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„Für jeden Euro das Maximum an Klimaschutz“

Wie ein kleines Team in Würzburg Kirchen, Verwaltung und Mobilität klimafreundlicher macht – Maximilian Braun und Eva-Maria Weimann berichten aus ihrer Arbeit

Würzburg (POW) Seit Juli 2024 ist Maximilian Braun Klimaschutzmanager des Bistums Würzburg und damit für das Klimaschutzkonzept der Diözese zuständig. Er und sein Team in der Fachstelle Schöpfungsverantwortung streben an, „für einen investierten Euro das Maximale an Klimaschutz herauszuholen“. Seit kurzer Zeit betreue er etwa die Durchführung von Raumklimamonitoring in Kirchen, mit dem beispielsweise in der Gemeinde Rottendorf durch das Installieren von Sensoren in der Kirche bereits begonnen worden sei. Künftig solle diese Praxis flächendeckend im Bistum angewendet werden.

„Ein Ziel des Klimaschutzkonzeptes ist es, in den Kirchen Warmluftheizungen zu vermeiden, weil diese den ganzen Raum heizen“, sagt Braun. Effizienter sei es, körpernahe Heizsysteme wie Sitzkissenheizungen zu implementieren. Die Umstellung des gesamten Heizsystems in einer Kirche berge normalerweise keine Risiken für zusätzliche Feuchtigkeitsprobleme. Um trotzdem Temperatur und Feuchtigkeitsentwicklung zu beobachten und gegebenenfalls eingreifen zu können, sei bei dem Einbau einer körpernahen Heizung das Raumklimamonitoring „eine Notwendigkeit“. Auf Basis dieser gesammelten Daten zum Raumklima könnten passende Maßnahmen zum Schutz der Bausubstanz und der Kunstwerke ergriffen werden.

In der Fachstelle Schöpfungsverantwortung und Klimaschutz arbeitet Braun mit Eva-Maria Weimann, Referentin für Klimaschutz, und dem Umweltbeauftragten Christof Gawronski zusammen. Sie alle arbeiten hier in Teilzeit. „Wir ergänzen uns hier im Team wunderbar“, sagt Braun mit Hinweis auf die Unterschiede im Werdegang. Sein Kollege Gawronski ist Pastoralreferent, Weimann war zuvor als Verwaltungsmitarbeiterin im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg beschäftigt. Braun selbst kommt aus dem technischen Bereich. Er ist Bauingenieur und hat im Master Umweltingenieurwesen studiert.

Er sei im kirchlichen Kontext aufgewachsen und habe ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Partnerdiözese Mbinga gemacht, erzählt Braun. Das habe die Beziehung zur Diözese und zur tansanischen Partnerdiözese noch intensiviert. Zu erfahren, wie Menschen mancherorts intensiver unter den Klimabedingungen leiden als man es hier erlebe, habe ihn motiviert, gesamtheitlicher zu denken. Die Position als Klimaschutzmanager gebe ihm die Möglichkeit, den Blickwinkel zu weiten, da darin das ganze Thema Nachhaltigkeit berücksichtigt werde. Für Weimann ist der Klimaschutz „die zentrale Frage unserer Zeit“, die alle Bereiche des Lebens betreffe – beruflich wie privat und vor allem sozial. „Wer ist besonders betroffen und wie schaffen wir ein gutes Leben für alle, heute und in Zukunft? Genau diese Verbindung aus ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit motiviert mich. Klimaschutz ist ein zentraler Bestandteil des kirchlichen Auftrags, und daran möchte ich mitwirken.“

Klimaschutzkonzept: Die Umsetzung beginnt

Das Klimaschutzkonzept der Diözese Würzburg wurde zunächst über 19 Monate hinweg erarbeitet. Haupt- und Ehrenamtliche des Bistums brachten sich im Rahmen von zwölf Workshops in unterschiedlichen Dekanaten ein. Seit Februar 2026 befindet sich Braun gemeinsam mit seinem Team nun in der Phase der Umsetzung. „Die Aufgabe ist es jetzt, die Ziele des Konzepts in die Strukturen der Diözese mit einzugliedern.“ Das sei ein sehr weitläufiges Feld mit vielen unterschiedlichen Tätigkeiten. Beispielsweise vertrete er in Gremien die Klimaschutzposition. Nach wie vor gehöre auch Öffentlichkeitsarbeit zu seinen Aufgaben. Er präsentiere die Inhalte des Klimaschutzkonzepts und vermittle, was diese für das Bistum bedeuten. „Es geht auch viel darum, die Leute mit ins Boot zu holen, damit das Ganze dann auf vielen Schultern verteilt ist.“ Ziel sei es, das ganze Bistum auf dem Weg mitzunehmen.

Im Maßnahmenkatalog des Klimaschutzkonzeptes sind 22 Ziele mit Angabe der jeweiligen Priorität verankert, wobei der Katalog explizit eine „Handlungsempfehlung für die konkrete Umsetzung vor Ort“ ist. Den Herausgebern ist es wichtig, „dass die Maßnahmen als Orientierung verstanden werden“. Zu den Zielen gehören etwa eine Photovoltaik-Strategie und eine Datenbank für Gebäude und Energiedaten, aber auch Information und Beratung sowie Ziele im Bereich der E-Mobilität und der Verwaltung. Das Klimaschutzkonzept sei keine Vorschrift, sondern eine Richtschnur, die unterstützen soll, sagt Braun. Es diene als „Fahrplan“, der Möglichkeiten aufzeige, klimafreundlich und auch wirtschaftlich unterwegs zu sein. Schon seit langer Zeit gehe es neben dem Klimaschutz selbst auch um das „wirtschaftliche Überleben in Zukunft“, beispielsweise beim Heizungstausch. „Wenn eine Kirchenstiftung vier- bis fünfstellige Summen an Heizkosten im Jahr hat, muss überlegt werden, wie lange man diese enormen Kosten noch tragen kann und welche günstigeren Alternativen es gibt.“ Es gehe dabei in erster Linie darum, beim Versagen einer Heizung Informationen bereitzustellen, damit nicht noch einmal Anlagen mit fossilen Energieträgern eingebaut würden.

„Schöpfungsverantwortung spielt überall eine Rolle“

Weimann sieht ihren Schwerpunkt vor allem in den Bereichen Mobilität und Beschaffung. So werde derzeit ein Carsharing-Modell für kirchliche Dienststellen etabliert, um effizienter und klimafreundlicher unterwegs zu sein. „Parallel beschäftigen wird uns damit, wie wir den Ausbau von Ladeinfrastruktur voranbringen können, um die Voraussetzungen für mehr Elektromobilität zu schaffen.“ Beim Thema Beschaffung gehe es oft um konkrete Alltagsfragen, beispielsweise Papierhandtücher: Welche Produkte sind ökologisch sinnvoll und wie werden sie entsorgt? Wie lassen sich Kreisläufe verbessern? „In enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Verwaltungsstellen entwickeln wir hier praktikable und zugleich nachhaltige Standards.“

„An den verschiedenen Stellen des Bistums gibt es immer auch Verantwortliche vor Ort. Unsere Funktion ist es, gemeinsam mit den Partnern Ideen zu sammeln, diese Projekte dann zu begleiten sowie mit Informationen zu unterstützen“, erklärt Braun. Wenn dann Ideen gefunden würden, versuche das Team, diese auch zu verbreiten. So könne etwa ein „Best Practice“-Beispiel aus einer Kirchenstiftung auch in anderen Bereichen übernommen werden.

„Das Schöne ist, dass wir mit vielen unterschiedlichen Stellen kooperieren, weil das Thema Schöpfungsverantwortung überall eine Rolle spielt“, sagt Braun. Dabei sei das Klimaschutz-Team mit einem sehr hohen Tempo unterwegs. Besonders intensive Kontakte gebe es unter anderem zur Abteilung Bau, da die größten Treibhausgasemissionen mit über 80 Prozent in Gebäuden entstünden. „Da kann man unmittelbar die größten Stellschrauben verstellen.“

Schöpfungsverantwortung ist für Braun nicht nur ein theologischer Begriff, sondern ein klarer Arbeitsauftrag. Es gehe um Fragen wie: Was kaufe ich ein und wie viele Ressourcen brauche ich für mein Leben? Wie bewege ich mich fort? Wie wohne ich? „Ich kann jeden Tag aufs Neue entscheiden, wie ich diese Schöpfungsverantwortung lebe“, betont er.

ph (POW)

(1826/0414; E-Mail voraus)

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