Würzburg (POW) 17 Jahre lang stand er an der Spitze der Katholischen Akademie Domschule Würzburg: Bei einer Feierstunde am Montagabend, 20. Juli, ist Dr. Rainer Dvorak im Würzburger Burkardushaus in den Ruhestand verabschiedet worden. In zahlreichen Redebeiträgen wurden Dvoraks herausragendes Engagement, sein theologischer Sachverstand und sein Humor hervorgehoben.
Ordinariatsrätin Dr. Christine Schrappe, Leiterin der Hauptabteilung Bildung und Kultur, betonte den zentralen Beitrag der katholischen Erwachsenenbildung für einen fundierten gesellschaftlichen und theologischen Diskurs. Dvorak, der seit 2009 an der Spitze der Domschule stand, habe die Bildungsarbeit durch innovative Formate und seine „scharfe theologische Urteilskraft“ bei drängenden Zukunftsfragen wie Klimawandel, Demokratiegefährdung und assistiertem Suizid geprägt. Er habe in dieser Zeit den Wechsel von Bischof und Generalvikaren erlebt, den Umbau des Burkardushauses – „und nicht zu vergessen die Pandemie“. Nachhaltig habe seither die Digitalisierung die Bildungsarbeit verändert. „Hier war die Akademie wegweisend mit neuen Formaten.“
Dvorak steht laut Schrappe für intellektuelles Streiten, ohne einander zu verletzen, und für das Anpacken ernster Themen, ohne das Lachen zu verlernen. Exemplarisch sei das Format „AndersOrte“. „Im Kreissaal, auf der Palliativstation, im Gerichtssaal oder im Rathaus: Hier erweist sich, ob wir als Kirche ernstzunehmende Gesprächspartner bleiben.“ Angesichts des gesellschaftlichen Relevanzverlusts von Kirche betonte Schrappe, es sei zentral, sich diesen Phänomenen „ohne Kulturpessimismus“ zu stellen, um als „starker Player, den man in der Gesellschaft hört und ernst nimmt“, präsent zu bleiben. „Rainer, Du stehst mit Deinem Team der Akademie für mutige Themen und eine Erwachsenenbildung mit Rückgrat.“ Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen für freie Bildungsangebote hob Schrappe hervor, dass die Domschule auch künftig für ein Handeln nach dem Motto „Hab Mut, steh auf“ stehen werde.
Für die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Akademien im deutschsprachigen Raum würdigte Dr. Stephan Loos, Direktor der Katholischen Akademie Hamburg, Dvoraks Verdienste um die Domschule Würzburg. Sie sei eine Akademie, „in der Menschen unterschiedlicher Generationen, religiöser und politischer Überzeugungen zusammenkommen, sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen und die hierfür notwendigen und vertrauensbildenden Debatten führen“. Hier würden die Rechte und die Ungleichbehandlung von Frauen ebenso thematisiert wie das Schicksal Betroffener sexualisierter Gewalt. „Im Würzburger Fernkurs, aber auch in anderen Zusammenhängen und vor allem an anderen Orten kann die Botschaft und die Logik des Evangeliums erfahren und verstanden werden.“
Als „konkurrenzlos wichtigsten Kooperationspartner“ bezeichnete Professorin Dr. Christine Büchner, Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg, die Domschule. Die „absolut reibungslose Zusammenarbeit“ sei nicht zuletzt der Person Dvoraks geschuldet. Dessen „einnehmende Freundlichkeit“ sei ihr bereits bei der ersten Begegnung im Jahr 2020 aufgefallen. Gemeinsam sei es stets gelungen, fachwissenschaftliche Diskussionen in einen großen Raum hineinzutragen. Büchner dankte für die „außerordentliche Gastfreundschaft“, die sie bei Tagungen an der Schnittstelle von „wissenschaftlicher Theologie und Stadtgesellschaft“ erfahren habe. Durch Dvoraks Ruhestand entstehe eine „bedauerliche Lücke“.
Große theologische Erkenntnisse so zu vermitteln, dass Menschen ermutigt wurden, in allen Phasen ihres Lebens einer Spur nachzugehen, auf der die Gegenwart Gottes noch ewig weiterklingt: Das habe Dvorak als diözesaner Rundfunkbeauftragter für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk bei „Auf ein Wort“ geschafft, betonte Monsignore Erwin Albrecht, Beauftragter der Bayerischen Bischofskonferenz für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Darüber hinaus habe er Gottesdienstübertragungen im gesamten Bistum begleitet und moderiert, so zuletzt beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Dvorak habe zudem am Sonntagvormittag „die größte Verkündigungsplattform in Bayern mit im Schnitt einer Million Hörerinnen und Hörern mit Katholischen Morgenfeiern bespielt und über den Deutschlandfunk und andere Sendeanstalten die ganze Republik bereichert, bis dann auf diesem Gebiet Dr. Dietmar Kretz ein würdiger Nachfolger für Dich wurde“.
Für die Mitarbeitervertretung (MAV) wünschte die Vorsitzende Dorothea Weitz für den neuen Lebensabschnitt „viele schöne, neue, spannende, herausfordernde ‚AndersOrte‘. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und freuen Sie sich auf all das, was da jetzt kommt.“ Ihre guten Wünsche verband sie mit einem Gedicht von Mascha Kaléko.
Professor Dr. Ulrich Konrad, Vorsitzender des Trägervereins der Domschule, unterstrich die „Treue zur Sache“, mit der Dvorak den Anspruch der Domschule als „Pflanzschule der Religion und des Gemeinwesens“, wie es am Renaissanceportal der Domschule auf Latein in Stein gemeißelt zu lesen ist, gelebt und beide Bereiche produktiv miteinander verbunden habe. „Einrichtungen, die beides produktiv in ein Verhältnis zueinander setzen, die beides durch ein ‚und‘ zu verbinden und zu fördern suchen – solche findet man heute selten.“ Zudem zeichne Dvorak das Vermögen aus, „Maß zu halten“. Dvorak habe stets ein Auge dafür bewahrt, was die Domschule mit ihren Ressourcen zu leisten vermag und zu leisten hat. „Du selbst hast Dir viel abverlangt, hast gepflanzt und gesät, warst Dir nie dafür zu schade, hinter dem Erntewagen herzulaufen.“ Neben seinen organisatorischen und intellektuellen Gaben habe ihn dazu sein persönlicher Glaube sowie eine durch Humor geprägte „Gelassenheit“ und innere Freiheit ausgezeichnet. Für den anstehenden Ruhestand wünschte Konrad dem scheidenden Akademieleiter anhaltende „Ausgeglichenheit der Seele“ im neuen Lebensabschnitt.
„Das Wohl der Mitarbeiter stand bei Dir an erster Stelle“, erklärte für die Mitarbeitenden der Domschule Dr. Regina Augustin. So sei ein besonderes produktives Arbeitsklima entstanden. Zu praktisch jeder Gelegenheit habe Dvorak ein passendes Gedicht beigetragen. Damit ihm der Stoff auch in Zukunft nicht ausgehe, überreichte ihm das Team eine Sammlung mit gesammelter und zum Teil selbst verfasster Lyrik.
Mit Hinweis auf ein Zitat Mark Twains, er könne von einem guten Kompliment zwei Monate leben, dankte Dvorak in seinem Schlusswort den Rednerinnen und Rednern „für die lebensverlängernden Maßnahmen der vergangenen Stunde“. Vor den Weggefährten und Gästen hob er die Stärke der Domschule hervor, die in einem „Netzwerk vielfältiger Beziehungen“ und gelebter Multiperspektivität verankert sei. Dvorak dankte den Bischöfen Dr. Paul-Werner Scheele, Dr. Friedhelm Hofmann und Dr. Franz Jung für die zugestandene gestalterische Freiheit sowie die Beauftragung zu gesellschaftlich sensiblen Diskursthemen wie der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs.
Anhand der beiden Säulen der Einrichtung – der Akademiearbeit mit Formaten wie den „AndersOrten“ sowie „Theologie im Fernkurs“ mit rund 37.000 Teilnehmenden – betonte Dvorak den gelebten Dialog der Bildungsstätte. Zugleich warnte er vor künftigen strukturellen Einschnitten an den beiden Arbeitsbereichen. Neben dem Dank an die Hauptabteilung Bildung und Kultur, den Trägerverein sowie sein Mitarbeiterteam schloss Dvorak seine Ansprache mit persönlichen Worten an seine Familie. Nachdem er in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viele hunderte Male das Wort ergriffen habe, gelte es jetzt, „die Kammer der Worte“ zu leeren, erklärte er mit dem gleichnamigen Gedicht von Giannina Wedde.
Für die musikalische Gestaltung sorgten Darius Himmel (Saxophon) und Felix Schneider-Restschikow (Klavier).
mh (POW)
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