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Erste Hilfe für die Seele

Beraterinnen und Berater der LFB haben sich als „Ersthelfer für psychische Erkrankungen“ qualifiziert

Würzburg (POW) Wie erkennt man eine Depression? Was tun bei einer Panikattacke? Und wie spricht man einen Menschen an, der möglicherweise Suizidgedanken hat? Mit diesen Fragen haben sich die Beraterinnen und Berater der Ländlichen Familienberatung (LFB) bei einem dreitägigen „Mental Health First Aid“-Kurs im Würzburger Burkardushaus beschäftigt. Der Kurs war speziell auf ihre Beratungstätigkeit zugeschnitten. Geleitet wurde er vom Psychiater und Psychotherapeuten Dr. Oliver Dodt. Nach dem Kurs legten die Teilnehmenden eine Prüfung ab und erhielten das Zertifikat „Ersthelfer für Psychische Erkrankungen“.

„Die Menschen, die zu uns kommen, stecken meist in einer tiefen Krise und vertrauen uns“, erklärte Rita Mergler-Spies, geschäftsführende Bildungsreferentin bei der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und Leiterin der LFB. Häufig gehe es um Zukunftsprobleme auf dem Hof, familiäre Spannungen, Arbeitsüberlastung oder Burn-out. „In der Beratung gehen wir mit den Ratsuchenden auf eine intensive Reise.“ Deshalb sei es „enorm wichtig, dass wir Symptome einer psychischen Erkrankung erkennen und im akuten Fall Erste Hilfe leisten können“.

Im Kurs erhielten die Teilnehmenden zunächst kompaktes Hintergrundwissen über die häufigsten psychischen Erkrankungen. Auf dem Programm standen unter anderem Depressionen, Angststörungen, Psychosen und Suchtprobleme. Auch akute Krisen wie Suizidalität, Aggressivität und Panikattacken wurden behandelt. Anschließend lernten die Beraterinnen und Berater, Warnzeichen und Symptome zu erkennen. An Fallbeispielen und in Rollenspielen übten sie, wie sie Betroffene ansprechen und an professionelle Hilfsangebote weitervermitteln können.

„Unsere Beraterinnen und Berater haben so wichtiges Handwerkszeug an die Hand bekommen und Sicherheit entwickelt“, sagte Mergler-Spies. Entscheidend sei zunächst, aufmerksam zu sein, bei entsprechenden Andeutungen konkret nachzufragen, wertschätzend zu bleiben, zuzuhören und da zu sein. Im zweiten Schritt gehe es darum, Betroffene zu ermutigen, einen Arzt aufzusuchen, und aktiv professionelle Hilfe zu vermitteln. „Bei bestimmten Erkrankungen stößt unsere Beratungstätigkeit einfach an Grenzen.“

Dass solche Kenntnisse gebraucht werden, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Rund 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leiden laut einer Studie innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung. Damit kommt es im Alltag deutlich häufiger zu Situationen, in denen Menschen psychische Erste Hilfe leisten müssen, als zu Situationen, in denen körperliche Erste Hilfe erforderlich ist. Gleichzeitig wissen viele Angehörige, Freunde oder Bekannte nicht, wie sie reagieren sollen. Betroffene sprechen ihre Probleme zudem oft nicht selbst an.

Hier setzt das Programm „Mental Health First Aid“ (MHFA) an. Es wurde Anfang der 2000er Jahre in Australien entwickelt und wird inzwischen in mehr als 50 Ländern angeboten. Mehr als acht Millionen Menschen haben die Kurse weltweit absolviert. In Deutschland gibt es die Ersthelfer-Kurse seit 2020. Sie werden vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim in Kooperation mit der Beisheim-Stiftung durchgeführt.

Wie wirksam das Programm sein kann, zeigt eine 2023 veröffentlichte Studie aus der Schweiz. Demnach stieg der Anteil der Kursteilnehmenden, die sich zutrauten, einem Menschen mit einer psychischen Störung zu helfen, von weniger als 25 Prozent auf 75 Prozent drei Monate nach dem Kurs. Nach einem Jahr lag der Anteil bei 97 Prozent. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde empfahl der Bundesregierung deshalb, das Programm bundesweit zu etablieren.

Die Ausbildung der LFB-Berater passt damit auch zum Motto der diesjährigen „Woche der Seelischen Gesundheit“: „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt.“ Die Aktionswoche findet vom 10. bis 20. Oktober deutschlandweit statt. Sie will über psychische Erkrankungen informieren, die gesellschaftliche Akzeptanz stärken und Hilfsnetzwerke fördern.

Stichwort: Ländliche Familienberatung

Die Ländliche Familienberatung (LFB) ist eine Beratungsstelle der Diözese Würzburg für Menschen aus Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau. Die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater unterstützen unter anderem bei Beziehungsfragen, Konflikten zwischen den Generationen sowie bei Überlastung und Überforderung – auch bei finanziellen oder betrieblichen Problemen. Gemeinsam mit den Ratsuchenden suchen sie nach Lösungswegen und begleiten deren Umsetzung. Die Beratung ist anonym und kostenlos. Information und Anfragen unter E-Mail info@lfb-wuerzburg.de.

Anja Legge (KLB)

(3726/0839; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet

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