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Ein Forscherleben zwischen Landes- und Kirchengeschichte

Würzburger Diözesangeschichtsverein ehrt stellvertretenden Vorsitzenden Enno Bünz zum 65. Geburtstag mit einem Symposium

Würzburg (POW) „Kräfte, Krisen und Konflikte – Begegnungen mit dem spätmittelalterlichen Franken und Sachsen“ ist das Symposiums überschrieben gewesen, mit dem der Würzburger Diözesangeschichtsverein am Samstag, 26. September, Professor Dr. Enno Bünz zum 65. Geburtstag ehrte. Veranstaltungsort war der Theodor-Kramer-Saal von Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg. Bünz ist seit 2019 Zweiter Vorsitzender des Würzburger Diözesangeschichtsvereins. Beruflich wirkt er seit 2002 als Inhaber des Lehrstuhls für Sächsische und Vergleichende Landesgeschichte in Leipzig. 

Das erklärt auch, warum in acht Vorträgen Fragen der sächsischen wie fränkischen Landesgeschichte in den Blick genommen wurden. Behandelt wurden dabei die schwierige Beziehung „Zwischen Würzburg und Wettinern im 15. Jahrhundert“, „Der Vertrieb der ‚Städte-Ablässe‘ unter Papst Sixtus IV. (1471-1484) im Bistum Würzburg“ oder „Die Pfründenbesetzung in der Diözese Würzburg“ in der Amtszeit von Papst Innozenz VIII. (1484-1492). 

Besonders untersucht wurden auch die Verhältnisse des Würzburger Domkapitels. Im abendlichen Schlussvortrag stellte der Würzburger Mittelalterhistoriker Professor Dr. Franz Fuchs das Leben des durchaus zeittypischen Klerikers Heinrich Leubing (um 1400-1472) vor. Dieser konnte zahlreiche Pfründen – vorübergehend auch ein Kanonikat an Stift Haug – erwerben, trat allerdings weniger durch ein Wirken als Geistlicher, sondern unter verschiedenen Dienstherren als vielgefragter Jurist und Diplomat hervor. Insgesamt wurde deutlich, wie in einer Phase des Umbruchs gemäß dem Obertitel verschiedene Kräfte um ihre Gestaltungskraft gerungen haben, krisenhafte und konfliktreiche Verhältnisse bestimmend waren.

Bünz stammt aus Marne im schleswig-holsteinischen Landkreis Dithmarschen. Ab 1982 studierte er in Würzburg Geschichte und Germanistik, 1993 wurde er an der Universität Würzburg zum Dr. phil. promoviert. Seit dieser Studienzeit sei er Würzburg und Franken sehr verbunden. Wie Professor em. Dr. Wolfgang Weiß, Vorsitzender des Diözesangeschichtsvereins, in seiner Würdigung mit dem Titel „Enno Bünz als Historiker der Franconia sacra“ ausführte, trat dieser schon als Student dem Würzburger Diözesangeschichtsverein bei. In seinen Würzburger Qualifikationsschriften setzte er sich mit der Geschichte der Stifte Neumünster und Haug im Mittelalter auseinander. Als Studentische Hilfskraft und dann als Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim von Klaus Wittstadt, dem langjährigen Vorsitzenden des Diözesan-Geschichtsvereins, geleiteten DFG-Projekt „Kirche und ländliche Gesellschaft in Mainfranken von der Reformation bis zur neuesten Zeit“, habe er Zugang zum pfarrlichen Leben als Forschungsgegenstand gewonnen. Dieser habe ihn bis in die Gegenwart nicht losgelassen. Damals entstanden Beiträge zur Pfarrgeschichte Gaukönigshofens und Rottendorfs. 

Bünz wechselte 1991 beruflich an das Dom- und Diözesanmuseum in Hildesheim und 1993 als Wissenschaftlicher Assistent an die Universität Jena, wo er sich im Jahr 2000 mit einer Studie über den „niedere[n] Klerus in Thüringen“ für „Mittelalterliche Geschichte, Landesgeschichte und Historische Hilfswissenschaft“ habilitierte. 2002 kam dann der Ruf an die Universität Leipzig. Weiterhin publizierte er aber auch zur fränkischen Kirchengeschichte, besonders auch in den Würzburger Diözesangeschichtsblättern. 

Weiß betonte in seiner Würdigung, dass Bünz „zu den beständigsten Autoren“ des Vereinsorgans gehöre. Es sei für ihn eine große Freude gewesen, dass sich Bünz 2019 ohne langes Zögern bereit erklärte, den Posten des Zweiten Vorsitzenden zu übernehmen. Charakteristisch für ihn sei, dass er diese Aufgabe trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen mit großem Engagement wahrnimmt. Bünz ist Wahlmitglied unter anderem der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica in München, des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte, der Gesellschaft für fränkische Geschichte und der Historischen Kommissionen für Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Für die Diözese sei es eine Ehre, dass einer der renommiertesten deutschen Landeshistoriker sich auf diese Weise in die Erschließung der Bistumsgeschichte einbringt. Seitens der Diözese gratulierte Weihbischof Paul Reder Bünz zu seinem 65. Geburtstag.

Die Referate der Tagung sollen – erweitert mit weiteren Beiträgen von Freunden und Weggefährten – in einem voraussichtlich 2028 erscheinenden Band der „Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg“ veröffentlicht werden.

ww (POW)

(4126/0921; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet 
 

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