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„Frieden, der alle Vernunft übersteigt“

Dokumentation
Predigt von Weihbischof em. Ulrich Boom beim Gebet für den Frieden der Gemeinschaft Sant'Egidio am Freitag, 10. April, in der Würzburger Marienkapelle,

Der Gruß des Auferstandenen Herrn ist: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19).

Er wiederholt es, vielleicht sogar mehrmals, weil die Jünger vergessen haben, dass der Herr ihnen seinen Frieden immer wieder geschenkt hat, in Wort und Tat.

„Friede sei mit euch!“ ist auch der Gruß eines Bischofs zu Beginn einer jeden liturgischen Feier, weil da, wo wir uns im Namen Gottes um Jesus Christus versammeln, Friede sein soll. Gewiss kein Friede wie die Welt ihn gibt (vgl. Joh 14,27), brüchig, zerbrechlich, erzwungen durch Macht, sondern ein Friede, der gegründet ist in das Vertrauen in Gott und letztlich auch in das Vertrauen der Menschen.

„Friede sei mit euch allen!“ Das war das erste Wort des neugewählten Papstes Leo XIV., des Bischofs von Rom. Nicht von ungefähr.

Wir können uns leicht wiederfinden in dem Kreis der Jünger im Abendmahlssaal von Jerusalem. Angst macht alles dicht, verschließt alle Türen, wenn die Hoffnungen zerschlagen und die Wege in die Zukunft unbegehbar sind, oder wenigstens scheinen.

Wenn wir in die Welt schauen mit all ihren Problemen und Konflikten, den politischen Auseinandersetzungen mit Gewalt und den daraus folgenden kriegerischen Zerstörungen, ist die Hoffnung auf Frieden, wenn es sie dann überhaupt gibt, ein kleines Pflänzchen. Der Friede liegt in weiter Ferne, es gibt bestenfalls einen Stillstand der Waffen und eine trügerische Waffenruhe. Wo der Finger während der Gespräche „am Abzug“ bleibt, wird weiter nachgerüstet und aufgerüstet.

„Friede auf Erden den Menschen guten Willens“ (Lk 2,14), die Botschaft vom Himmel verdunstet auf der Erde in der Hitze und im Feuer der Gefechte. Der Geist der Menschen, wenigstens einiger, ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach. Damit rückt ein allumfassender Friede immer weiter weg.

Die Jünger erkennen ihren Herrn an seinen Wunden. Der Auferstandene bleibt auch der Verwundete. Seine Wunden heilen nicht, aber sie bringen dem Heil, der in Jesu Friedensspuren geht, ihm nachfolgt. „Empfangt den Heiligen Geist“ (Joh 20,22). Es gilt, Jesu Geist einzuatmen, aus dem Geist Jesu zu leben. „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen, denen ihr sie behaltet, sind die behalten“ (Joh 20,23). Das Wort des Herrn verweist nicht zuerst auf das Sakrament der Versöhnung, sondern darauf, dass wir zum inneren und äußeren Frieden gelangen, wenn wir vergeben und um Vergebung bitten. Wo das geschieht, wird mitten im Alltag die Versöhnung zum Sakrament, zum Zeichen der Nähe Gottes.

Gleich beim Gebet im Blick auf die Kriegsgebiete in der Welt zünden wir, wie in der Osternacht, Kerzen an, Friedenslichter. Hier in der Kirche, im Raum des Glaubens, mögen sie weiterbrennen, leuchten. Draußen in den Stürmen der Zeit muss dieses Licht geschützt werden. So schwierig es sein mag, wir müssen den Frieden Jesu, des gekreuzigten und auferstandenen Herrn, in die Welt hinaustragen.

Der Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa, hat recht, wenn er in seiner Botschaft zu Ostern 2026 sagt:

„Die Auferstehung ist eine Weise des Ungehorsams, eines Ungehorsams gegen Misstrauen und Angst!  Wir aber wollen dem Herrn gehorchen und dem Licht! Denn wir feiern ja das Licht, das zu uns kommt und nicht die Finsternis.

Wir lassen nicht zu, dass die Finsternis in unseren Herzen die Oberhand gewinnt, nicht in unserer Denkweise und unserer Haltung, nicht in unseren Beziehungen. Auch nicht heute, trotz allem. Und das ist mein Zuspruch für alle: Es gibt keine Situation, die für immer dazu verurteilt, im Schatten des Todes zu sein. Nichts! Sogar hier.“

Bitten wir den Herrn, dass wir seinen Frieden in unseren Herzen tragen und diesen Frieden, der alle Vernunft übersteigt, um uns weitergeben und verbreiten. Überall. Amen. Halleluja!