Würzburg (POW) Bischof Dr. Franz Jung hat am Montagabend, 6. Juli, beim Kiliani-Pontifikalgottesdienst für Politiker und Räte im Würzburger Kiliansdom dazu aufgerufen, den Notschrei von Menschen am Rand der Gesellschaft wahrzunehmen und sie zu ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zugleich warnte er vor Ideologisierung, Kleinmut und Nationalismus, die den Blick verengten. „Habt Mut, steht auf! Es lohnt sich!“, rief er den rund 800 Menschen im Kiliansdom zu.
Das Motto „Hab Mut, steh auf!“ des diesjährigen 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg und der Kiliani-Wallfahrtswoche stammt aus der Erzählung über die Heilung des blinden Bartimäus im Markusevangelium. Daraus leitete der Bischof in seiner Predigt drei zentrale Aufgaben für Politik und Kirche ab: den Ruf der Bedürftigen hören, Menschen zur Eigenverantwortung befähigen und die Welt mit neuen Augen sehen. Er betonte, Menschen in Not seien oft beschämt und wagten nicht, auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Deshalb brauche es in Politik und Kirche einen „Außenblick“ über die eigene Blase hinaus, damit niemand abgehängt oder vergessen werde. „In unserem Projekt der Sozialraumorientierung versuchen wir, genau diesen Außenblick über den eigenen Kirchturm hinaus einzuüben, um den Ruf der Notleidenden hören zu lernen, in dem Jesus selbst uns anruft.“
Mit Blick auf Demokratie und kirchliche Gremien warb der Bischof für „selbstbestimmte Teilhabe“ und verwies auf das Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre. Staat, Kommune und Bistum könnten Verantwortung nicht einfach abnehmen, sondern müssten Menschen befähigen, selbst tätig zu werden. Bischof Jung kritisierte eine verbreitete Service-Mentalität, die er als problematisch für das Gemeinwesen ansah. Gesellschaft und Kirche lebten davon, dass möglichst viele mitdenken, mitentscheiden und sich einbringen.
Zudem mahnte der Bischof einen realistischen politischen Blick an. Politik dürfe sich nicht an Ideologien orientieren, sondern müsse die Wirklichkeit nüchtern wahrnehmen und auch unbequeme Entscheidungen treffen. Gerade in Zeiten globaler Krisen dürften sich Entscheidungen nicht an nationalen Eigeninteressen verengen, sagte der Bischof. Gemeinsame Herausforderungen ließen sich nur gemeinsam lösen.
Bischof Jung dankte allen, die sich in Politik, Räten und kirchlichen Gremien engagieren. Wer sich zur Wahl stelle, mache sich verletzlich, sagte er, doch auch Niederlagen gehörten dazu. Wichtig sei, wieder aufzustehen und neu anzufangen. Zudem würdigte er den langen Atem, das bessere Argument und die Freude am eigenen Tun als Voraussetzungen für gutes politisches und kirchliches Engagement.
mh (POW)
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