Würzburg/Mbinga (POW) „Das wird irgendwie so was wie ein riesiger Girlstrip“, sagt die 14-jährige Marie Häusler über eine Reise, die sie am Ende dieser Sommerferien antreten wird. Vom 27. August bis zum 11. September ist sie zusammen mit 42 weiteren Sängerinnen der Mädchenkantorei der Würzburger Dommusik in Tansania unterwegs. Der Chor wird dort im Würzburger Partnerbistum Mbinga unter dem Motto „Hope – Faith – Love“ Konzerte, Gottesdienste und Workshops gestalten.
Seit über sieben Jahren singt Marie bereits in der Mädchenkantorei am Würzburger Dom, ihr halbes Leben sozusagen. Sie habe da schon einiges erlebt, aber diese Reise sei für sie etwas Besonderes. „Ich bin sehr gespannt darauf, diese Kultur und den Alltag von Jugendlichen in unserem Alter zu erleben“, sagt sie. Um sich verständigen zu können, übt sie bereits seit einigen Wochen die Landessprache Swahili und kann sich selbst schon sehr flüssig vorstellen. Während Marie sich da nochmal sehr speziell vorbereitet, übt der Chor als Ganzes schon seit einer Weile das Konzertprogramm für die Reise. Der Einsatz der Jugendlichen dafür ist groß. Es geht nicht ohne Extraproben und Übungsaufgaben für zu Hause. „Das ist ja kein klassischer Urlaub, wir treten da gemeinsam als Chor mit den Menschen dort in Kontakt, wollen auch gemeinsam mit ihnen singen“, erklärt die 18-jährige Sängerin Marie Schulze. Auch sie freut sich auf die Gelegenheit, das Land nicht nur unter touristischem Blickwinkel kennenzulernen. Außerdem ist sie sich sicher, dass die Reise auch die Gemeinschaft im Chor stärken wird.
Für Domkapellmeister Alexander Rüth ist das ein wichtiger Aspekt dieser Reise. „Ich habe das in der Vergangenheit immer als besonders großes Geschenk erlebt, wenn man mit seiner Musik in den interkulturellen Austausch treten kann“, sagt der studierte Kirchenmusiker. Auslandsreisen gehören deshalb auch zum Standard der Chöre der Dommusik. Rüth hofft, dass die Sängerinnen des Konzertchores der Mädchenkantorei, die zwischen 13 und 25 Jahre alt sind, erleben werden, dass Musik etwas Kulturenübergreifendes sein kann. Sie spreche aus den Herzen und den Seelen der Menschen. Er glaubt, die größte Herausforderung für den Chor aus Deutschland ist die Verbindung von Rhythmik, Bewegung und Klang in der afrikanischen Musik. „Das wird spannend für uns, darauf freue ich mich.“
Mit ihm reisen Jakob Keller, musikalischer Assistent der Dommusik, Gesangspädagogin Susanne Dietzer und Verwaltungsleiterin Caroline Bauernfeind. Als geistliche Begleitung wird Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran zum ersten Mal das Partnerbistum Mbinga besuchen. Pastoralreferent Burkhard Pechtl von der Diözesanstelle Weltkirche hat als Referent der Diözesanpartnerschaft mit Mbinga die Organisation des Reiseablaufs in den Händen. Über 50 Menschen umfasst die Reisegruppe, laut Pechtl ist das zahlenmäßig die größte Gruppe, die bislang im Partnerbistum unterwegs war. Neben den drei Konzerten in Litembo, Matiri und Bagamoyo sind einige musikalische Gestaltungen von Gottesdiensten geplant, darunter auch ein Pontifikalamt im Kiliansdom von Mbinga. Darüber hinaus wird es Begegnungen und Workshops mit den Einheimischen geben. Auch ein Ausflug an den Malawisee, den neuntgrößten See der Erde, sowie eine Safari im Mikumi-Nationalpark stehen auf dem Programm.
Möglich gemacht wurde die Reise durch die finanzielle Unterstützung des Dommusikvereins, der Abbé-Vogler-Musikstiftung, des Bayerischen Musikrates und der Sparkassenstiftung.
Bevor die Reise beginnt, werden die Jugendlichen am Mittwoch, 26. August, offiziell im Würzburger Rathaus als Kulturbotschafterinnen der Stadt Würzburg entsendet. Eine Botschaft hat der Chor ja mit dem Motto „Hoffnung – Glaube – Liebe“. Das Lieblingslied der 13-jährigen Theophanu Opel im Konzertprogramm ist eine besondere Version des deutschen Volksliedes „Kein schöner Land“. Rüth hat es verbunden mit einem Swahili-Text. „Die Botschaft ist in beiden Sprachen ähnlich und ich finde es einfach wahnsinnig schön, dass wir uns gemeinsam in zwei Sprachen für eine bessere Welt einsetzen“, sagt Theophanu. Sie ist schon ein bisschen aufgeregt, weil sie noch nie so lange ohne ihre Eltern unterwegs war. Aber eines stimme sie auf jeden Fall zuversichtlich: „Wir haben auf dem Katholikentag den Bischof aus Mbinga kennengelernt, und der wirkte so herzlich und nett. Wenn die Menschen da alle so sind, dann wird das eine richtig schöne Reise mit richtig schönen Begegnungen.“
bv (POW)
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