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Ein offenes Gespräch kann helfen

Welttag der Suizidprävention am 10. September – Krisendienst, Gesprächsladen, Telefonseelsorge und Selbsthilfegruppe AGUS arbeiten zusammen

Würzburg (POW) „Schau hin, frag‘ nach, rede drüber.“ Unter diesem Motto steht der diesjährige Welttag der Suizidprävention am Donnerstag 10. September. „Für einen Menschen in einer Krise kann es lebensrettend sein, wenn jemand aus seinem Umfeld so handelt. Wenn diese Person aufmerksam ist für Veränderungen im Ausdruck und Verhalten des anderen. Wenn sie dann Fragen stellt, die den anderen dazu ermutigen, sich mit seinen Gefühlen mitzuteilen, und wenn sie mit wirklichem Interesse zuhört. Und wenn sie bereit ist, auch über mögliche Suizidgedanken und Suizidabsichten offen mit dem anderen zu sprechen“, sagt Ruth Belzner, Leiterin der Telefonseelsorge Würzburg. Damit sei ein erster, ganz wichtiger Schritt zur Verhinderung eines Suizids getan.

Suizidprävention im Umfeld beginne bereits, bevor sich eine belastende Lebenssituation oder eine akute Verlusterfahrung zu einer suizidalen Krise zuspitzt. „Die Grundlage der Prävention ist Aufmerksamkeit, Interesse und Mut zu einem offenen Gespräch, in dem man den Betroffenen auch darin bestärken kann, sich Hilfe zu suchen.“ Unterstützung und Entlastung, die möglichst unmittelbar und unkompliziert zu bekommen ist, könne in diesen Situationen lebensrettend sein.

Das könnten zum Beispiel auch Gespräche im Würzburger Gesprächsladen oder mit der Telefonseelsorge sein. Wenn die Suizidalität bereits im Vordergrund stehe, sei auf jeden Fall Beratung und Unterstützung durch die Mitarbeitenden des Krisendienstes anzuraten. „An alle drei Stellen können sich auch Menschen wenden, die in Sorge sind um einen Angehörigen oder eine Freundin in der Krise und die klären wollen, was sie tun können“, betont Belzner. Damit Menschen in einer Krise erfahren, dass sich jemand sorgt, mit ihnen spricht, ihnen zuhört und sie unterstützt, arbeiten Krisendienst, Gesprächsladen, Telefonseelsorge und AGUS.

Der Krisendienst Würzburg ist eine spezialisierte Beratungsstelle für Menschen in akuten Krisen und bei Suizidgefahr. Auch Angehörige und andere Bezugspersonen von Menschen in Krisen finden hier Unterstützung. Im vergangenen Jahr suchten 485 Personen dort telefonische oder persönliche Beratung. Beim 365 Tage im Jahr erreichbaren nächtlichen Bereitschaftsdienst meldeten sich insgesamt 601 Menschen, um Unterstützung in einer akuten Krisensituation zu bekommen.

Bei den knapp 12.000 Gesprächen, die die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge Würzburg im vergangenen Jahr führten, spielte in jedem zehnten das Thema Suizid eine Rolle, berichtet Belzner. Meistens ging es um eigene Suizidgedanken der Anrufer, seltener auch um konkrete Suizidabsichten, frühere Suizidversuche oder um einen gefährdeten Angehörigen oder Freund. „Aktuell werden täglich im Schnitt 41 Gespräche am Telefon und drei im Chat geführt. Am Telefon geht es im Schnitt bei drei dieser Gespräche um das Thema Suizidalität, im Chat bei einem von vier.“

Im Gesprächsladen suchen an jedem Öffnungstag etwa zehn Personen Hilfe und Entlastung in einer Lebenskrise oder belastenden Lebenssituation. Vielen dieser Menschen fehlen in ihrem Umfeld andere Menschen, die hinschauen, nachfragen und über das, was das Leben schwer macht, mit ihnen reden.

Für durch Suizid Hinterbliebene ist die Selbsthilfegruppe AGUS (Angehörige um Suizid) eine wichtige Hilfe, erst einmal für das eigene Weiterleben nach ihrem Verlust und als Schutz vor eigener Suizidalität, und als Unterstützung für die Neuorientierung im eigenen Leben.

Der Krisendienst am Würzburger Kardinal-Döpfner-Platz 1, Telefon 0931/571717, ist von Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Täglich von 18.30 bis 0.30 Uhr ist unter derselben Nummer ein telefonischer Bereitschaftsdienst erreichbar.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/1110111 erreichbar. Zudem bietet sie unter www.telefonseelsorge.de online Hilfe an.

Der Würzburger Gesprächsladen am Dominikanerplatz 1 hat von Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr (Mittwochnachmittag geschlossen) eine offene Tür.

Ansprechpartnerin bei AGUS ist Helga Mend, Telefon 0931/94362.

(3720/0902; E-Mail voraus)

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