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Im Gespräch

„Familien haben Grandioses geleistet“

Bildungsreferentin Elisabeth Amrhein und stellvertretender Vorsitzender Dietmar Schwab vom Familienbund der Katholiken über die Herausforderungen für Familien während der Coronakrise

Würzburg (POW) „Danke! An Mütter und Väter, Kinder und Jugendliche für 24 Stunden Beisammensein und das Miteinander gestalten, für Durchhaltevermögen und das Auffangen von Freiheitsliebe, Langeweile, Streitlust.“ Mit diesen Worten beginnt ein Text, mit dem der Familienbund der Katholiken (FDK) im Bistum Würzburg allen Familien für ihr Engagement und Durchhaltevermögen während der Coronakrise dankt. „Wir wissen, dass gerade Familien in der Zeit des Lockdowns und auch danach Grandioses geleistet haben und einer hohen Belastung ausgesetzt waren und noch sind“, sagt FDK-Bildungsreferentin Elisabeth Amrhein. Im POW-Interview beschreiben sie und stellvertretender FDK-Vorsitzender Dietmar Schwab, welchen Herausforderungen sich Familien stellen mussten und wie der FDK sich für ihre Interessen einsetzt.

POW: Familien sehen sich in der Coronakrise vor besondere Herausforderungen gestellt. Wie haben die Familien im Bistum Würzburg die vergangenen Monate erlebt?

Elisabeth Amrhein: Viele Familien haben an uns herangetragen, wie die Lebenswirklichkeit in der Coronakrise für sie ist. Einerseits gab und gibt es viele positive Momente. Andererseits waren und sind die Anforderungen durch den Beruf, auch im Homeoffice, das Homeschooling und die Betreuung von Kindergarten- und Schulkindern immer noch unbeschreiblich hoch. Familien wird eine Fülle von Aufgaben zugemutet und auch getraut. Beispiel Homeschooling: Wenn Lehrer E-Mails mit Aufgaben verschickten und sich wunderten, wenn nach drei Tagen noch nicht alle Kinder die Lösungen auf dem Schulportal hochgeladen hatten. Wenn Kinder und Jugendliche allein daheim und ohne ihre Freunde so absolut wenig Lust hatten, sich mit Biologie, Deutsch oder Mathe zu beschäftigen, und Väter und Mütter über so viele Wochen gemeinsam mit ihnen versuchten, die Motivation aufrechtzuerhalten. Es gab Missverständnisse, schwierige Drucksituationen für Eltern und Kinder und gleichzeitig immer auch eine gemeinsame Suche nach guten Lösungen. Auch die Sorge um Oma und Opa sowie die fehlenden sozialen Kontakte haben viele Familien belastet.

POW: Zum Familienbund gehört auch die Internetplattform intakt.info, die sich an Angehörige von Menschen mit Behinderung richtet. Wie kommen diese Familien mit der Situation zurecht?

Amrhein: Für diese Familien sind zum einen die gewohnten Routinen und Tagesstrukturen, etwa der Schulbesuch oder die Arbeit in der Werkstatt, aber auch Anlaufstellen und Unterstützungsmöglichkeiten größtenteils weggefallen. Der schwierige Prozess, ein Gleichgewicht zwischen Schule, Wohngruppe und Zuhause zu finden, wurde komplett durcheinandergebracht. Durch den Wegfall von therapeutischen Angeboten sind manche Fähigkeiten, die mühsam erarbeitet wurden, teilweise verloren gegangen. Auch Einsamkeit ist ein großes Thema. Erwachsene Kinder, die in einer Wohneinrichtung leben, konnten nicht besucht werden oder nach Hause kommen. Eltern wiederum, deren Kinder zuhause leben, mussten zusätzlich die Betreuung für ihre Kinder leisten. Für Menschen mit einer Behinderung ist es teilweise schwierig nachzuvollziehen, was im Moment gerade los ist. Aus Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder sind viele Familien vielleicht noch länger vorsichtig und verharren länger in der Isolation. Hier bieten wir mit der Plattform intakt.info die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Eltern sowie Informationen.

POW: Wie bewertet der Familienbund die Entscheidungen der Bundesregierung in der Coronakrise?

Dietmar Schwab: Uns ist wichtig, dass alle Familiensituationen mitbedacht werden, wenn etwas beschlossen wird. Gerade Familien mit Kindern mit Behinderung waren von den Corona-Einschränkungen sehr stark betroffen. Uns erreichten da Berichte von Familien, die zuhause teilweise komplett isoliert waren, ohne eine Möglichkeit der Betreuung. Kritisch betrachtet werden muss der Umgang mit den Kindertagesstätten und Schulen. Immer wieder konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Interessen von Eltern und Kindern gegenüber der Wirtschaft als weniger „systemrelevant“ angesehen wurden. Positiv zu bewerten ist, dass der Staat jene Eltern finanziell unterstützt hat, die aufgrund der weggefallenen Betreuungsmöglichkeiten ihre Erwerbstätigkeit aufgeben oder einschränken mussten. Wir setzen uns zusammen mit dem Bundesverband dafür ein, die Lohnfortzahlungen für Eltern, die sich wegen der Coronakrise um die Betreuung ihrer Kinder kümmern müssen, fortzusetzen. Wir begrüßen auch die beabsichtigte Zahlung eines Kinderbonus und die Erhöhung des Freibetrags für Alleinerziehende.

POW: Wie sieht der FDK seine Rolle in der Coronakrise?

Schwab: Der FDK versteht sich als Sprachrohr und Anwalt für Familien. Wir setzen uns auf gesellschaftlicher, staatlicher und kirchlicher Ebene für die Belange von Familien ein. Dabei sind wir zum einen Ansprechpartner für Familien. Sie wissen selbst am besten, mit welchen Herausforderungen sie in der Coronakrise konfrontiert sind und wie man sie am besten unterstützen kann. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, die Leistungen von Familien in der Öffentlichkeit zu thematisieren. So hat zum Beispiel die Main-Post zu Beginn der Coronakrise drei, vier Mal einen ganzseitigen Dank an die „Alltagshelden“ wie Ärzte, Apotheker, Pfleger, Erzieher, das Personal in Supermärkten und Reinigungskräfte abgedruckt. Familien sind auch ein Standbein der Gesellschaft! Gerade in den ersten sechs bis acht Wochen des Corona-Shutdowns haben sie Gigantisches geleistet. Von daher war es uns wichtig, dass die Gesellschaft das auch mitbekommt. Deshalb haben wir vom FDK einen Textvorschlag für einen Dank an die Familien erarbeitet. Wir freuen uns, dass die Main-Post unsere Idee aufgegriffen hat und diesen Dank mittlerweile in verschiedenen Regionalausgaben mehrfach gedruckt hat. Ab Herbst wird es auch wieder ein umfangreiches Programm für Familien geben. Wir diskutieren derzeit noch darüber, welche Formate in diesen besonderen Zeiten wie realisierbar sind. Meine Bitte an Familien: Schreiben Sie uns, was Sie brauchen, und wir werden uns gemeinsam mit Ihnen hier in der Region wie auch auf Bundesebene für die Anliegen von Familien engagieren!

Weitere Informationen zum Familienbund der Katholiken gibt es im Internet unter www.familienbund-wuerzburg.de.

sti (POW)

DANKE!

An Mütter und Väter,

Kinder und Jugendliche

für

24 Stunden Beisammensein und das Miteinander gestalten

für Durchhaltevermögen und das Auffangen von Freiheitsliebe, Langeweile, Streitlust

fürs Konflikte klären und nach einem Wutausbruch immer wieder neu anfangen.

Für einfach in den Arm nehmen

für gemeinsames Sortieren von Gefühlen und Wünschen

für Engagement und Kreativität in den vergangenen Monaten bei dem Versuch Freunde, Spielplätze, Kitas und Schule zu ersetzen.

und wie sie sich in dieser Situation mit all ihren Kräften

in den Dienst (für die Zukunft) unsrer Gesellschaft gestellt haben!

Wir sind beeindruckt und danken Euch!

(2920/0713; E-Mail voraus)

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