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Im Porträt

Ehemann, Vater, Christ – und Fußballtrainer

Josip Frančić trainiert den künftigen Regionalligisten Aubstadt und engagiert sich zugleich in seiner Pfarrei – „Ich möchte wirklich nicht in der Haut des Bischofs stecken“

Bad Neustadt/Aubstadt (POW) Aufstieg ist praktisch sein zweiter Name: Fußballtrainer Josip Frančić ist ein Meistermacher. Mehrfach hat der 51-Jährige Fußballvereine in höhere Klassen geführt. Sein jüngster Coup ist ihm mit dem TSV Aubstadt geglückt: Von der Landesliga sind die Kicker des 750-Einwohner-Orts im Landkreis Rhön-Grabfeld unter seiner Führung vor wenigen Tagen in die Regionalliga Bayern aufgestiegen – als souveräner Meister der Bayernliga Nord. Höher kann man im Amateurbereich nicht kommen. Zusätzlich zu dieser arbeitsintensiven Tätigkeit engagiert sich Frančić, im Hauptberuf Hausmeister im Dienst der Stadt Bad Neustadt, in der Kirchenverwaltung der Bad Neustädter Pfarrei Mariä Himmelfahrt. „Ich bin Christ, und da ist es für mich ganz selbstverständlich, dass ich mich einbringe.“

Halbe Sachen sind einfach nicht sein Ding: 1992 beschloss der gelernte Fliesenleger und damalige Zweitligaspieler gemeinsam mit seiner Frau Jasminka, der Unsicherheit in Kroatien zu entfliehen. „Meine Frau hatte Verwandte in Bad Neustadt, deswegen sind wir hierhergekommen.“ Aus den damals geplanten drei bis vier Jahren Aufenthalt ist ein dauerhafter geworden. „Wir haben inzwischen die doppelte Staatsbürgerschaft, und unsere beiden erwachsenen Kinder betrachten Deutschland als Heimat. Kroatien ist für sie ein Urlaubsland“, sagt Frančić.

In Deutschland fand er als Lizenzfußballspieler beim VfL Bad Neustadt eine Anstellung. „Ich war Spielertrainer, Platzwart und Jugendtrainer zugleich.“ Der positive Nebeneffekt des Eingebundenseins in den Sport: „Ich habe leicht und schnell Deutsch gelernt“, sagt Frančić mit hörbarem fränkischen Einschlag. 1999 fand er eine Anstellung im städtischen Bauhof, seit 2009 betreut er als Hausmeister die städtischen Gebäude in der Bad Neustädter Innenstadt. „Ich mag die abwechslungsreiche Arbeit.“

An die katholische Kirche hat sich Frančić in Deutschland langsam wieder angenähert. In seiner Heimat Kroatien war er in seiner Familie wie die fünf Brüder und die eine Schwester klassisch katholisch sozialisiert und natürlich auch als Messdiener aktiv. Auch wenn damit im damaligen sozialistischen Jugoslawien jede verantwortliche öffentliche Position verbaut war. „In der Pubertät hab ich dann, wie so viele Teenager auch, den Kontakt zu Glaube und Kirche verloren“, erzählt er. 

In der neuen Heimat war der regelmäßige Gottesdienstbesuch ein Fixpunkt. Im Bad Neustädter Stadtteil Mühlbach, wo die junge Familie damals lebte, war er bald Mitglied im Pfarrgemeinderat. „Ich bin einfach immer mehr in das Gemeindeleben hineingewachsen.“ Wie als Fußballer, Spielertrainer oder Trainer macht er auch in Glaubensdingen Nägel mit Köpfen. „Mein Motto heißt: Ganz oder gar nicht.“ Er habe zwar „nur“ die B-Lizenz als Trainer, bilde sich aber bei jeder Gelegenheit weiter. „Ich muss in Physiologie oder Psychologie nicht jedes wissenschaftliche Detail kennen. Aber ich will erkennen, was der Hintergrund ist, und meinen Spielern verständlich machen können, warum ich etwas so trainiere, wie ich es mache.“

Das gleiche gilt nach Frančićs Worten für den Glauben. „Ich muss als Christ sagen können, warum ich an Gott glaube, was die Dreifaltigkeit ist und warum es wichtig ist, die Gebote zu halten.“ Sich auf das Angenehme oder Bequeme am Christentum zu beschränken? Nicht mit Frančić. „Wenn ich Torte esse, dann kann ich mir auch nicht die Erdbeeren rauspicken und lasse den Rest auf dem Teller liegen.“ Neben dem regelmäßigen Gottesdienstbesuch gehört für ihn deswegen die regelmäßige Beichte zur festen Praxis. „Genauso wichtig finde ich, dass ich mich jeden Tag frage, was ich mit meinen Talenten und Fähigkeiten konkret tun kann.“ Also kandidierte er vergangenen Herbst auch für die örtliche Kirchenverwaltung, als er dafür angefragt wurde. „Ich bin kein Mensch, der sich in Posten sonnt. Ich drücke mich aber auch nicht vor der Verantwortung.“ In Aubstadt hat er deswegen zum Beispiel gefragt, ob der Verein des mehrheitlich evangelischen Orts mit einem Benefizspiel das Waisenhausprojekt des Bad Neustädter Pfarrers Dr. Andreas Krefft in Ruanda unterstützt. „Ein anderes Wohltätigkeitsspiel war zugunsten von Kindern, die auf Prothesen angewiesen sind.“

Sorgen macht sich der Erfolgstrainer beim Blick auf die geringe Zahl der Gottesdienstbesucher. „Ich glaube manchmal, die Menschen sind zu versorgt. Wozu sollten sie sich Gedanken um Gott machen. Dabei weiß jeder von uns, wie schnell wir uns den Eltern zuwenden, wenn wir Hilfe und Beistand brauchen.“ In Kroatien erlebe er die Kirche als lebendiger, vielleicht auch, weil die Priester mehr Glaubenspraxis von den Gläubigen einforderten.

Für Frančić ist jeder Einzelne gefragt, den Glauben im Alltag zu thematisieren. „Ich bin manchmal – ganz positiv – neidisch auf die Muslime in Deutschland. In Berlin ist Mohamed der häufigste Name. Aber wo sind die Christen, die ihre Kinder Josef oder Maria nennen?“ Und auch im Umgang untereinander „mit Kirche, den Eltern und den Kindern“ wünscht Frančić sich mehr Bewusstsein dafür, dass das Vorbild ganz entscheidend ist. „Das ist ein sehr komplexes Thema. Ich möchte wirklich nicht in der Haut des Bischofs stecken“, sagt er.

Insgesamt etwa 50 Personen gehören zum Erfolgsteam des TSV Aubstadt, darunter etwa 25 Spieler, zum Teil mit Wurzeln in der Türkei, den USA oder Russland. Jeder müsse wertgeschätzt, aber zugleich das Gemeinsame in den Mittelpunkt gestellt werden. Ohnehin sei es schwer genug, gute Spieler in die „fußballerische Provinz“ zu locken. „Es kommt oft genug vor, dass überraschend ein Gespräch geführt werden muss oder organisatorisch etwas erledigt werden muss“, erzählt Frančić. Einen Sportdirektor oder Manager, wie viele der anderen Bayernliga- oder Regionalligavereine, die noch dazu meist in wirtschaftlich stärkeren Großstädten beheimatet sind, hat Aubstadt nicht. „Meine Frau hat großes Verständnis. Ohne sie und den Rückhalt der ganzen Familie ginge es nicht.“ Dienst nach Vorschrift ist sein Ding nicht. „Ehemann, Vater, Christ und Fußballtrainer ist man nicht zeitweise, sondern 24 Stunden am Tag.“

mh (POW)

(2419/0639; E-Mail voraus)

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