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„Ein Versprechen mit Leib und Seele“

Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim Gottesdienst für die Silber-Ehejubilare am Freitag, 4. Juli 2014 im Kiliansdom

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Ehejubilare,

Sie haben sich heute Abend trotz Fußballweltmeisterschaft und dem zeitgleich stattfindenden Viertelfinale zwischen Frankreich und Deutschland in den Dom begeben, um miteinander das eigene Ehejubiläum zu feiern. Diese Feier ist Ihnen offensichtlich etwas wert!

In der letzten Zeit machen Brückengeländer eine eigenartige Erfahrung: Verliebte Pärchen hängen dort ein „love padlock“ – zu Deutsch: ein Liebes-Vorhängeschloss – zumeist in Herzform auf und werfen den Schlüssel über das Geländer ins Wasser. Das ist auch bei uns in Würzburg auf der alten Mainbrücke zu erleben.

Offensichtlich ist das Verlangen heutiger Verliebter nach diesem symbolischen Tun so groß, dass einige Städte schon erhebliche Schwierigkeiten mit der Belastung der Brücken bekommen haben. Köln zum Beispiel: Die Hohenzollernbrücke in Köln ist in ein Meer von Vorhängeschlössern eingezwängt und bringt inzwischen auch statische Probleme mit sich. In Paris sagte ein Mitarbeiter vom städtischen Amt für Abfallwirtschaft: „Die Alte Brücke ist für viel Geld denkmalgerecht restauriert worden. Wir wollen das restaurierte Bauwerk nicht gefährden.“ Venedig will diesem Liebesrausch mit einem Bußgeld von 3000 Euro begegnen.

Heidelberg hat von Zeit zu Zeit Mitarbeiter des Amtes für Abfallwirtschaft mit Winkelschleifern losgeschickt, um die Vorhängeschlösser von der Alten Brücke zu flexen. Denn die 400 Schlösser, die pro Jahr hinzukommen, müssen für 1200 Euro wieder entfernt werden. Inzwischen hat man aber in Heidelberg einen Ersatz im ‚Liebesstein’ gefunden. (FAZ, 30.06.2014) Was zeigt uns das alles?

Menschen suchen nach einer äußeren Bekundung ihrer Liebe. Sie möchten den Zustand des Verliebtseins beibehalten, konservieren. Sie machen ihre Liebe gleichsam öffentlich und verbleiben doch im Anonymen. Der in den Fluss weggeworfene Schlüssel ist ein Zeichen für ihre innere Entschlossenheit. Genügt das aber? Ist nicht doch ein häufiges Scheitern Realität?

Sie, liebe Ehepaare, feiern in diesem Jahr ein Ehejubiläum nicht nur im kleinen Familienkreis, sondern in der großen Gemeinschaft der Kirche - zusammen mit vielen anderen Ehepaaren. Wir alle freuen uns mit Ihnen und Ihren Angehörigen über diesen großen Tag. Sie machen heute deutlich, dass Ihre Liebe keine reine Privatsache ist, sondern der Liebe Gottes entspringt und von ihr getragen wird.

Sicherlich haben Sie neben aufmunternden Sonnentagen auch Schatten und Dunkelheiten erlebt. Aber das Bewusstsein, dass sich Gott als Dritter in Ihren Liebesbund hinein begeben hat, war der starke Motor in Krisensituationen - und ist heute ein oft unterscheidendes Merkmal zu den jetzigen Liebespaaren. Der Rahmen auf Ihrem Liedblatt ist – wie wir schon zu Beginn dieser heiligen Messe hörten – aus vier Begriffen gebildet, die tragend auch für Ihre Ehe sind:

Liebe – Treue – Miteinander – Leben.

Wenn junge Menschen, die gerade verliebt sind, Sie nach Ihrer Liebe und der Treue in Ihrer Ehe fragen – was sagen Sie ihnen? Wenn Sie jungen Menschen begegnen, die zweifeln, ob ihre Liebe zueinander groß genug ist, um eine Ehe einzugehen – was sagen Sie ihnen? Jetzt, nach 25 Ehejahren?

Jede gelebte Ehe ist anders und wohl auch einmalig. Sie alle könnten jetzt beredt von Ihren Erfahrungen sprechen – und sollten es bei entsprechenden Gelegenheiten auch tun. Wovon sprechen Sie zuerst? Natürlich von der Liebe. Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe. Jeder will geliebt werden und Liebe schenken. Ein Kernsatz lautet: Liebe möchte sich weiterschenken. Liebe braucht den Raum der Intimität und Geborgenheit. Liebe will und braucht Dauer. Liebe hat kein Verfallsdatum. In dieser von Gott getragenen Gemeinschaft können Kinder Vertrauen in das Leben fassen und zu mündigen Menschen heranreifen.

In der Ehe, die das wechselseitige Versprechen braucht und sucht,  ist Gottes Liebe anwesend und erfahrbar. Denn Gott spricht sich im Sakrament der Ehe den beiden Liebenden zu. Er verspricht sein Mitgehen – verlässlich und auf Dauer. Er schafft die Ermöglichung, dass trotz all unserer menschlichen Schwäche der gute Wille am Beginn der gegenseitigen Liebe auch bis zur Vollendung durchträgt. Sie haben erfahren, dass Sie die Glut der Liebe nähren, aber sich nicht grenzenlos glücklich machen können. Der je größere Gott muss immer wieder neu von Ihnen aus in diese Liebe hinein genommen werden.

„Ehe ist ein Versprechen mit Leib und Seele. Es bezieht auch Eros und Sexualität mit ein. Die Liebe zwischen Mann und Frau sucht das erotische Begehren genauso wie die liebevoll-fürsorgliche Zuneigung. Dieses Spannungsfeld aus Lust, Hingabe und Herzensnähe eröffnet den ureigenen Raum für die Zeugung neuen Lebens.“ (Zehn Gründe für die Ehe, Deutsche Bischofskonferenz 2014)

Sie können Ihre Liebe nicht für sich behalten. Sie strahlt aus über Ihre Kinder, Enkelkinder und auf alle, die mit Ihnen zusammen kommen. Deshalb ist auch das Sakrament der Ehe, das Sie eingegangen sind, ein Stück gelebte Kirche, nämlich ein sichtbares Zeichen für die Liebe Gottes und deren wirksame Kraft im flüchtigen Heute.

Wir alle wissen um unsere menschlichen Begrenzungen. Fehler, Verletzungen und Enttäuschungen sind sicher nicht ausgeblieben. Von daher war auch immer der Wille zur Selbstkritik, zur Umkehr und Versöhnung im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. (Meine Mutter hat mir einmal gesagt: „Dein Vater und ich sind abends nie ins Bett gegangen ohne sich - bei Bedarf - einander zu verzeihen.“)

Eheleute müssen einander gegenseitig Raum geben, damit Sie sich verändern und entfalten können. Haben Sie Mut darüber zu reden, dass selbst auch beim Scheitern Gottes Liebe nicht verloren geht. Gott ist treu. Er lässt auch die enttäuschten und gebeutelten Eheleute nicht im Stich. (Im Herbst wird in Rom eine außergewöhnliche Synode über den Umgang mit gescheiterten Ehen stattfinden. Dann werden auch die Eheleute in den Blick genommen, die besonders schwere Erfahrungen gemacht und Leid erduldet haben.)

Papst Franziskus hat den weisen Satz gesagt: „In der Ehe schenkt man sich vollständig ohne Kalkül und Vorbehalte, teilt alles, die Geschenke und den Verzicht, vertrauend auf die Vorsehung Gottes.“ Haben Sie das nicht auch am eigenen Leib erfahren? Und ist das nicht so auch ein Teil des Geheimnisses Ihres eigenen Lebensglückes?

Eine christlich gelebte Ehe wird nicht nur von den Liebenden selbst ermöglicht, sondern von Gott. Und sie ist auch nicht ausschließlich auf das eigene kleine Lebensglück ausgerichtet sondern immer offen für andere. Die familiäre Liebe strahlt aus und hat auch das Wohl und Wehe der anderen im Blick.

Danken wir Gott am heutigen Festtag für das Gelingen der eigenen Ehe und bitten wir ihn auch für alle Menschen, deren Ehen zerbrochen sind und die in schwierigen Lebenssituationen nun besonders unserer Anteilnahme und Liebe bedürfen. Amen.

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