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Ein Ort zum Loslassen und zur Vorbereitung

Dr. Corinna Paeth übernimmt Leitung des Recollectio-Hauses – Wiedereröffnung mit Festakt nach Generalsanierung

Münsterschwarzach (POW) Dr. Corinna Paeth ist bei einem Festakt am Montagnachmittag, 14. Oktober, als neue Leiterin des Recollectio-Hauses der Benediktinerabtei Münsterschwarzach eingeführt worden. Im Rahmen der offiziellen Segnungs- und Einweihungsfeier des Hauses, das nach rund einem Jahr Generalsanierung im September wiedereröffnet worden war, wurde auch die Leitungsposition von Dr. Ruthard Ott an seine bisherige Stellvertreterin übergeben. Abt Michael Reepen und Bischof Dr. Franz Jung würdigten die Arbeit der seit 1991 bestehenden Einrichtung, die psychotherapeutische und geistliche Begleitung für Priester, Ordensleute und im Kirchendienst Mitarbeitende anbietet. Bereits am Vormittag hatte Abt Reepen das Haus gesegnet.

Die Entscheidung, die Leitungsposition mit Paeth zu besetzen, sei für die Abtei ganz klar gewesen, sagte der Abt. „Dass nun eine Frau die Leitung innehat, finde ich besonders gut. Genau das gehört zur Erneuerung der Kirche.“ Er dankte den Träger(erz-)diözesen Würzburg, Freiburg, Mainz, Rottenburg-Stuttgart, Limburg, Fulda, München und Freising sowie Paderborn für die Unterstützung im Zuge der Sanierung. Auch andere Diözesen aus Österreich und der Schweiz sowie die österreichische Superioren-Konferenz hätten die Renovierung finanziell unterstützt.

Bischof Jung beschrieb den Auftrag und die Mission des Recollectio-Hauses mit Versen aus dem Prolog der Benediktsregel. In jeder Lebenskrise beginne auch ein Weg der Suche. „Die benediktinischen Grundhaltungen sind auf diesem Weg sicher eine große Hilfe.“ Beispielhaft nannte der Bischof die Demut, die notwendig sei, um sich einzugestehen, dass man es aus eigener Kraft manchmal nicht mehr schaffe. Noch immer sei das aber mit einem gewissen Stigma behaftet. Demut helfe dabei, sich anderen anzuvertrauen. Weiter führte er Gehorsam an sowie Schweigsamkeit als die Fähigkeit, genau hinzuhören. Besonders schätze er, dass „das Recollectio-Haus in einen monastischen Kontext eingebettet ist“. Angesprochen habe ihn dabei die Bezeichnung als „Gäste“ und nicht „Patienten“. Auch das sei für ihn ein Hinweis auf die Benediktsregel, bei der Gäste sehr geschätzt würden und in allen Christus gesehen werden solle. „In den Gästen begegnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den leidenden Gliedern Christi.“ Die Erfahrungen aus der Arbeit sehe er deshalb für Bischöfe und Personalverantwortliche als wichtig, um gegenzusteuern oder entsprechende Hilfen anzubieten. „Ich freue mich deshalb auch weiterhin auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit in den kommenden Jahren. Schön, Sie dabei an unserer Seite zu wissen.“

In seiner Abschiedsrede gewährte Ott einen Einblick hinter die Kulissen. Bis heute hätten mehr als 2000 Gäste die Angebote wahrgenommen, derzeit kämen etwa 200 pro Jahr. Die unterschiedlichen Ansätze aus Spiritualität und Psychotherapie machen laut Ott den Reichtum des Programms aus. Aber auch das Zusammenwirken im Team aus geistlichen Begleitern und Psychotherapeuten, die immer wertschätzend und mit hoher fachlicher Kompetenz zusammenarbeiteten, sei eine optimale Voraussetzung. Wichtig sei vor allem die Anbindung an und stetige Unterstützung durch die Abtei – „immer auf Augenhöhe“.

Paeth hob die ganzheitliche Begleitung der Gäste hervor, die durch ihre Vorgänger Dr. Wunibald Müller und Dr. Ruthard Ott entworfen, umgesetzt und weiterentwickelt worden sei. Den Weg der Veränderung sei man in den vergangenen Jahren mit neuen Kursangeboten und der Ausweitung der ambulanten Begleitung weiter gegangen. Für die Zukunft plane das Team bereits ein Kursangebot, das ein bis zwei Wochen dauere und spezifische Themen fokussiere. Eines werde sich aber nicht verändern: „Wir möchten unseren Gästen einen Ort anbieten, an dem sie zu sich kommen, Vergangenes verarbeiten und loslassen können und sich auf Zukünftiges vorbereiten können.“

Das Recollectio-Haus

Das Recollectio-Haus ist eine Einrichtung der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Gegründet wurde es 1991 unter der Leitung des damaligen Abts Dr. Fidelis Ruppert von Pater Dr. Anselm Grün und dem Theologen Dr. Wunibald Müller. Von 2018 bis 2019 wurde das Gebäude im Zuge der Generalsanierung des klostereigenen Egbert-Gymnasiums umfangreich saniert. Das sei vor allem aufgrund der Zimmersituation notwendig gewesen, schreibt die Abtei. Aus 18 Zimmern ohne eigene Nasszelle wurden nun 16 Zimmer mit jeweils eigenem Bad. In der Bauzeit waren die Kurse in Interimsräumlichkeiten in einem Haus der Oberzeller Franziskanerinnen im nahen Kirchschönbach untergebracht. Das Angebot will Priestern, Ordensleuten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seelsorge sowie spirituell Interessierten die Möglichkeit geben, sich körperlich, psychisch und geistlich-spirituell zu sammeln und für die pastorale Rolle und Aufgabe zu stärken. Das Recollectio-Haus bietet beispielsweise vierwöchige Qualifizierte Auszeiten und neunwöchige Langzeitkurse an. Ein neues sechswöchiges Angebot richtet sich speziell an Priester. Zudem gibt es ambulante Angebote. Menschen, die überlegen, Priester zu werden oder ins Kloster einzutreten, können im Recollectio-Haus eine psychologisch-spirituelle Einschätzung erhalten. Das Recollectio-Haus wird finanziell mitgetragen von den (Erz-)Diözesen Fulda, Freiburg, Limburg, Mainz, München-Freising, Paderborn, Rottenburg-Stuttgart und Würzburg. Weitere Informationen im Internet unter www.recollectio.abtei-muensterschwarzach.de.

Julia Martin (Abtei Münsterschwarzach)

(4219/1128; E-Mail voraus)

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