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„Frei von ‚Deutungssoße‘“

Schauspieler Kai Christian Moritz trägt Markusevangelium im Würzburger Ratssaal vor – Auftakt zur Reihe „Vier Farben Jesus“ der Domschule Würzburg

Würzburg (POW) Es ist ein anspruchsvolles und vielschichtiges Unterfangen, das Schauspieler Kai Christian Moritz am Montag, 25. März, um 19 Uhr im Ratssaal des Würzburger Rathauses startet. Dort trägt er in einem Monolog das Markusevangelium vor. Die anderen drei Evangelien sollen innerhalb eines Jahres folgen, an weiteren, nicht mit dem Thema Kirche assoziierten Spielorten. „Vier Farben Jesus“ heißt die Reihe, die Moritz in Zusammenarbeit mit Dr. Dietmar Kretz, Studienleiter bei der Domschule Würzburg, konzipiert hat.

Der Ratssaal als Veranstaltungsort habe sich aus der Beschäftigung mit dem Markusevangelium ergeben. Für die künstlerische Umsetzung sei es wichtig, im Vorfeld das jeweilige Alleinstellungsmerkmal eines Evangeliums zu finden. „Jesus fordert bei Markus zu radikaler Nachfolge auf und verlangt von seinen Jüngern Eigeninitiative. Der Ratssaal als Ort der Entscheidungsfindung kann helfen, diese Spannung zu vertiefen“, erklärt Moritz.

„Die ursprüngliche Idee für diese szenische Darstellung stammt vom britischen Schauspieler Alex McCowen. Der hat in den 1970er Jahren das Markusevangelium komplett an einem Abend auf der Bühne erzählt.“ McCowen nahm die Übersetzung der King-James-Bibel als Textgrundlage. Moritz wird für „seinen“ Markus die Übersetzung des Neutestamentlers Professor Dr. Martin Ebner nutzen. „Sie ist nah dran am griechischen Urtext. Die Einheitsübersetzung ist durch den liturgischen Gebrauch vielen im Ohr. Diese Version aber bietet sicherlich mehr Kanten“, sagt der Schauspieler.

Zum Beispiel heiße es zu Beginn „…Evangelium von Jesus Christus, einem Gottessohn“. „Damit zeigt Markus für die Zeitgenossen deutlich auf, dass seine Botschaft ein ganz bewusster Gegenentwurf ist zu Berichten über beispielsweise den römischen Kaiser, der zur damaligen Zeit ebenfalls oft als Gottessohn vorgestellt wird.“ Auch für ihn als erfahrenen Schauspieler sind diese sprachlichen Besonderheiten eine Herausforderung. „Natürlich fällt es auch mir einfacher, einen Text auswendig zu lernen, der den Hörgewohnheiten und dem entspricht, was wir als ‚normales Deutsch‘ empfinden.“ In Ebners Übersetzung fänden sich zudem auch Details wieder, die in der gebräuchlichen Übersetzung nicht vorkämen. „Jesus spricht meistens im Präsens, während seine Jünger und die anderen Akteure häufig in der Vergangenheit reden.“ Nicht zuletzt auf diesem Weg habe er beim Erarbeiten den Text ganz neu entdeckt. „Das ist sehr spannend.“

Seinen Zugang zu den Evangelien sieht Moritz primär auf der sprachlichen Ebene und frei von „Deutungssoße“. „Ich bin kein Kleriker. Daher möchte ich das Evangelium bewusst dem Kontext der Liturgie entreißen. Mir geht es darum, ein Stück Weltliteratur aufzuzeigen, das bis heute unsere Welt prägt.“ Moritz selbst ist sich bewusst, dass in den Evangelien auch eine Ambivalenz liegt. „Für viele entstand und entsteht daraus auf der einen Seite Heil und Sinnstiftung. Gleichzeitig gibt es auch Kriege und Hass, die sich aus exakt derselben Quelle nähren und auf sie berufen.“ Er selbst wolle mit den vier Monologen zu den Evangelien keine Botschaft verkünden. „Ich komme nur von den Texten nicht los.“

Seine Herangehensweise gleiche ein wenig der von Eltern, die abends ihren Kindern aus einem Buch vorlesen. „Da wird ganz selbstverständlich für verschiedene Menschen ein jeweils eigener Tonfall gewählt. Emotionen dürfen spürbar werden.“ Während des Erarbeitens habe er sich jeweils ausführlich damit beschäftigt, welche Emotionen die Worte in ihm auslösten. So habe es einen gewissen Witz, wenn die beiden Jünger Jakobus und Johannes Jesus um besondere Ehrenplätze in der Herrlichkeit bitten. Überhaupt biete das Markusevangelium allerhand spannende und kontroverse Themen. „Das muss auch so sein. Damals gab es kein Fernsehen. Wer die Leute unterhielt und fesselte, konnte sie auf diese Weise für seine Botschaft interessieren.“

Bei der Aufführung im Ratssaal wird es außer Licht für die Atmosphäre und einer begleitenden, reduzierten Videoprojektion nur ganz wenige Requisiten geben. Einen musikalischen Rahmen erhält das Stück durch die Violinistin Roberta Verna. „Das Instrument ist reduziert und kompakt – so wie der Text von Markus“, erklärt Moritz. Am Anfang sowie am Ende und etwa in der Mitte, wenn Jesus seinen Weg Richtung Jerusalem beginnt, wird Verna aus Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo, BWV 1004, spielen.

Karten kosten an der Abendkasse 16 Euro (ermäßigt 14 Euro). Kartenreservierung bei der Domschule Würzburg, Telefon 0931/38643111. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.domschule-wuerzburg.de.

mh (POW)

(1319/0331; E-Mail voraus)

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