oder die Kreuzkapelle gleich am Ortseingang von Retzstadt. Die Strecke ist insgesamt 14 Kilometer lang, die reine Laufzeit beträgt drei bis vier Stunden. Möglichkeiten zum Abkürzen bieten sich am „Thüngersheimer Kreuz“ beziehungsweise in der Nähe der Station „Völkerwallfahrt“. Für Kinderwägen oder Rollstuhlfahrer ist der Weg nicht geeignet. Es gibt einen Faltplan mit Wegkarte zum Stückpreis von zwei Euro bei den Pfarrämtern in Retzbach, Telefon 09364/9930, und Retzstadt, Telefon 09364/1395. Man kann aber auch an einer Gruppenführung teilnehmen, Absprache mit Anna Post, Telefon 09364/2069.

Der Trägerverein „Besinnungsweg Retztal“ hat zudem das Buch „Geh deinen Weg. Besinnungsweg Retztal“ herausgebracht. Es enthält eine Beschreibung des Wegverlaufs und der Natur sowie Kapitel zu Kirchen, Kapellen und Kreuzwegen, Geschichten und Sagen. Weiter enthält es Gedanken und Impulse zu einzelnen Stationen. Die vielen farbigen Abbildungen geben einen Eindruck von der Schönheit der Landschaft. Das Buch ist erhältlich im Pfarrbüro von Retzbach.

„Geh deinen Weg“, 126 Seiten, vierfarbig bebildert, 10 Euro. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach. ISBN 3-00-010720-7.

Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)

(3819/0971; E-Mail voraus)

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